Per Twitter

Piraten werfen Berliner Fraktion Mobbing vor

Zwei Pressesprecher der Piraten sind zurückgetreten. Die Berliner Fraktion soll per Twitter Stimmung gegen sie gemacht haben.

Foto: DPA

Ein Ex-Sprecher der Piraten hat sich über "Rufmord" bei Twitter durch Berliner Fraktionsmitglieder beschwert. Einer derjenigen, in den vergangenen Monaten Kritik am Presseteam des Bundesverbandes geäußert hat, ist Martin Delius, parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion. Abstreiten will Delius das nicht, den Vorwurf der Klüngelei und des Mobbings weist er aber klar zurück. Mit ihm sprach Christina Brüning.

Morgenpost Online: Der Ex-Bundespressesprecher der Piraten wirft einer „Klüngelgruppe“ in der Berliner Piratenfraktion Mobbing bei Twitter vor. Können Sie sich das erklären?

Martin Delius: Den Vorwurf der Klüngelgruppe nicht. Aber an der Arbeit des Bundespresseteams gab es schon länger Kritik, das ist allgemein bekannt. Und einzelne Mitglieder der Fraktion haben sich immer mal wieder dazu geäußert. Als wir noch keine Landtagsfraktionen hatten und die Arbeit der Piraten noch anders aussah, da hat das alte Presseteam ehrenamtlich im Rahmen der Möglichkeiten einen guten Job gemacht. Mittlerweile sind die Ansprüche aber sehr gestiegen, das können Medien-Laien ehrenamtlich nicht mehr leisten. Das gefällt der Gruppe natürlich nicht, das kann ich verstehen. Mit Mobbing hat das alles aber nichts zu tun.

Morgenpost Online: In den letzten Tagen wurden Tweets von Berliner Mandatsträgern verbreitet, in denen es heißt: „Was der nächste Pressesprecher können sollte: Einen geraden Satz schreiben“. In den vergangenen Wochen gab es viele ähnliche Beispiele. Das ist kein Mobbing?

Martin Delius: Wir Berliner hatten immer viel mit dem Bundespresseteam zu tun, weil wir als erste Piratenfraktion in Deutschland viel Aufmerksamkeit durch die Medien bekommen haben. Aber die Zusammenarbeit hat oft nicht funktioniert. Solche Tweets waren dann Ausdruck der Verwunderungen, dass Absprachen zum Beispiel nicht geklappt haben. Wir haben den alten Bundesvorstand mehrfach darauf hingewiesen, dass die Arbeit verbessert werden muss. Personelle Konsequenzen wurden dabei aber nicht gefordert. Es ging dabei nicht um Christopher Lang, sondern darum, die Arbeit professioneller zu machen. Jetzt sind wir da auf einem guten Weg.

Morgenpost Online: Ist es für Sie denn nicht nachvollziehbar, dass solche öffentlichen Tweets von den Betroffenen persönlich genommen werden?

Martin Delius: Ja, aber klärende Gespräche waren auch nicht möglich, die sind immer eskaliert. Zu einem Streit gehören immer zwei. Dass es persönliche Zerwürfnisse gibt, kann man nicht leugnen. Aber es ist nicht konstruktiv, sich oder irgendwelchen Gruppen Schuld zuzuweisen. Streit gibt es bei uns wie bei allen Parteien. Die Frage ist, ob wir professionell damit umgehen können. Und da war mit Christopher Lang kein Blumentopf zu gewinnen.

Morgenpost Online: Vor allem die anderen Parteien freuen sich gerade sehr über die schlechte Presse für die Piraten. Der Artikel bei Spiegel Online, in dem Christopher Lang über Rufmord, Klüngel und Chaos auspackt, dreht mit schadenfrohen Kommentaren seine Runden im Internet. Wie groß ist der Schaden?

Martin Delius: Der Schaden hält sich in Grenzen. Das ist kein großes Politikum. Es gab schon länger deutliche Kritik am Presseteam und zwar genau solche, wie er sie jetzt uns vorwirft: Herrschaftswissen zu bunkern oder die Kultur von geschlossenen Gruppen in der Partei zu pflegen. Ich finde es schwierig, dass er nun über die Medien so zurück schießt. Das schadet vor allem ihm selbst, nicht der Partei. Aber das Ganze wird den neuen Bundesvorstand nicht davon abhalten, weiter gute Arbeit zu machen. Und in der Pressearbeit wird es jetzt eine komplette Neuausrichtung geben.

Morgenpost Online: Die Freundin von Christopher Lang ist Ihre stellvertretende Fraktionsvorsitzende Susanne Graf. Wie wirkt sich der Streit jetzt auf das Fraktionsklima aus? Sprechen Sie noch miteinander?

Martin Delius: Natürlich sprechen wir noch miteinander. Mit Susanne gibt es überhaupt keine Schwierigkeiten. Sie ist auch nicht gleichzusetzen mit ihrem Freund. Wir arbeiten intensiv zusammen. Die Fraktion läuft inhaltlich gerade so richtig warm, wir haben viele neue inhaltliche Ideen. Von diesen Querelen lassen wir uns die politische Arbeit nicht kaputt machen.

Morgenpost Online: Alles anders machen zu wollen als die etablierten Parteien, das ist die Kernidee der Piraten, das hat sie vielen Wählern sympathisch gemacht. Ist es nicht gefährlich für den Erfolg der Partei, wenn der Vorwurf von Klüngel, ob wahr oder nicht, nun die Runde macht?

Martin Delius: Dagegen hilft es, keine Schuldzuweisungen zu betreiben und weiterhin inhaltliche Arbeit zu machen. Viel mehr können wir nicht tun, als zu zeigen, dass wir diese Kernidee leben. Wir haben außerdem nie gesagt, dass wir bessere Politik machen, weil wir bessere Menschen sind. Menschliche Schwächen haben wir auch, wir benutzen aber bessere politische Instrumente. Deshalb ist unsere Politik auch besser.