Plagiatsvorwurf

CDU-Abgeordnete entscheiden über Zukunft von Florian Graf

Tag der Entscheidung für Florian Graf - die politische Zukunft des 39-Jährigen steht auf dem Spiel. Seine Partei steht offenbar hinter ihm.

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Die Universität Potsdam hat dem Berliner Fraktionschef der CDU, Florian Graf, erwartungsgemäß den Doktortitel entzogen. Das gab die Universität am Mittwoch bekannt. Der Promotionsausschuss der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät bescheinigte Graf, in seiner Dissertation an mehreren Stellen abgeschrieben zu haben.

„Ich werde gegen diese Entscheidung kein Rechtsmittel einlegen“, sagte Florian Graf am Mittwoch. „Sie wird damit bestandskräftig.“

Bereits am Donnerstag stellt Graf in der CDU-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses die Vertrauensfrage. Die 39 Abgeordneten entscheiden in geheimer Wahl über die politische Zukunft ihres Fraktionschefs.

Es wird davon ausgegangen, dass Graf mit deutlicher Mehrheit in seinem Amt bestätigt wird, trotz des erschlichenen Doktortitels, den der 39-Jährige rund ein Jahr lang führte.

Auch am Mittwoch erhielt Graf breiten Zuspruch aus den eigenen Reihen. „Ich gehe von einem positiven Ausgang der Vertrauensfrage aus“, sagte CDU-Landesvorsitzender Frank Henkel. „Ich erwarte ein starkes, geschlossenes Signal und ein ehrliches Ergebnis.“

„Mein Vertrauen hat er“

Ähnlich äußerten sich andere führende Christdemokraten. „Florian Graf hat bislang wirklich hervorragende Arbeit geleistet“, sagte Fraktionsvize Michael Dietmann. „Mein Vertrauen und das meiner Reinickendorfer Kollegen hat er nach wie vor.“

Der Fraktionschef arbeite extrem kooperativ und gehe auf die CDU-Abgeordneten zu. „Das macht ihn zur richtigen Peson an der richtigen Stelle“, sagte Dietmann. Die Fraktion habe nur Grafs Arbeit als ihr Chef zu bewerten, nicht die von ihm vorgelegte Doktorarbeit.

Im Unterschied zu anderen, die ihren Doktortitel nach Plagiatsvorwürfen abgeben mussten, habe Graf sein Fehlverhalten aktiv angesprochen, bevor die ersten Verdachtsmomente öffentlich wurden.

Auch der Parlamentarische Geschäftsführer, Sven Rissmann, stärkte Graf am Mittwoch demonstrativ den Rücken. „Ich stehe zu ihm“, sagte Rissmann.

Die CDU-Fraktion erweise sich als „tolle Gemeinschaft, nichts erinnert mehr an die alte CDU“, sagte Rissmann weiter. Bislang gebe es keine Anzeichen dafür, dass sich jemand gegen Graf stelle.

Kopierte Textstellen, Fehler beim Zitieren

Graf hatte am vergangenen Freitag seine Dissertation zurückgezogen und eingeräumt, mit Plagiaten gearbeitet zu haben. Dabei hat er für seine Doktorarbeit Teile von mindestens zwei wissenschaftlichen Arbeiten anderer Autoren aus dem Internet kopiert – ohne dies kenntlich zu machen. Das räumte er in einem Brief an die Universität Potsdam ein.

Auch im Literaturverzeichnis seiner Promotion tauchen die Autoren nicht auf. Der Plagiatsvorwurf betrifft sieben der 209 Seiten seiner Promotion. Dabei geht es um einen Passus über den wissenschaftlichen Forschungsstand zur CDU.

Zudem hat er Fehler beim Zitieren gemacht. In dem Brief gibt er zu, sich fremdes Wissen zu Eigen gemacht zu haben. „Dies ist eine Täuschungshandlung“, so Graf an die Dekanin der Universität Potsdam, Theresa Wobbe.

Mit „cum laude“ bewertet

In seinem vierseitigen Schreiben an die Dekanin entschuldigt sich Graf für sein Handeln. Es sei zu keiner Zeit seine Absicht gewesen, dem Ruf der Universität Potsdam zu schaden. Graf hatte 2003 mit seiner Doktorarbeit zum Thema „Der Entwicklungsprozess einer Oppositionspartei nach dem abrupten Ende langjähriger Regierungsverantwortung“ begonnen.

Insbesondere den Niedergang der Berliner CDU nach dem Bankenskandal wollte Graf wissenschaftlich analysieren und auf mögliche Parallelen zu anderen Landesverbänden untersuchen. 2010 gab Graf seine Arbeit ab. Sie wurde mit „cum laude“, was der Note zwei entspricht, bewertet.

Zum üblichen Verfahren gehört auch eine Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse in einer Fachzeitschrift. Doch diese Zusammenfassung schob Florian Graf immer wieder vor sich her. Die eigentliche Arbeit war solange mit einem Sperrvermerk versehen und wurde somit nicht veröffentlicht.

Nach Auffassung der Uni Potsdam verhielt es sich allerdings anders. „Nachdem Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität der Dissertation aufgekommen waren, hat die Dekanin den Qualitätsrichtlinien der Universität entsprechend eine Prüfung der Dissertation veranlasst“, heißt es in eine Stellungnahme der Universität dazu.

Daraus habe sich ein Plagiatsverdacht ergeben, zu dem Florian Graf um Stellungnahme gebeten worden sei. Daraufhin habe er den Antrag auf Entziehung des Doktorgrades gestellt.

Besonnener und zuverlässiger Kollege

Der CDU-Fraktionschef macht die hohe Belastung durch den Wahlkampf und die anschließende Regierungsbildung dafür verantwortlich, dass er die Zusammenfassung immer wieder verschoben habe.

„Meine eigene politische Tätigkeit weitete sich dagegen immer mehr aus. Und trotzdem wollte ich meinem Anspruch, dieses Promotionsvorhaben zu Ende zu bringen, gerecht werden. Heute weiß ich: Wissenschaft und Politik lassen sich nicht gleichzeitig ausüben“, so Graf in seinem Brief an die Universität weiter.

Graf, der seit fünf Jahren im Berliner Parlament vertreten ist, wird über die Parteigrenzen hinaus als besonnener und zuverlässiger Kollege geschätzt und hat sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als Haushaltsexperte erarbeitet.