Umfrage

Berliner zweifeln am neuen Eröffnungstermin des BER

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Christina Brüning

Foto: DPA

Die Vorfreude ist verflogen: Mehr als die Hälfte aller Berliner sehen den neuen Eröffnungstermin für den Großstadtflughafen BER mit Skepsis.

Noch Ende April war Berlin voller Optimisten. Gut zwei Drittel der Menschen sahen der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER hoffnungsfroh entgegen. Das hatte der damalige Berlin-Trend ergeben. Und entsprechend hart nehmen die Bewohner der Hauptstadt nun die kurzfristige Absage des Flughafen-Starts. 69 Prozent sagen, die geplatzte Eröffnung schade dem Ruf Berlins. Aller Optimismus ist verflogen, mehr als die Hälfte der Berliner zweifeln jetzt auch daran, dass der neue Starttermin am 17. März 2013 gehalten werden kann.

Berliner fürchten um den Ruf der Hauptstadt

Das sind die Ergebnisse des neuen Berlin-Trends im Auftrag der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“. Für die Umfrage hat Infratest Dimap zwischen dem 8. und 11. Juni 1000 wahlberechtigte Berliner am Telefon befragt.

Das Stimmungsbild der Umfrage, die sich allein mit den Folgen der geplatzten Flughafen-Eröffnung befasst hat, spiegelt eine grundsätzliche Skepsis und Unzufriedenheit mit dem neuen Stand der Planungen wider. Nur 39 Prozent der befragten Berliner erwarten, dass der BER Mitte März kommenden Jahres wirklich eröffnet, 57 Prozent haben Zweifel. Und nur acht Prozent der Befragten gaben an, die geplatzte Eröffnung habe in ihren Augen gar keine schädlichen Auswirkungen auf den Ruf Berlins. 22 Prozent glauben, der Ruf leide durch das Debakel eher wenig. Diesen 30 Prozent Unerschütterten stehen 69 Prozent gegenüber, die sich als Berliner für die geplatzte Eröffnung eher zu schämen scheinen. Mit 44 Prozent der weit größere Anteil derer findet sogar, die kurzfristige Absage der Eröffnung schade dem Ruf Berlins „sehr stark“.

Jüngere reagieren entspannter

Die Bewertung der Lage verläuft dabei deutlich entlang von Alters- und Parteigrenzen. Jüngere Berliner und Wähler von SPD und Grünen reagieren eher entspannt auf die Situation. 38 Prozent derer, die die Absage eher nicht als schädlich für Berlin empfinden, ist zwischen 18 und 29 Jahre alt. Der Aussage, die geplatzte Eröffnung schade dem Ruf der Hauptstadt stimmten in der Generation 60plus dagegen 74 Prozent der Befragten zu. Unter den Parteianhängern zeigt sich folgendes Stimmungsbild: Die Mehrheit der Anhänger von CDU, Linke und den Piraten sehen den Ruf Berlins sehr stark geschädigt. Wer keinen oder nur geringen Schaden ausmachen kann, wählt eher Grüne oder SPD. Ähnlich sieht die Verteilung bei der Frage aus, ob der neue Eröffnungstermin zu halten sei. 65 Prozent der Generation 60plus ist skeptisch, die Hälfte der Berliner zwischen 18 und 44 erwartet dagegen keine neuen Verzögerungen.

Wie hoch die Kosten für das Land Berlin sind, die aus der verschobenen Eröffnung durch mehr Baukosten, mögliche Schadenersatzforderungen und Wirtschaftshilfen für in Not geratene Unternehmen entstehen, ist bislang unklar. Der neue Doppelhaushalt für 2012 und 2013 musste am Donnerstag deshalb ohne Berücksichtigung des BER-Debakels verabschiedet werden. Ein Nachtragshaushalt droht. Für die Berliner ist allerdings schon klar, wie die Politik mit den Mehrkosten umgehen sollte: Nur 29 Prozent der Berliner favorisieren die Finanzierung über die Aufnahme neuer Schulden. 52 Prozent der Befragten haben sich dafür ausgesprochen, die zusätzlichen Kosten durch Verzicht auf Investitionsprojekte wie etwa den Neubau der Landesbibliothek zu finanzieren. Klar gegen Schulden sind 62 Prozent der CDU-Anhänger, gut die Hälfte von SPD- und Grünen-Wählern sowie 42 Prozent der Anhänger der Linken.

In der Diskussion um den Lärmschutz für die Anwohner am neuen Flughafen, plädieren 68 Prozent der Befragten dafür, den Lärmschutz zu verbessern, selbst wenn dadurch die Kosten weiter steigen würden oder sich gar der Bau weiter verzögert. Nur 25 lehnen weitere Verbesserungen ab. In dieser Frage zieht sich die überwiegende Zustimmung zu mehr Lärmschutz relativ gleichmäßig durch alle Altersklassen und Parteipräferenzen.

Weniger eindeutig ist die Einstellung zu den personellen Konsequenzen der Eröffnungsverschiebung. Auf die Frage, ob Rainer Schwarz als Chef der Flughafengesellschaft seinen Hut nehmen sollte, sagten 36 Prozent der Befragten Ja und ebenso viele Nein – jeder Vierte wusste auf die Frage gar keine Antwort. Auch Klaus Wowereits Rolle als Chef des Flughafen-Aufsichtsrates ist umstritten. Zwar verlor der Regierende Bürgermeister im Vergleich zu April 18 Prozentpunkte Zustimmung bei den Berlinern – seine Arbeit wird nach dem Flughafen-Debakel nur noch von 44 Prozent der Befragten geschätzt. Eine deutliche Rücktrittsforderung folgt darauf aber nicht: 45 Prozent wären dafür, 49 aber dagegen. Wie auch bei den Sympathiewerten Wowereits zeigt sich auch hier, dass der Regierende Bürgermeister im Osten der Stadt etwas mehr Rückhalt genießt und von CDU-Wählern mehrheitlich kritisch gesehen wird – trotz großer Koalition. 61 Prozent der CDU-Wähler fordern Wowereits Rücktritt vom Aufsichtsratsposten, von den SPD-Anhängern halten dies nur 30 Prozent für nötig. Und auch in Sachen Rücktrittsforderung gaben sich die 18 bis 29-Jährigen weniger streng als die Berliner ab 45.