Gegenkandidat

Jan Stöß gewinnt Mitte beim Kampf um SPD-Landesvorsitz

Im Kandidaten-Duell für den Berliner SPD-Landesvorsitz hat sich der Kreisverband Mitte mit großer Mehrheit für Jan Stöß entschieden.

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Die SPD in Mitte hat den Herausforderer Jan Stöß als Kandidaten für den Landesvorsitz der Partei nominiert. Der Kreisverband sprach sich am Donnerstagabend mit großer Mehrheit für den SPD-Chef von Friedrichshain-Kreuzberg aus. Stöß erhielt 86 von 122 Stimmen. Auf Amtsinhaber Michael Müller entfielen 26 Stimmen. Zehn Genossen enthielten sich.

Ginge es nach der Lautstärke und Länge des Applauses, auch dann wäre Herausforderer Jan Stöß als Sieger des zweiten Aufeinandertreffens der beiden Kandidaten um den SPD-Landesvorsitz hervorgegangen. Amtsinhaber Michael Müller erhielt lediglich freundlichen Zuspruch für seine Vorstellung beim Kreisverband Mitte in der Ernst-Reuter-Schule in Wedding. Davor hatten Müller und Stöß sich den Delegierten gestellt und ihre politischen Schwerpunkte vorgestellt.

Stöß spielte seinen Vorteil aus, kein amtierendes Mitglied des Senats zu sein und so offen die aktuellen politischen Schwachpunkte der Partei ansprechen zu können. Es könne nicht sein, dass es immer noch keinen einheitlichen Mindestlohn gebe, die Teilausschreibung der S-Bahn vorbereitet werde und Liegenschaften nach dem höchsten Angebot verkauft werden. Den stärksten Applaus erhielt Stöß für seine Forderung, Schulen in sozialen Brennpunkten besser auszustatten als in bürgerlichen Bezirken.

Amtsinhaber Michael Müller setzte auf Kontinuität. „Warum sollte ich aufhören“, fragte er die 122 Delegierten. „Wir müssen deutlich machen, dass unser Auftrag längst noch nicht erledigt ist“, warb er um die Gunst der Genossen. Die Partei sei lebendig und gewinne junge Neumitglieder hinzu. „Darauf bin ich stolz.“

„Ich finde es toll, dass es zwei Kandidaten gibt und hoffe, dass sie mit ihrem Personaltableau herauskommen“, sagte ein Delegierter. Diesen Gefallen taten ihm beide nicht. Stöß signalisierte lediglich, Philipp Steinberg, Kandidat aus Mitte für den Vizeposten im Landesverband, zu unterstützen, sollte er gewählt werden. Die Delegierten hatten sich zuvor zunächst durch ein Spalier von Schauspielern der Schauspielschule Ernst Busch drängen müssen, bevor sie in der Aula der Ernst-Reuter-Schule ankamen. „Bitte, bitte, bitte – baut unser neues Haus in Mitte“, skandierten die Schüler, die seit Jahren auf ein angemessenes Schulgebäude warten.

Das Treffen der Kandidaten war mit Spannung erwartet worden, weil Mitte als einer der wenigen Kreisverbände gilt, in dem keine parteiinterne Strömung die Mehrheit besitzt und der Verband großen Einfluss innerhalb der SPD hat. Am 9. Juni, wenn es um die Wahl des SPD-Landeschefs geht, wird es auf die Stimmen dieses Kreisverbandes ankommen. Bereits am heutigen Freitag kommt es zum Aufeinandertreffen der Kandidaten in Charlottenburg-Wilmersdorf. Es folgen Pankow, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg.