Nötigung

Graciano Rocchigiani muss 3600 Euro Geldstrafe zahlen

Der frühere Boxweltmeister hat nach Überzeugung eines Berliner Gerichts im Juli 2011 einer Bekannten nach einem Streit das Handy entrissen.

Foto: DAPD

Der Vorwurf ist eher gering, die Konsequenzen indes könnten groß sein: Ex-Profiboxer Graciano Rocchigiani wurde am Dienstag von einer Moabiter Strafrichterin wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt. Da der 48 Jahre alte Ex-Weltmeister noch zwei offene Bewährungsstrafen hat, könnte es passieren, dass er hinter Gitter muss. Das wird nach Rechtskraft des Urteils entschieden.

Die Richterin sah es nach der Beweisaufnahme als erwiesen an, dass Rocchigiani im Juli 2011 eine zu dieser Zeit schon ehemalige Freundin am Telefonieren hinderte und ihr das Handy entriss. Die 30-jährige Marie D. hatte zuvor vor Gericht ausgesagt, dass es schon am Abend zuvor in einem Lokal einen Streit gegeben habe. Rocchigiani habe sie mehrfach beleidigt und ihr am Ende eine Pizza ins Gesicht geworfen.

Streit wegen Strafanzeige

Unklar blieb, ob sie noch am selben Abend gegen ihn Strafanzeige erstatte. Rocchigiani muss jedoch davon ausgegangen sein. Als sie sich am nächsten Tag noch einmal trafen, im Hotel „Haus Schildhorn“ in Grunewald, habe der Ex-Boxer von ihr gefordert, die Anzeige zurückzunehmen, sagte die Hotelfachfrau. Als sie darüber erneut in einen Streit gerieten, habe sie die Polizei angerufen. Rocchigiani habe ihr dann das Handy aus der Hand gerissen und gedroht: „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“ Als die Polizei wenig später erschien – vier voll besetzte Streifenwagen, weitere standen in Bereitschaft – hatte Rocchigiani das Handy sofort herausgegeben. „Das gehört der Alten, ich brauche es nicht“, soll der Ex-Boxer gesagt haben.

Marie D. sagte zu Beginn ihrer Zeugenaussage, dass sie das Handy damals sofort von den Beamten zurückbekommen habe, und es für sie deswegen keinen Grund für den Prozess gebe: „Mit ist völlig egal, ob er dafür bestraft wird oder nicht.“ Rocchigiani selbst hatte sich zu den Vorwürfen nicht geäußert. Er gab jedoch Zwischenkommentare, aus denen zu schließen war, dass er seiner Meinung nach zu Unrecht vor Gericht sitze. Das endete erst, als ihn die Richterin nachdrücklich warnte, sie werde bei der nächsten unangemeldeten Äußerung ein Ordnungsgeld verhängen.

Rocchigiani arbeitete zuletzt als Trainer, ist derzeit nach eigenen Angaben aber ohne Job. Er soll jedoch eine feste Anstellung als Boxtrainer in Aussicht haben, in einer Berliner Stiftung , die sich um misshandelte Kinder kümmern will.