Kunstausstellung

Schluss mit Richter - 384.577 Besucher kamen

Am letzten Tag der Berliner Gerhard-Richter-Ausstellung wurde es noch einmal voll. Die Gesamt-Besucherzahl war noch höher als erwartet.

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Der Renner war das fast fotorealistische, verwischte Gemälde einer Klorolle. Jedenfalls bei den Postkarten, die Kay Usenbinz im Museumsshop der Neuen Nationalgalerie während der Gerhard-Richter-Ausstellung verkaufte. Das Motiv war schon nach wenigen Tagen vergriffen. Danach liefen besonders gut alle figürlichen Motive wie „Betty“, der Kronleuchter oder die Kerze. Am letzten Tag der Richter-Retrospektive, am Sonntag, waren die Warteschlangen vor der Neuen Nationalgalerie noch länger als sonst. Dennoch dauerte es nur eine halbe bis dreiviertel Stunde, bis die Besucher eingelassen werden. 6500 Besucher kamen auf den letzten Drücker, deutlich mehr als sonst.

Die Werkschau haben bis zu ihrem Abschluss am Sonntag 384.577 Besucher gesehen. „Damit ist sie, allein gemessen am Publikumsinteresse, zu einer der erfolgreichsten Ausstellungen eines zeitgenössischen Künstlers weltweit avanciert“, sagt Museumsdirektor Udo Kittelmann. Ursprünglich hatten die Ausstellungsmacher mit rund 350.000 Gästen bis zum Ende der Schau gerechnet. Das Besucherinteresse war laut Kittelmann seit dem ersten Öffnungstag am 12. Februar überwältigend. Im Schnitt besuchten mehr als 4500 Menschen täglich die Schau.

Mit Ehemann David (40) und Tochter Lilly (6) steht am Sonntag auch Nadine Schwarz (36) geduldig in der Reihe. Ein Muttertagswunsch. Entspannt und froh, es auf den letzten Drücker noch geschafft zu haben, sich die Werke des Anfang Februar 80 Jahre alt gewordenen Künstlers anschauen zu können. Richter zählt zu den weltweit bedeutendsten Gegenwartsmalern. Seine Werke erzielen auf Auktionen zweistellige Millionenpreise. Der in Dresden geborene Künstler war 1961 kurz vor dem Mauerbau in den Westen geflüchtet. Seine Werke sind in den bedeutenden Museen der Welt zu sehen.

Sie in Berlin anschauen zu können, ist auch für Familie Sayatz aus Prenzlauer Berg Grund genug, sich geduldig einzureihen. Tochter Nella (16), die mit ihren Eltern ansteht, ist sogar schon zum zweiten Mal da. Sie findet insbesondere das Lackbild „4096 Farben“ aus dem Jahr 1974 „sehr interessant“.

Und während für ihren Vater André Sayatz (49) der Reiz der Ausstellung darin besteht, dass für „Panorama“ Richters Bilder von überall her zusammengetragen wurden – auch aus Privatsammlungen, wie das Lackbild, das sonst nicht öffentlich zu sehen ist –, will die Gymnasiastin ihren Blick beim zweiten Besuch besonders auf die abstrakten Werke richten. Den Audioguide mit Erläuterungen möchte niemand aus der Familie bei der Museums-Tour missen: „Der ist superwertvoll und ersetzt die Führung.“

Extra aus München angereist, um mit Tochter Louise Zöckler (31) gemeinsam in die Ausstellung zu gehen, ist Barbara Löbe (61). Die Tochter ist ganz vernarrt in die Richter-Schau: „Ich kann nicht sagen, warum ich seine Bilder mag. Aber ich finde ihn auch als Typen gut: Er ist verschlossen, verschroben, und ich mag auch diesen Kontrast an ihm, dass er als Künstler der Welt sein Inneres zeigt, als Mensch aber eher schüchtern und introvertiert ist.“

Ambra Pittoni (34) und Paul-Flavien Enriquez Sarano (31), ein Künstler-Pärchen das seit sechs Jahren in Berlin lebt, schaut sich Richters Arbeiten erst am letzten Tag an: „Bislang hatten wir noch keine Möglichkeit, weil wir gerade selbst eine Ausstellung haben“, sagen sie und passieren nach 30 Minuten Wartezeit den Einlass. Auch die sechsjährige Lilly hat inzwischen ihr Lieblingsbild gefunden: Grau, Strahlen. „Das sieht so schön aus.“