Wunschschule

1000 Berliner Kinder suchen eine neue Schule

Demnächst bekommen Berlins Sechstklässler den Bescheid über die weiterführende Schule. Für einige wird es enttäuschende Post geben.

Foto: Massimo Rodari

Mehr als 1000 Berliner Sechstklässler werden in den nächsten Tagen sehr enttäuscht sein, wenn sie Post von ihrem Bezirksamt erhalten. Sie werden dann erfahren, dass es mit dem Oberschulplatz an einer ihrer Wunschschulen nicht geklappt hat.

Im Sekundarschulbereich haben in diesem Jahr 840 Schüler das Nachsehen, im Gymnasialbereich sind es 255. Im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar eine Steigerung. 2011 konnten im Sekundarschulbereich 792 Schüler nicht mit einem Platz an einer ihrer Wunschschulen versorgt werden. An den Gymnasien hatten 243 Schüler kein Glück.

Insgesamt bekommen demnächst 21.957 Berliner Sechstklässler Bescheid darüber, an welcher Oberschule sie künftig lernen werden. Die Berliner Bezirksämter verschicken an diesem Freitag die entsprechenden Briefe. Am Montag dürfte für die meisten Familien das bange Warten ein Ende haben. Allen Schülern, für die es mit einem Platz an einer ihrer Wunschschulen nicht geklappt hat, muss nun ihr Wohnbezirk einen Schulplatz zuweisen. Derartige Alternativangebote müssen vor allem die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln, Mitte, Pankow und Tempelhof-Schöneberg machen.

Laut Bildungsverwaltung haben insgesamt aber 95 Prozent der Schüler einen Platz an einer ihrer drei Wunschschulen sicher. Für 19.155 Schüler geht sogar der Erstwunsch in Erfüllung. Weitere 1720 Schüler bekommen eine Zusage für einen Platz an ihrer Zweit- oder Drittwunsch-Schule. Jede Familie konnte auf dem Anmeldebogen drei für sie infrage kommende Schulen eintragen.

Insgesamt haben sich 58,7 Prozent der Schüler an einer Integrierten Sekundarschule angemeldet. 41,3 Prozent wollen an ein Gymnasium. 68 der 216 Oberschulen hatten mehr Bewerber als Plätze – 27 Gymnasien und 41 Sekundarschulen. Im vergangenen Jahr waren 85 Schulen so stark nachgefragt, dass sie Schüler zurückweisen mussten.

Zwei ehemalige Hauptschulen besonders gefragt

Zu den besonders beliebten Schulen zählen das Dathe-Gymnasium (Friedrichshain), das Käthe-Kollwitz-Gymnasium (Prenzlauer Berg) und das Beethoven-Gymnasium (Lankwitz) sowie die Integrierten Sekundarschulen Sophie Scholl (Schöneberg), Carl Zeiss (Lichtenrade) und Gutenberg (Lichtenberg). Mit der Heinz-Brandt-Schule (Weißensee) und der Heinrich-von-Stephan-Schule (Moabit) sind in diesem Jahr auch zwei ehemalige Hauptschulen unter den besonders gefragten Schulen. Beide Einrichtungen hatten mehr Bewerber als Plätze.

Während Mark Rackles, Staatssekretär von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), betonte, dass die Vermittlung der Schulplätze im Vergleich zum Vorjahr optimiert werden konnte, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Günter Peiritsch, dass von Wunscherfüllung nicht die Rede sein könne. „Die meisten Eltern haben doch taktisch gewählt, aus Angst davor, dass ihre Kinder an eine weit entfernte Restschule kommen könnten“, so Peiritsch.

Der Landeselternsprecher kritisierte das Aufnahmeverfahren als undurchsichtig. Wenig nachgefragte Schulen würden zu Restschulen werden, besonders beliebte Sekundarschulen zu Pseudo-Gymnasien. Peiritsch fordert von der Bildungsverwaltung ein Konzept zur Unterstützung dieser Restschulen. „Diese Schulen müssen so ausgestattet werden, dass die Schüler dort erfolgreich unterrichtet werden können“, sagte er. Für die bildungspolitische Sprecherin der CDU, Hildegard Bentele, ist es notwendig, die Schulleiter der wenig gefragten Schulen zu stärken. „Es muss eine verpflichtende Qualifizierung der Schulleiter geben“, sagte sie.

Arbeitsgruppe prüft Verfahren

Landeselternsprecher Peiritsch fordert zudem, die Gymnasien besser auszustatten. „Um alle Schüler angemessen fördern zu können, brauchen auch diese Schulen mehr Personal“, sagte er. Eberhard Kreitmeyer, Leiter des Gottfried-Keller-Gymnasiums in Charlottenburg, stimmte Peiritsch zu. „Die Ganztagsgymnasien fordern seit Langem eine Gleichstellung mit den Sekundarschulen hinsichtlich der Lehrerausstattung“, sagte er. Ohne Erfolg. Die Bildungsverwaltung unterstütze die Gymnasien nur verbal. Finanziell passiere nichts. Seine Schule habe Studienzeiten eingerichtet, um das selbst organisierte Lernen der Schüler zu fördern. „Für dieses Konzept brauchen wir dringend zwei zusätzliche Stellen“, sagte Kreitmeyer.

Staatssekretär Rackles kündigte indes an, dass es im Mai eine Arbeitsgruppe der Bildungsverwaltung geben werde, die sowohl die Aufnahmeverfahren der Oberschulen überprüfen als auch Konzepte erarbeiten werde, wie wenig nachgefragte Schulen gestärkt werden könnten. „Wir werden positive Erfahrungen anderer Schulen auswerten und keine Maßnahme ausschließen“, so Rackles.