Immobilien

Grundstücke am Checkpoint Charlie mit Schulden belastet

| Lesedauer: 3 Minuten
Judith Luig

Zwei Areale am Checkpoint Charlie in Berlin-Mitte sollten zwangsversteigert werden. Doch die Auktion soll abgewendet worden sein.

Die Sonne, sagt man, bringt es an den Tag. So ist es auch an diesem ersten heißen Sonnabend in Berlin. Am Checkpoint Charlie in Mitte herrscht großes Gedränge. Menschen laufen zwischen Imbissbuden, „Erinnerungsbox“ und Souvenirständen umher. Ein Rudel angetrunkener Junggesellen in Schottenröcken macht Fotos vor einem Stück Mauer. Der seit seiner Eröffnung an Ostern bislang wenig besuchte „Freedom Park“ scheint sein Publikum gefunden zu haben.

Möglich machen das die beiden immer noch unbebauten Grundstücke in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen alliierten Kontrollpunkt. An vielen anderen Ecken der Stadt hat die Zwischennutzung Raum für Künstler geschaffen. Am Checkpoint Charlie aber ist nach Meinung vieler Berliner ein Rummelplatz entstanden. Wann geschieht dort endlich etwas?

Für den 10. Mai 2012 ist eine Zwangsversteigerung beider Grundstücke anberaumt. Doch Medienberichten zufolge hat eine irische Investorengruppe die Zwangsversteigerung abgewendet. „Wir haben alle Schulden bezahlt“, wird Investor Michael Cannon in der „BZ“ zitiert. Von offizieller Seite gibt es dafür jedoch keine Bestätigung. Auf dem Justizportal von Bund und Ländern sind für die beiden Grundstücke weiterhin Versteigerungstermine aufgelistet. Das Mindestgebot für das insgesamt 9000 Quadratmeter große Gelände beträgt rund 14,4 Millionen Euro.

Neue Runde im Streit um den Ort

Wieder wird über den Checkpoint Charlie diskutiert. 1938 hatten die Nationalsozialisten die aus verschiedenen Flurstücken bestehenden Grundstücke kurzerhand zum „Eigentum des Volkes“ erklärt. Auf einem Teil der Fläche betrieben sie bis 1945 eine Munitionsfabrik. Im April 1962 trug sich die DDR als Eigentümerin des Geländes ins Grundbuch ein. Nach dem Fall der Mauer begann die schwierige Suche nach den rechtmäßigen Eigentümern.

Anfang der 90er-Jahre – mitten in der Berliner Goldgräberstimmung – verkaufte der Senat das Gelände an die Central European Development Corporation (CEDC). Entgegen anderslautender Medienberichte ist die CEDC bis heute Eigentümerin, sie wird seit 1999 unter Checkpoint Charlie KG Network Office Grundstücks GmbH geführt. Auf dem ehemaligen Kontrollpunkt wurden einige Häuser errichtet. Das Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft jedoch blieb unbebaut. 2003 wurde ein Insolvenzverfahren angeordnet, die Grundstücke kamen unter Zwangsverwaltung. Seitdem konnten bereits mehrfach Zwangsversteigerungen verhindert werden.

2007 hat sich die Firma K & E Kavel Limited aus Dublin ins Spiel gebracht und Schulden des Eigentümers übernommen. Allerdings verpfändeten sie ihre Interessen an die Allied Irish Banks, die wiederum in die irische Finanzkrise verstrickt ist.

Wer auch immer das Gelände nun erwirbt, übernimmt auch die Schulden und könnte mit Lasten von mehr als 90 Millionen Euro konfrontiert sein. Wirklich attraktiv ist das Gelände also für einen Dritten momentan nicht. Vieles spricht nun dafür, dass die irischen Investoren tatsächlich das Grundstück erwerben. Laut Senat gibt es eine Vereinbarung, wonach auf dem Gelände auch das bereits häufiger diskutierte Museum des Kalten Krieges entstehen soll. Kaufen die Iren jedoch nicht, ist die Zukunft des Geländes wieder offen.