Missbrauch-Prozess

Parkeisenbahn-Täter bitten um Entschuldigung

Im Parkeisenbahn-Skandal läuft mittlerweile der vierte Prozess. Die beiden angeklagten Männer haben den Missbrauch bereits gestanden.

Foto: DAPD

Am Landgericht Moabit wird derzeit ein weiteres Kapitel in der scheinbar unendlichen Geschichte über Kindesmissbrauch bei der Berliner Parkeisenbahn behandelt. Seit Donnerstag muss sich dort Tobias N. (31) verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schweren Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in 13 Fällen vor. Mitangeklagt ist Steffen M. (26), der sich dreimal an Minderjährigen vergangen haben soll, einmal davon gemeinsam mit dem Hauptangeklagten. Die Opfer waren zur Tatzeit 12 bis 14 Jahre alt.

Wie schon in drei vorangegangenen Prozessen um die abscheulichen Geschehnisse bei der bislang beliebten Freizeiteinrichtung in der Wuhlheide legten auch in dieser Hauptverhandlung die Angeklagten gleich zu Beginn Geständnisse ab. Damit ersparten sie ihren Opfern zumindest einen Auftritt vor Gericht. In Erklärungen, die ihre Verteidiger verlasen, räumten Tobias N. und Steffen M. die zwischen 2001 und 2007 begangenen Taten ein. „Ich bedauere, was ich getan habe. Ich wollte den Opfern keinen Schaden zufügen und bitte um Entschuldigung“, hieß es in der Erklärung von Steffen M.

Beide Angeklagte standen in der Hierarchie der Parkeisenbahn weit über ihren Opfern, ein Umstand der dazu führte, dass die Opfer die Missbrauchshandlungen widerstandslos über sich ergehen ließen. Wie groß der Einfluss der Täter auf ihre Schützlinge, wie scheinbar unantastbar ihre Machtposition war, zeigt der Fall eines 14-Jährigen. Der Junge wurde zunächst auf dem Gelände der Parkeisenbahn von N. missbraucht und wenige Tage später nochmals in dessen Wohnung, die das Opfer feiwillig – so zumindest hatte es den Anschein – aufgesucht hatte.

Vorsitzender räumt Fehler ein

Die Missbrauchstaten bei der Parkeisenbahn kamen im Sommer 2011 ans Licht, als sich eines der betroffenen Kinder seiner älteren Schwester anvertraute, die die Polizei alarmierte. Auch sie hätten erst durch die Polizei von den Taten erfahren, haben seither die Verantwortlichen der Freizeiteinrichtung mehrfach versichert. Inzwischen bestehen erhebliche Zweifel an dieser Darstellung. Am Rande der Hauptverhandlung verwies der Anwalt eines als Nebenkläger auftretenden Opfers auf einen Vorfall von 2002. Seinerzeit soll ein Kind einer Vertrauensperson in der Einrichtung von einem Missbrauchsversuch berichtet haben. Nach Angaben des Anwaltes wurde das Kind hinterher gedrängt, seine Anschuldigungen zurückzunehmen. Der Vorfall wird jetzt geprüft.

Auch der Vorsitzende der Parkeisenbahn räumte in einem Fernsehbericht inzwischen ein, es sei ein Fehler gewesen, bei aufkommenden Verdachtsmomenten nicht früher etwas unternommen zu haben. „Viele Taten hätten verhindert werden können, hätte man früher die Notbremse gezogen“, kritisierte Opferanwalt Christian Weitzberg am Donnerstag die Versäumnisse. Die Verhandlung gegen N. und M. wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Zwei weitere Tatverdächtige warten noch auf ihre Prozesstermine.