Kudamm

In Berlin rennen Kellner und Pagen um die Wette

In sechs Kategorien traten 80 Serviermeister, Restaurant-, Hotel- und Brauereimitarbeiter in einem 400-Meter-Rennen gegeneinander an.

Foto: DPA

Ein kleiner Schwenker, schon ist das Unglück passiert: Das Kaffeeglas kippt um, fällt zu Boden, zerspringt – und der Kellner scheidet aus. Er gehört zu den rund 80 Teilnehmern des Dehoga Kellnerlauf-Cups 2012, der am Sonntag in Berlin am Neuen Kranzler Eck und auf dem Kudamm gestartet wurde. In sechs Wettkampf-Kategorien traten die schnellsten Serviermeister, Restaurant-, Hotel- und Brauereifachkräfte der Stadt in einem 400-Meter-Rennen gegeneinander an. Besonders heikel ging es bei den Kellnern zu. Sie trugen auf ihren Tabletts eine Bierflasche und ein gefülltes Glas.

Etwa 2000 Zuschauer platzierten sich an der Strecke und feuerten die Läufer an. Diese durften das Bier im Glas auf der Strecke nicht verschütten. Bei vielen gerieten die Bierflaschen bedrohlich ins Wanken, teilweise schwappte das Bier aus den Gläsern. Andere Kellner waren dagegen langsamer. Doch auch damit gaben sich die Zuschauer nicht zufrieden. „Bei dem würde ich kein Bier bestellen, wenn der so lange braucht“, rief denn auch ein Zuschauer. Als erstes erreichte Philipp Klinke aus Lichtenberg das Ziel. Er war für das Restaurant Esswein am Fasanenplatz angetreten und schaffte die Strecke in einer Minute und 40 Sekunden. „Die Schwierigkeit lag darin, zwischen Sprinten und Tabletthalten die richtige Balance zu finden“, sagte der 24-Jährige. Auf der Zielgeraden sei er zwar ins Schlingern gekommen, konnte sich aber noch halten.

Die Veranstaltung hat am Kudamm Tradition. Sie hat bereits in den 50er-Jahren und Anfang der 60er-Jahre stattgefunden. Im vergangenen Jahr belebte Viola Krecker vom Neuen Kranzler Eck sie wieder. „Wir wollen am Kudamm Tradition und Moderne verbinden“, so Krecker. Zudem sei der Kellner-Cup dazu gedacht, mehr junge Menschen an den Kudamm zu locken.

Einer der Höhepunkte des Kellnerderbys war der Pagenlauf. Dabei eilten die Wettkämpfer mit einem beladenen Koffer über den Kudamm. Allerdings hatten viele Pagen wohl das Gewicht unterschätzt und kamen nur mühsam ans Ziel. Einige mussten ihren Koffer huckepack nehmen oder auf dem Boden schleifen. „Ich habe meine Kraft völlig falsch eingeschätzt“, erzählt Page Bala Pathmarani nach dem Lauf. Der Sieg ging an Christopher Ruge vom Adlon. Die Zuschauer fanden den Wettkampf der Pagen jedenfalls amüsant. „Also wie die Läufer hier halb zusammenbrechen, das ist schon witzig mit anzusehen“, sagte Zuschauerin Sabine Westpfahl (49) aus Charlottenburg. Sie postierte sich am Streckenrand und schlürfte einen Caipinrinha. „Der eine Page sah ganz blass aus, hoffentlich geht es ihm gut.“

Dann kamen die Barmixer an die Reihe. Sie mussten beim Laufen einen Fruchtcocktail mixen, der auch noch schmecken sollte. Am Ende gewann Patrick Stauch. Den Lauf der Kellnerinnen entschied Angelika Opatowska für sich, bei den Bierkutschern machte René Kirsten das Rennen und bei den Köchen Sebastian Berger. Im Finale fand ein Städteduell Berlin gegen London statt. Die vier besten Kellner der Stadt nahmen es mit Londoner Kollegen auf. Die Berliner siegten deutlich.