Neugestaltung

Irischer Eigentümer des Kudamm-Karrees sucht Partner

Der Bau des 500 Millionen Euro teuren Einkaufs- und Bürozentrums am Berliner Kudamm liegt erst einmal auf Eis. Es gibt Finanzprobleme.

Foto: © David Chipperfield Architects

Auch nach fast fünf Jahren Planung, etlichen Treffen und Gesprächen zwischen Investor, Bezirk und anderen Betroffenen ist die Zukunft des Kudamm-Karrees ungewiss. Eigentlich sollte das rund 500 Millionen teure Einkaufs- und Bürozentrum 2013 fertig sein. Doch der Eigentümer des zum großen Teil bereits seit Jahren leerstehenden Gebäudekomplexes, die Ballymore Gruppe, kann das Projekt finanziell nicht allein realisieren. Durch die irische Bankenkrise sei das Unternehmen gezwungen, einen Partner zu suchen, bestätigte Ralph Bock, der Projektentwickler für Ballymore in Berlin. Die Immobilie werde nicht verkauft. Aber aus eigener Kraft sei das Vorhaben für Ballymore nicht zu realisieren.

Damit sind auch die Pläne für die beiden Woelffer-Bühnen, die im neuen Kudamm-Karree eine neue Spielstätte für rund 45 Millionen Euro erhalten sollten sowie eine Mietgarantie, die den Theaterbetrieb auf lange Sicht ermöglichen sollte, wieder offen. Noch im Jahr 2008, als Ballymore sich das erste Mal der Öffentlichkeit mit seinen Plänen präsentierte, hatte Theaterdirektor Martin Woelffer gesagt, Ballymore sei der erste Investor, von dem er den Eindruck habe, dass er es ernst meine. Damals hieß es noch, in zwei Jahren sollte Baustart sein. Die Finanzierung sei gesichert.

Vertraulichkeit vereinbart

Ballymore-Sprecher Bock versichert aktuell zwar, dass das laufende Verfahren weitergeführt werden soll; Ballymore sei bemüht, eine Lösung für alle zu finden: „Wir – der Bezirk, die Theater und Ballymore – haben ein gemeinsames Ziel.“ Die Entwicklung des Kudamm-Karrees stehe zudem im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen im Bezirk. Allerdings würden konkrete Pläne auch vom zukünftigen Partner abhängen. Der zuständige Stadtrat für Stadtplanung, Marc Schulte (SPD), verweist in diesem Zusammenhang aber auf die vereinbarte Vertraulichkeit zwischen den Parteien und will sich zu neuen Plänen nicht äußern. In der jüngsten BVV sagte er nur, sie seien „spannend“.

Zur Frage, ob der Entwurf des renommierten Architekten David Chipperfield weiterhin umgesetzt werden soll, sagte Bock nur, dass dies versucht werde. Ob die große Lösung komme, hänge ebenfalls vom Partner ab. „Alle Beteiligten wollen, dass es gut ausgeht. Und Ballymore steht auch zu seiner Planung, dass es ein neues Theater geben wird“, so Bock.

Mit der Umsetzung des Chipperfield-Entwurfs sollte neuer Glanz am Kurfürstendamm geschaffen werden – auf Drängen von Politik und Bürgern sollte auch die Kultur mit den beiden Theaterbühnen und dem Museum „Story of Berlin“ in der Planung berücksichtigt werden. Die Parteien hatten sich darauf geeinigt, dass der Investor ein neues Theater im ersten Obergeschoss mit immerhin 650 Plätzen baut, damit zumindest eine der beiden Bühnen in den Neubauten eine Heimstatt erhält.

Den Chipperfield-Entwurf lobte auch die damalige Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) als „weit entfernt von einer herkömmlichen Shoppingmall“. Sogar einen neuen Platz bekomme der Bezirk geschenkt. Thiemen und auch viele andere wie die Industrie- und Handelskammer und die AG City versprachen sich durch die Beauftragung des Büros Chipperfield einen großen architektonischen Wurf, der den Kudamm aufwerten würde. Neben den Theaterflächen mit rund 10.000 Quadratmetern und 2200 für die Story of Berlin sollten 21.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, 30.000 Quadratmeter Büros und 11.000 Quadratmeter für Gastronomie entstehen.

Doch diese Pläne sind im längst unmodernen Gebäudeensemble so nicht umzusetzen. Errichtet wurde es 1969 bis 1974 auf einem 20.000 Quadratmeter großen Areal mit einem 20-geschossigen Hochhaus in seinem Zentrum. Das Shopping-Karree bietet 40.000 Quadratmeter Büro- und Geschäftsfläche sowie ein Parkhaus an der Uhlandstraße. Integriert in den Komplex sind die beiden Theater Komödie und das Theater am Kurfüstendamm. Der derzeitige Leerstand ist unübersehbar.

Immer wieder neue Gerüchte

Ende 2006 hatte der damalige Eigentümer, der Immobilienfonds Grundbesitz-Invest der DB Real Estate Investment GmbH, im Zuge einer größeren Immobilien-Transaktion das Kudamm-Karree an das Investmentunternehmen Eurocastle verkauft. 2007 erwarb dann die irische Ballymore Gruppe den Baukomplex.

Seit Ballymore vor einem Jahr begann, einen Partner zu suchen, häufen sich die Gerüchte, dass der Investor Abstand von den bisher mit der Politik und dem Bauamt verhandelten Ergebnissen nehme. Auch der Hamburger Shoppingmall-Entwickler und Betreiber ECE sei interessiert, heißt es aus Immobilien-Kreisen in der City-West.

Möglich sei auch, dass Ballymore das Projekt auf Eis lege, indem es nur noch einen kleinen Anteil daran behalte, um dann nach drei bis fünf Jahren wieder einzusteigen. Das sei möglich, indem sich das Unternehmen beim Verkauf vom Partner Rückkaufsrechte einräume.