Bei Schulausflug

Von Granitblock begraben – zwei Schülerinnen liegen im Koma

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Michael Behrendt, Monika Ewa Kijuk und Sabine Flatau

Zwei Mädchen wurden lebensgefährlich am Kopf verletzt, als ein Findling sie im Landschaftsgarten Johannisthal unter sich begrub.

Bei einem tragischen Unfall sind am Freitagmorgen zwei kleine Mädchen in Treptow schwer verletzt worden. Sie wurden ins künstliche Koma versetzt, befinden sich aber - nach Informationen von Morgenpost Online - nicht mehr in Lebensgefahr. Ersten Erkenntnissen nach waren sie beim Spielen auf dem ehemaligen Flughafengelände des Landschaftsparks Johannisthal am Groß-Berliner Damm von einem tonnenschweren Findling überrollt und eingequetscht worden.

Klassenkameraden und Lehrer waren geschockt, die zuständige Feuerwache 53 wurde nach der Rettungsaktion aus den aktuellen Einsatzplänen genommen, damit die Feuerwehrmänner das Gesehene verarbeiten konnten. Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke sprach von einem Unfall, der selbst für hartgesottene Beamte schwer zu ertragen gewesen sei. Die Schule in Johannisthal, an der die Kinder lernen, wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Zwischenfall äußern. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen.

Kinder im künstlichen Koma

Es sollte ein fröhlicher Ausflug für die vierten Klassen der Ginkobaum-Grundschule an der Springbornstraße werden. Doch er endete gegen 10.50 Uhr in einer Katastrophe: Mehrere Kinder hatten in einer Sandmulde gespielt, auf deren leichtem Hang sich auch der schwere Stein befand. Offenbar buddelten zwei zehn und elf Jahre alte Mädchen unter dem Stein, während ein anderes Kind darauf kletterte. Ob der Findling dadurch ins Rutschen kam und die beiden Kinder unter sich begrub, ist noch unklar.

Bereits eine Minute später gingen mehrere Notrufe bei der Feuerwehr ein: Gleichzeitig gelang es Passanten und Lehrern die Kinder unter dem Stein hervorzuziehen. Doch schnell wurde klar, dass die Kinder schwere Schädelverletzungen erlitten hatten - beide waren nicht ansprechbar. Die Einsatzleitung der Feuerwehr beorderte den Rettungshubschrauber Christoph 31 zum Unfallort, um eines der Kinder mit einem schweren Schädelhirntrauma ins Krankenhaus Neukölln zu fliegen, das andere wurde von einer Rettungswagenbesatzung in eine nahe gelegene Klinik gebracht. Die Ärzte dort versetzten beide Kinder in ein künstliches Koma. Denn es könne nach Informationen von Morgenpost Online nicht ausgeschlossen werden, dass im Schädelinnern Gefäße geplatzt sind. Nach Angaben eingesetzter Beamter verdanken die beiden Mädchen dem schnellen Handeln der Anwesenden ebenso ihr Leben wie dem Umstand, dass der Boden sandig ist und deshalb nachgegeben hat.

Parallel zum Feuerwehreinsatz wurden mehrere Notseelsorger zu der Unglücksstelle beordert, um sich um die geschockten Klassenkameradinnen der beiden Mädchen zu kümmern, eine Lehrerin musste ärztlich versorgt werden. Der kinderpsychologische Dienst wurde angefordert.

Auch die eingesetzten Feuerwehrbeamten hatten Probleme mit der Verarbeitung des Erlebten. „Die Männer kamen in der Wache zusammen, wir haben sie bis 19 Uhr am Freitag vom Dienst befreit, bis die Ablösung kam“, berichtet Jens-Peter Wilke. In dieser Zeit wurden Rettungswagen anderer Wachen in den Treptower Raum verlegt, um den Rettungsdienst aufrecht zu erhalten.

Das Landeskriminalamt hat von Amts wegen ein Verfahren wegen „fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassung“ eingeleitet. Es müsse einem Ermittler zufolge nach geprüft werden, ob möglicherweise die Aufsichtspflicht verletzt worden sei. Es werde zudem untersucht, ob der Stein ausreichend gesichert war. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte die Schulklasse in dem öffentlichen Park Schatzsuche gespielt. Eine Gefahr sei laut Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke nicht „in Sicht gewesen“. Das Gelände lade mit seinem Grün sowie der Sandfläche quasi zum Spielen und Toben ein.

Amt bringt Findlinge in die Talsohle

Der Landschaftspark Johannisthal wird seit etwa vier Jahren vom Bezirksamt Treptow-Köpenick betreut. Unmittelbar nachdem das Unglück am Freitag bekannt geworden war, sei eine Amtsleiterin nach Johannisthal gefahren und habe sich am Unfallort informiert, sagte Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD), der auf einem Termin außerhalb des Bezirks unterwegs war. Mitarbeiter des Grünflächenamtes Treptow-Köpenick hätten am Freitag alle übrigen Steine auf der Fläche „in die Talsohle gebracht, an den tiefsten Punkt, wo nichts mehr ins Rollen kommen kann“, so der Dezernent. „Wir wollen auf Nummer sicher gehen, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.“ Das Gelände im Park sei als ausgetrocknetes Flussbett mit mehreren großen Findlingen gestaltet worden, als Nachbildung einer eiszeitlichen Landschaft, sagte Hölmer. Man gehe derzeit im Bezirksamt von einem tragischen Unfall aus. „Es lag nichts fahrlässig herum.“ Das Wichtigste sei, dass die verletzten Kinder jetzt medizinisch bestmöglich versorgt werden. Man werde im Bezirksamt Treptow-Köpenick am Montag noch einmal beraten, kündigte Stadtrat Rainer Hölmer an, „wenn alle Fakten von Polizei und Feuerwehr zum Hergang auf dem Tisch liegen.“ Dann werde entschieden, ob die Findlinge im Park bleiben oder entfernt werden. Der Landschaftspark Johannisthal ist insgesamt 68 Hektar groß. Er wurde im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung von 1998 bis 2010 auf dem einstigen Flugfeld in Johannisthal angelegt und liegt nahe dem Technologiepark Adlershof und den Instituten des naturwissenschaftlichen Campus der Humboldt-Universität.