Katwarn

Katastrophen-Alarmsystem in Berlin gestartet

Das System "Katwarn" sendet Berlinern im Katastrophenfall Kurzmitteilungen aufs Handy – zielgenau für die Anwohner.

Foto: Glanze

Berlin verfügt ab sofort über ein modernes Katastrophen-Warnsystem. Bei großen Unglücksfällen kann die Feuerwehr jedem angemeldeten Nutzer umgehend ortsgenaue Warnungen und Verhaltenshinweise geben – mit einer SMS direkt aufs Mobiltelefon.

Den Startschuss gab Innensenator Frank Henkel (CDU) am Sonntag gemeinsam mit Landesbranddirektor Wilfried Gräfling. Die Nutzung des „Katwarn“ genannten Systems ist kostenlos und freiwillig, die einmalige Anmeldung überaus einfach. Auf Wunsch ist die Alarmierung zusätzlich auch gratis per E-Mail zu haben.

Bei Unglücksfällen wie extremen Unwettern, Bombenfunden, Großbränden und schweren Havarien sendet die Leitstelle der Berliner Feuerwehr eine Kurzinformation auf Handys und Smartphones. Beispielsweise auch bei einem Großbrand, bei dem giftige Schadstoffe freigesetzt werden.

Der besondere Vorteil des von dem Forschungsinstitut Fraunhofer Fokus entwickelten Meldesystems besteht darin, dass nicht etwa berlinweit gewarnt wird, sondern nur in einem oder mehreren Postleitzahlgebieten. Somit also genau dort, wo die Gefahr aufgetreten ist.

Die versandte SMS könnte lauten: „Großbrand – Warnung für Postleitzahlgebiet 12345 – öffentliche Plätze verlassen, Fenster schließen, Klima- und Lüftungsanlagen abschalten“. Würde eine freigesetzte Giftwolke etwa nach Westen ziehen, kann die Leitstelle diese Warnung blitzschnell und punktgenau auf weitere betroffene Postleitzahlflächen ausdehnen.

Nutzerfreundliche Anwendung

„Das Ziel des Systems war, eine Lösung zu finden, wie die Bevölkerung bei Unglücksfällen zusätzlich gewarnt werden kann“, so Landesbranddirektor Wilfried Gräfling. Katwarn sei als Ergänzung gedacht, neben den bestehenden Warnungen von Polizei, Feuerwehr, etwa durch Lautsprecheransagen oder Rundfunkdurchsagen, die weiterhin bestehen bleiben sollen.

Die veränderte heutige Mediennutzung werde mit der Nutzung der Mobilfunknetze zur Verbreitung eines Katastrophenalarms zeitgemäß genutzt, ergänzte Gräfling. Die einzige Voraussetzung zur Teilnahme am Warnsystem besteht in der einmaligen Anmeldung per SMS an die Servicerufnummer 0163-7558842 mit der Angabe des Stichworts KATWARN 12345 (als Beispiel für eine Postleitzahl).

Wer zusätzlich Warnungen per E-Mail erhalten möchte, fügt einfach seine Mailadresse hinzu. Bis auf die Gebühr für diese Anmelde-SMS ist die Nutzung gratis. Zur Abmeldung, etwa bei einem Umzug, genügt eine SMS mit dem Text „KATWARN AUS“.

Weitere Informationen bietet die Berliner Feuerwehr auf ihrer Homepage oder das Internet unter www.katwarn.de. In Planung ist nach Auskunft von Ortwin Neuschwander, Führungskraft bei Fraunhofer Fokus, bereits zusätzlich eine App für Smartphones, die in „etwa vier bis acht Wochen“ verfügbar sein soll.

Innensenator Henkel lobte die Neuerung des Warn- und Informationssystems als „zeitgemäße Ergänzung für die Steigerung der öffentlichen Sicherheit“ in Berlin. Katwarn sei praktisch, überall und jederzeit erreichbar, zudem kostenlos und somit ideal für den modernen Katastrophenschutz, sagte Henkel vor Tausenden Besucher des Tages der Offenen Tür bei der Feuerwehrzentrale in Siemensstadt.

Werben um Ehrenamtliche

Er werde seinen Beitrag dazu leisten, dass Katwarn in Berlin ein Erfolg werde. Nebenbei nutzte der Innensenator die Gelegenheit, um ehrenamtliche Mitarbeiter bei einer der 57 Freiwilligen Feuerwehren in Berlin zu werben. Dabei sprach er auch gezielt Berliner mit Migrationshintergrund an, die er zur Teilnahme ermuntern wolle.

Nach Hamburg ist die Bundeshauptstadt der zweite Stadtstaat Deutschlands, der das Alarmsystem einführt. Außerdem besteht das System in Frankfurt am Main sowie in einigen Kommunen in Ostfriesland und in Hessen. Die nächsten Anwender-Länder sollen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sein, kündigte Ortwin Neuschwander an.

In Berlin wäre der Start von Katwarn bereits im Spätsommer 2011 möglich gewesen. Doch der damalige Innensenator Ehrhart Körting (SPD) habe sich gegen eine Einführung unmittelbar vor der Abgeordnetenhauswahl im September 2011 ausgesprochen, berichteten Fraunhofer-Mitarbeiter. Grund: Das innovative Warnsystem wäre möglicherweise als Wahlkampf-Spektakel angesehen worden.

Überlastung nicht zu erwarten

Landesbranddirektor Gräfling sagte, er hoffe auf eine rasche Verbreitung mit kurzfristig mehreren Zehntausend Anwendern in Berlin. Mittelfristig wäre eine Nutzung durch zehn Prozent aller Berliner als Erfolg zu werten, so Gräfling.

Er hoffe darauf, dass sich viele Berliner registrieren lassen. Eine Überlastung des Netzes im Ernstfall fürchtet Gräfling nicht. Bei besonders großflächigem Einsatz sei lediglich eine zeitliche Verzögerung zu erwarten. Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke sagte, dass Teilnehmer nicht mit einer Flut von SMS rechnen müssten.

In Hamburg etwa seien innerhalb eines Zeitraums von einem halben Jahr sieben bis acht Warnungen ausgegeben wurden, einschließlich Hochwasserwarnungen.

So melden Sie sich an

Wer zukünftig den Warndienst nutzen möchte, schreibt eine SMS an die Servicenummer 0163-755 88 42 mit dem Stichwort „KATWARN“ und seiner Postleitzahl. Zu beachten ist, dass nur Postleitzahlen innerhalb Berlins berücksichtigt werden und nur eine Postleitzahl pro Handy angegeben werden kann. Die Angabe einer E-Mail-Adresse ist optional.

Angemeldete Nutzer erhalten automatisch Warnmeldungen, sobald sich eine Gefahrenlage für das angegebene Gebiet ergibt. Außer der SMS-Gebühr für die einmalige Anmeldung bei Katwarn – und gegebenenfalls für die Um- bzw. Abmeldung – ist der Warndienst kostenfrei.

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