Hinduismus

Finanzprobleme verzögern Hindu-Tempel in Neukölln

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Nicola Menke

Foto: Amin Akhtar

Obwohl schon seit 2006 an einem Haus für Hindus geplant wird, steht bislang erst ein Turm. Finanzielle Probleme behindern den Bau.

„Geben Sie mir einen Platz und ich baue ihn.“ Diesen Satz sagte Vilwanathan Krishnamurthy vor sieben Jahren zu Heinz Buschkowsky (SPD). Nach einem gemeinsamen Besuch in einem Hindu Tempel in Hamm, wo ihn der Neuköllner Bürgermeister fragte, warum die Berliner Hindugemeinde denn keinen eigenen Tempel in der Hauptstadt habe.

Der 60-jährige Vilwanathan Krishnamurthy, der 1975 aus dem südindischen Bangalore nach Berlin kam, ist Vizepräsident des Trägervereins Sri Ganesha Hindu Tempel. Er sitzt im Neuköllner Migrationsbeirat und gab mit seiner Aufforderung an Buschkowsky den Impuls dafür, dass Berlin einen Hindutempel bekommen sollte. Auf Buschkowskys Anregung in der Neuköllner Verwaltung wurden Grundbücher gewälzt und fünf potenzielle Tempelbau-Standorte im Bezirksbesitz gefunden. Darunter auch das 4600 Quadratmeter große Gelände an der Hasenheide 1. „Öffentliche Grünanlagen für Bauprojekte freizugeben ist eigentlich nicht üblich. Da es sich bei dem Hindu Tempel um ein schönes Projekt handelt, das gut in unser multikulturelles Neukölln passt, haben wir eine Ausnahme gemacht“, sagt Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). Das Flurstück im Volkspark kristallisierte sich schnell als Favorit der Hindu-Gemeinde heraus, von deren „Bauwilligkeit“ sich Krishnamurthy zwischenzeitlich überzeugte. „Grund war unter anderem die Lage am Park. Große Hindu Tempel werden traditionell in der Natur gebaut – oft auf Anhöhen“, sagt er.

Gott Ganesha gewidmet

Der Sri Ganesha Hindu Tempel an der Hasenheide soll die Hindus in der Hauptstadt vertreten. Momentan entsteht der erste Teil des Heiligtums, dass dem elefantenköpfigen Gott Ganesha gewidmet ist. Ein Raja Gopuram, ein Tor-Turm, der in der hinduistischen Architektur den Haupteingang zum Tempelgelände bildet. Vilwanathan Krishnamurthy steht in der alten Turnvater-Jahn-Gerätehalle am hinteren Ende des Geländes. Vor ihm steht ein hölzernes Modell des Sri Ganesha Hindu Tempels, das zeigt, wie das Heiligtum aussehen wird: „Hier vorne sieht man den Raja Gopuram, er wird 17 Meter hoch sein und ein sechs Meter hohes Eingangsportal haben“, sagt Krishnamurthy und deutet auf einen rechteckigen Turm, der sich ähnlich einer Stufenpyramide nach oben verschmälert. „Er ist aus Stein und wird mit Stuckornamenten und fein modellierten Götterstatuen verziert und bunt bemalt“, sagt Krishnamurthy. Er glaubt, dass der Königsturm schnell Wahrzeichen des Hindu Tempels werden wird. „Beim Bau eines hinduistischen Tempels muss eine ganze Reihe ritueller Vorgaben beachtet werden“, sagt Krishnamurthy. So spiele etwa die richtige Ausrichtung zur Sonne eine Rolle. Und auch die gebäudespezifischen Abmessungen würden nach einem festen System gewählt. So, dass sie in irgendeiner Weise die heilige Zahl 108 enthalten.

Der Sri Ganesha Hindu Tempel Trägerverein beauftragte einen Tempelarchitekten aus Madras mit dem Entwurf. Der lieferte die Pläne für die Gebetsstätte im Jahr 2006. Sie sagten der Hindu-Gemeinde zu – und auch dem Bezirksamt Neukölln. Das stellte dann das Grundstück an der Hasenheide 1 in Erbpacht zur Verfügung. Baustart sollte 2007, Fertigstellung 2010 sein.

„Wie man sieht, wurde daraus leider nichts“, sagt Baustadtrat Blesing. „Mit dem Bau wurde zwar begonnen, aber dann ist über Jahre hinweg nicht wirklich etwas vorangegangen.“ Als Hauptgrund dafür nennt er fehlende finanzielle Mittel auf Bauherrenseite: „Ich glaube mittlerweile, dass der Tempelverein etwas zu optimistisch war, als er das Spendenaufkommen kalkulierte“, sagt er und spielt auf die rund 850.000 Euro an, die für den Bau benötigt und entsprechend den Regeln des Hinduismus allein aus Spenden finanziert werden.

Probleme mit den Auflagen

Neben der Geldfrage hätten einige baurechtliche Unstimmigkeiten ebenfalls für Verzögerung gesorgt. „Ich will da jetzt nicht nachkarten, aber es wurden nicht immer alle Bestimmungen und Auflagen hundertprozentig beachtet“, sagt Blesing. So etwa bezüglich der Bäume auf dem Gelände, von denen einige bei Tiefbaumaßnahmen beschädigt worden seien, obwohl ursprünglich geplant gewesen sei, sie zu erhalten. Dass das Baurecht ihnen zu schaffen machte, räumen auch die Tempelbauherren ein: „Das Genehmigungsverfahren für den Bauantrag war viel schwieriger, als wir gedacht hatten“, sagt Krishnamurthy. Wegen der strengen deutschen Baurichtlinien hätte der Trägerverein noch einen deutschen Architekten finden müssen. So sei der Bauantrag erst im Januar 2009 „durch“ gewesen. Und auch auf dem Baugrundstück habe es ungeahnte Hindernisse gegeben: „Bei einer Bodenuntersuchung stellte sich heraus, dass sich bis in sechs Meter Tiefe unter der Oberfläche Trümmer aus dem Zweiten Weltkrieg befinden“, sagt Krishnamurthy.

Ein echtes Problem für die Berliner Hindu-Gemeinde – zumal parallel zum Steigen der Kosten das Spendenaufkommen stagnierte. „Grund war die Weltwirtschaftskrise. Als sie einsetzte, zogen viele Sponsoren ihre Angebote erst einmal zurück. Und neue zu gewinnen, war für eine ganze Weile äußerst schwierig“, sagt Vereinsschatzmeister Somashekar Reddy. Doch die Mitglieder des Trägervereins geben nicht auf: Sie bemühen sich weiter um „Tempelgelder“. „Wir waren und sind dankbar für Spenden in jeder Höhe“, sagt Reddy. „Ziel ist, dass der Tor-Turm bis zum Geburtstag Ganeshas am 19. September fertig ist. Wenn alles glatt läuft, klappt das auch“, sagt Krishnamurthy. Im Bezirksamt wird der Baufortschritt noch skeptisch betrachtet. „Es ist schön, dass es mit dem Projekt nun endlich voranzugehen scheint. Euphorie ist aber nicht angebracht“, sagt Baustadtrat Blesing. Schließlich habe es in der Vergangenheit auch schon ein paar Mal danach ausgesehen – und dann sei doch wieder alles ins Stocken geraten. Blesing betont, dass er auf ein Happy End für den Tempel hoffe, aber erst daran glauben könne, wenn der Bau deutlich gewachsen sei.