1. Mai in Berlin

Koppers bedauert Versäumnisse im Rohrbomben-Fall

"Ein Fehler, den ich sehr bedauere." Berlins Polizeichefin Koppers informierte den Innensenator erst spät. Nun erklärt sie die Umstände.

Foto: Amin Akhtar

Nach dem Fund von drei Rohrbomben am 1. Mai hat Berlins amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers Fehler in ihrer Kommunikationspolitik eingeräumt. Gegenüber Morgenpost Online sagte sie auf Anfrage, dass sie am vergangenen Freitag, dem 4. Mai, einen ersten Sachstandsbericht über die Rohrbomben bekommen habe, in dem die Fundorte und die Fundsituation erläutert wurden.

Sie habe es versäumt, „den Senator persönlich über den aktualisierten Sachstand“ zu informieren. „Das war ein Fehler, den ich sehr bedauere“, erklärte sie.

Von Seiten der Politik und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gerät die Polizei weiter in die Kritik, die Bevölkerung zu spät informiert zu haben. Morgenpost Online liegt der Vermerk eines Polizeibeamten vor, der am 1. Mai eingesetzt war und der bereits nach Einbruch der Dunkelheit – die Sonne ging an diesem Tag um 20.33 Uhr unter – im Polizeifunk von dem Rohrbombenfund am Jüdischen Museum gehört hatte.

Die Öffentlichkeit wurde aber erst sechs Tage später während des Innenausschusses von Margarete Koppers informiert. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, kritisiert das: „Wenn eine Gefahr erkannt ist, muss sofort gewarnt werden.“

GdP: Gewalt hat "terroristische Dimension" erreicht

„Es ist schon erstaunlich, dass die Polizeiführung solche Informationen einige Tage zurückhält“, so der Innenpolitiker weiter. Viel dringlicher seien jedoch die Ermittlungen der weiteren Tatumstände, sagte er.

Bei der GdP herrscht ebenfalls Unverständnis. Nach Angaben des Berliner Landesvorsitzenden Michael Purper müsse dieser 1. Mai neu bewertet werden.

„Im Zusammenhang mit dem Angriff auf eine Funkstreifenbesatzung am 5. Mai, der aus meiner Sicht mit einer gezielten Tötungsabsicht erfolgte, hat die Gewalt in Berlin eine terroristische Dimension erreicht. Das darf nicht weiter heruntergeredet werden.“

Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeivizepräsidentin Koppers müssten nachvollziehbar erklären, warum die Öffentlichkeit über den Rohrbombenfund erst am Montag, dem 7. Mai, informiert wurde.

Das versuchte Berlins Polizeisprecher Stefan Redlich am Mittwoch. Die Einsatzleitung und Koppers hätten erst am Nachmittag des 3. Mai von dem Zwischenfall erfahren und somit die Öffentlichkeit anlässlich einer Pressekonferenz am 2. Mai nicht getäuscht. Die erste Anzeige eines Beamten zu den Funden datiere vom 2. Mai um 0.30 Uhr, es sei aber nur von einem pyrotechnischen Gegenstand die Rede gewesen.

Hysterie und falsche Schlussfolgerungen

Innerhalb der Polizei wird die Informationspolitik der Polizeiführung kontrovers diskutiert. „Frau Koppers hat vier Tage verstreichen lassen, bevor sie im Innenausschuss Details mitgeteilt hat. Dadurch konnte auch die Bevölkerung nicht sensibilisiert werden“, so ein Polizeiführer.

Koppers erklärte den Sachverhalt so: „Am Nachmittag des 3. Mai bin ich mündlich über den Fund von Explosivmitteln im Einsatzraum informiert worden.“

Die näheren Umstände, wer die Zylinder wann und wo gefunden habe, seien nicht klar gewesen. Sie habe ihre Mitarbeiter gebeten, bis Montag früh vor der Sitzung des Innenausschusses einen vollständigen Bericht vorzulegen, um dann die Abgeordneten und die Öffentlichkeit zu informieren.

„Ich habe um einen vertraulichen Umgang mit dem Sachverhalt gebeten, um Hysterie und falsche Schlussfolgerungen zu vermeiden, bevor wir die genaueren Umstände kennen“, so Koppers weiter.

Montag früh, vor der Sitzung des Innenausschusses, habe sie persönlich mit einem Entschärfer gesprochen, der ihr die möglichen Folgen vor Augen geführt habe, wenn die Rohrbomben funktionsfähig sein sollten.

Belohnung von 10.000 Euro

Im Fall des Angriffs auf eine Funkwagenbesatzung an der Mariannenstraße in Kreuzberg hat die Staatsanwaltschaft unterdessen eine Belohnung in Höhe von bis zu 10.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Aufklärung der Tat und Festnahme der Täter führen.

Wie berichtet, hatten Vermummte den an einer roten Ampel haltenden Wagen massiv mit Pflastersteinen attackiert, Feuerwerkskörper in den Wagen und einen Molotowcocktail gegen die Fahrerseite geschleudert. Die Beamten konnten sich in Sicherheit bringen.

Hinweise an die Tel: 46 64–95 34 10 oder jede andere Polizeidienststelle.