Verkehrschaos

Berliner S-Bahn soll erst ab 2022 wieder nach Plan fahren

Die Krise bei der Berliner S-Bahn hält schon drei Jahre an und ist noch lange nicht überwunden: Ab 2018 droht erneut ein Fahrzeugmangel.

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Diese Zahl schockt alle Nutzer der Berliner S-Bahn. Erst 2022 könnte der Verkehr nach Einschätzung des Fahrgastverbandes Igeb wieder auf allen Linien in vollem Umfang rollen. Bis dahin, so befürchtet Igeb-Sprecher Jens Wieseke, fehlen schlimmstenfalls die nötigen Züge für einen Vollbetrieb.

Die Schuld daran trage aber diesmal nicht das seit fast genau drei Jahren krisengeplagte Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, sondern der Senat. Weil die Landesregierung immer noch nicht über die Zukunft der S-Bahn entschieden hat, drohe – unabhängig von der Frage des künftigen Betreibers – ab 2018 ein erneuter massiver Fahrzeugmangel, sagt Wieseke.

Der Grund: Bis Ende 2017 wird im gesamten Streckennetz ein neues elektronisches Zugsicherungssystem eingeführt. Die älteren Zugbaureihen 485 und 480 können gar nicht oder nur sehr aufwendig auf die neue Technik umgerüstet werden. Knapp 200 neue Doppelwagen müssten daher Ende 2017 bereitstehen, um den Fahrzeugpark aufzufüllen.

Ein technisches Unikat

Wer auch immer die S-Bahn nach Ablauf des geltenden Verkehrsvertrages betreiben soll, müsste diese Neubau-Züge eigentlich schon bestellt haben. Experten schätzen die Zeit für die Konstruktion und Zulassung auf mindestens fünf Jahre.

Auch, weil die Berliner S-Bahn ein technisches Unikat ist. Bis alle Züge getestet und in Serie gebaut sind, würden weitere Jahre vergehen. Bislang hat der Senat aber nicht einmal entschieden, ob er den Betrieb ab Ende 2017 teilweise oder vollständig ausschreiben will.

Mindestens ein Jahr wird nach Einschätzung von Branchenkennern zusätzlich vergehen, bis in einem Wettbewerbsverfahren ein Betreiber gefunden ist. Zudem soll auch das Parlament dann noch bei der Vergabe mitreden dürfen.

Die Folge laut Igeb-Sprecher Wieseke: Nicht nur ein möglicher privater Konkurrent der Deutschen Bahn muss an der rechtzeitigen Fahrzeugbeschaffung scheitern. Auch der derzeitige Betreiber hat kaum Chancen, die knapp 200 neuen Fahrzeuge bis Ende 2017 auf die Schienen zu bringen.

"Zeit reicht hinten und vorne nicht"

Offiziell will sich die S-Bahn dazu nicht äußern. Nach Informationen von Morgenpost Online teilt die Bahn-Tochter aber grundsätzlich die Sorgen des Fahrgastverbandes. „Nach der Ausschreibung blieben noch drei oder dreieinhalb Jahre für die Fahrzeugbeschaffung“, sagt ein S-Bahn-Kenner. „Die Zeit reicht hinten und vorne nicht.“

Zunächst soll sich die Situation bei der S-Bahn aber merklich verbessern. Seit Dienstag entfallen dank technischer Nachrüstung tägliche Sicherheitschecks am Bremssystem. So sollen nach und nach mehr Züge einsatzfähig sein.