Ausschreibung

Zweiter Versuch - Berlin sucht einen Polizeichef

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Christina Brüning

Foto: DPA

Noch immer ist die Stelle des Polizeipräsidenten von Berlin vakant. Die neue Stellenausschreibung passt perfekt auf Vizepräsidentin Koppers.

Fast ein Jahr ist die Stelle des Polizeipräsidenten von Berlin nun unbesetzt, kurz nach dem 1. Mai ging Dieter Glietsch im vergangenen Jahr in den Ruhestand. Seither hat die Suche nach seinem Nachfolger für viele Schlagzeilen gesorgt. Bereits im Dezember 2010 hatte Ex-Innensenator Ehrhart Körting (SPD) mit der Suche nach einem neuen Polizeichef begonnen – Klagen, Gerichtsurteile und Verfahrensfehler verhinderten aber eine Ernennung. Nun beginnt Körtings Nachfolger Frank Henkel (CDU) mit dem zweiten Anlauf für ein Auswahlverfahren. Die neue Ausschreibung des Postens steht bereits im Internet. Am Freitag soll sie im Amtsblatt verkündet werden, eine Anzeige in einer überregionalen Zeitung folge, sagte ein Sprecher der Innenbehörde am Mittwoch.

„Besetzbar ab sofort“, „Besoldungsgruppe B7“ (rund 8000 Euro Brutto) und „nur Vollzeit“ steht in der Ausschreibung. Weitaus aufschlussreicher ist jedoch die ausführliche Stellenbeschreibung. Denn sie liefert nicht nur Informationen über das Anforderungsprofil für Berlins obersten Polizisten, ihre Formulierung öffnet auch die Türen für eine ganz bestimmte Person: Margarete Koppers, derzeit Vizepräsidentin der Mammutbehörde mit ihren 22.500 Mitarbeitern. Im Großen und Ganzen gleichen sich die alte Ausschreibung von Körting und die neue, die unter Henkels Ägide entstanden ist. Im Vergleich zur ersten Ausschreibung fehlt aber nun der Satz: „Erwünscht ist eine langjährige Leitungstätigkeit im Polizeivollzugsdienst.“ Dieser Satz steht der Juristin Koppers, die erst vor zwei Jahren aus dem Präsidium des Landgerichts zur Polizei wechselte, nun nicht mehr im Wege.

Erfahrungsschatz erweitert

Koppers hatte sich im vergangenen Jahr nicht um den Posten beworben, auch wenn sie schon damals von vielen Beobachtern als gute Kandidatin gehandelt worden war. Doch ihr fehlte die Erfahrung, nicht nur die im Polizeivollzugsdienst, sondern generell die Erfahrung mit der Leitung einer Sicherheitsbehörde. Das hat sich nun geändert. Seit Glietsch in den Ruhestand ging, hat die 50-Jährige die Behörde geführt. „Unabdingbar sind einschlägige Erfahrungen in der Führung großer Personalkörper, insbesondere in der Führung von Sicherheitsbehörden“, heißt es in der alten wie auch der neuen Ausschreibung. Diese Anforderung würde Koppers nun erfüllen.

Ob sie sich aber bewerben möchte, das lässt sie noch offen. „Frau Koppers hat die Stellenausschreibung im Internet gelesen und wird die gestellten Voraussetzungen prüfen“, sagte der Sprecher der Polizei, Stefan Redlich, auf Anfrage am Mittwoch. Da die Bewerbungsfrist erst am 18. Mai ende, werde sie sich Zeit lassen, so Redlich weiter. Zurzeit stecke sie in den Einsatzvorbereitungen zum 1. Mai, denen sie sich ganz widmen wolle.

Doch muss sich jeder Bewerber natürlich der Bestenauslese im Auswahlverfahren stellen, das wird in der Innenverwaltung betont. Und mögliche Mitbewerber für den Posten gibt es schon. Im Gespräch als Polizeichef war in den vergangenen Monaten auch immer wieder Klaus Kandt, Präsident der Berliner Bundespolizei. Kandt sei grundsätzlich nicht abgeneigt, sagte sein Sprecher am Mittwoch. „Er wird sich die Ausschreibung genau anschauen, wenn sie offiziell veröffentlicht wird.“

Vor Gericht gestoppt

Ein weiterer möglicher Bewerber verweist ebenso wie Koppers auf die Vorbereitungen für die Walpurgisnacht und den Tag der Arbeit, die gerade all seine Aufmerksamkeit erforderten. Erst nach diesem Termin will sich Klaus Keese, der Leiter der Berliner Polizeidirektion 1, mit der Ausschreibung befassen. Keese hatte sich im vergangenen Jahr beworben – und war mehrfach erfolgreich gegen das erste Auswahlverfahren von Ehrhart Körting vor Gericht gezogen.

Zwei Mal wurde die Entscheidung des rot-roten Senats vor Gericht gestoppt. Der von Körting ausgewählte Bewerber, der einstige Chef des ehemaligen Bundesgrenzschutzpräsidiums Ost, Udo Hansen, wurde letztlich nie zum Polizeichef ernannt. Als Henkel die Amtsgeschäfte von Körting übernahm, erbte er auch das inzwischen zur Posse geratene Auswahlverfahren. Die letzte Entscheidung des Verwaltungsgerichts, die das Verfahren stoppte, akzeptierte Henkel und verzichtete auf Widerspruch. Anfang des Jahres entschied er sich, das alte Verfahren abzubrechen und eine ganz neue Ausschreibung zu starten. Klug geworden aus den Erfahrungen seines Vorgängers betonte Henkel seither stets, wichtiger als die schnelle Neubesetzung des Postens sei eine rechtssicheres Verfahren.

Durch die etwas offener formulierte Ausschreibung wird in der Innenverwaltung insgesamt ein größerer Bewerberkreis erwartet, als im vergangenen Jahr, als sich ein halbes Dutzend Interessierte bewarben. Das Auswahlverfahren dauert mehrere Monate, frühestens zu Beginn des letzten Quartals in diesem Jahr könnte die Hauptstadt wieder einen Polizeichef haben. Oder eine Chefin.