Störungen

Kabelbrand bei S-Bahn - Polizei schließt Anschlag aus

Warum es am Dienstagmorgen bei der Berliner S-Bahn brannte, ist noch unklar. Das Feuer könnte aber fahrlässig ausgelöst worden sein.

Nur einen Tag nach der folgenschweren Computerpanne in der Betriebszentrale der Berliner S-Bahn hat ein Kabelbrand am Dienstagmorgen erneut für Chaos im Berufsverkehr gesorgt. Nahe dem Bahnhof Treptower Park hatten gegen 3 Uhr Signal- und Sicherungskabel Feuer gefangen. Alarmierte Bundespolizisten waren kurz darauf vor Ort und konnten das Feuer löschen. Die Ermittlungen übernahm inzwischen das Landeskriminalamt.

Nach Angaben eines Sprechers ist die Ursache noch unklar. Hinweise auf einen Anschlag fanden die Ermittler aber zunächst nicht. Proben vom Brandort würden noch chemisch auf mögliche Rückstände von Brandbeschleunigern untersucht, so der Sprecher. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen wurde auch dabei aber nichts Verdächtiges gefunden. Durch die Lage der Brandstelle sei nicht auszuschließen, dass das Feuer fahrlässig – etwa durch eine brennende Zigarettenkippe – ausgelöst worden sei, hieß es.

Weil an dem S-Bahnabschnitt noch gebaut wird, verlaufen die Kabel dort oberirdisch und nicht, wie sonst üblich, in einem Schacht. Unmittelbar neben dem Kabelstrang verläuft ein Rad- und Fußweg.

Vor fast genau einem Jahr hatte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke an der nahe gelegenen Großbaustelle Ostkreuz tagelange Einschränkungen im S-Bahnverkehr ausgelöst und zeitweise auch Kommunikationsnetze lahmgelegt. Im Oktober 2011 hatten mehrere an Bahngleisen versteckte Brandsätze tagelang für Zugausfälle und Verspätungen gesorgt. Auch wenn ein erneuter Anschlag zurzeit unwahrscheinlich erscheint, sind die Folgen für die S-Bahn und ihre Fahrgäste erneut gravierend. Nach Einschätzung von Experten der Bahntochter DB Netz werden die Schäden an den Kabeln frühestens im Laufe des Mittwochs repariert sein. Bis dahin heißt es für die Fahrgäste der S-Bahn wieder einmal: Geduld haben oder sich andere Wege suchen. Die Ringbahn-Linien S41, S42 sind zwischen den Stationen Ostkreuz und Neukölln unterbrochen, zwischen Ostkreuz und Treptower Park fahren im 10-Minuten-Takt nur Pendelzüge. Drei weitere Linien müssen verkürzt werden. Die S47 fährt nur zwischen Spindlersfeld und Schöneweide, die S8 zwischen Greifswalder Straße und Birkenwerder, die S9 zwischen Flughafen Schönefeld und Schöneweide.

Pannenstellen umfahren

Zwischen den Bahnhöfen Treptower Park, Sonnenallee und Neukölln sind 16 Ersatzbusse unterwegs. Weil diese aber deutlich länger brauchen und zudem im Berufsverkehr oft überfüllt sind, rät die S-Bahn ihren Fahrgästen, den gesperrten Bereich möglichst mit anderen S-Bahnlinien oder Bussen und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu umfahren.

Auch auf den Ost-West-Linien zwischen Ostbahnhof und Lichtenberg sowie zwischen Ostkreuz und Karlshorst kam es am Dienstag noch bis zum Mittag zu Ausfällen und Verspätungen, wie der Sprecher weiter bestätigte. Ursache war eine Signalstörung. Diese Panne hing nach S-Bahn-Angaben aber nicht mit dem Kabelbrand in Treptow zusammen.

Die Ursache der Computerpanne in der S-Bahnzentrale in Halensee konnten Techniker in der Nacht zu Dienstag ermitteln. Nach Softwarearbeiten sollten die Computer demnach am frühen Montagmorgen wieder hochgefahren werden. Dabei sei es zu Störungen in der Kommunikation zwischen mehreren Rechnern gekommen, die zum Absturz des Systems geführt hätten, sagte ein Bahnsprecher. „Es handelte sich um eine unglückliche Verkettung vieler Fehler in einem hochkomplexen System.“ Die Softwareprobleme in der S-Bahn-Betriebszentrale seien inzwischen aber behoben.

Die Zentrale steuert fast den gesamten S-Bahnverkehr der Stadt. Durch Rechnerausfall war es am Montag zu Sperrungen, Ausfällen und Verspätung rund um das sogenannte Nordkreuz zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen, Schönhauser Allee und Bornholmer Straße gekommen.