Prozess in Kiel

Angeklagte gestehen Entführung von Berliner Taxifahrer

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Im Oktober wurde ein Berliner Taxifahrer an die dänische Grenze verschleppt. Die Täter stehen nun vor Gericht und zeigten sich kooperativ.

Im Prozess um die Entführung eines Berliner Taxifahrers bis kurz vor die dänische Grenze haben die beiden Angeklagten am Dienstag vor dem Kieler Landgericht die Tat gestanden. Dafür hatte ihnen die 7. Große Strafkammer je eine Haftstrafe von nicht mehr als viereinhalb Jahren Haft und eine Bewährungsstrafe zugesichert. Zugleich verpflichteten sich beide 39 Jahre alten Angeklagten, ihrem Opfer 5000 Euro Schmerzensgeld in monatlichen Raten zu zahlen.

Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger hatten sich nach Verlesung der Anklage auf diesen Deal verständigt. Danach bestätigten beide Angeklagte mit einem knappen „Ja“ die Erklärung ihrer Verteidiger: „Alle Vorwürfe der Anklage treffen vollumfänglich zu.“ Details wollten sie später nennen.

Die Anklage wirft beiden Männern schwere räuberische Erpressung, einen räuberischen Angriff auf Leib und Leben eines Kraftfahrers und Freiheitsberaubung mit einer Waffe vor. Einer der massig wirkenden Angeklagten, die ihr Opfer um Haupteslängen überragen, ist einschlägig vorbestraft. Er hatte eine langjährige Haftstrafe in Bautzen (Sachsen) verbüßt, bevor er mit dem Mitangeklagten am 29. Oktober 2011 früh morgens am Berliner Hauptbahnhof in das Taxi des Opfers stieg.

Sieben Stunden in der Gewalt der Entführer

Die Angeklagten nannten dem aus Asien stammenden Fahrer zunächst kein bestimmtes Ziel und ließen sich Richtung Hamburg kutschieren. Auf einem abgelegenen Parkplatz musste der damals 61-Jährige dann anhalten. „Du bist entführt. Wenn Du Dich vernünftig verhältst, wirst Du am Ziel freigelassen und nicht misshandelt und getötet. Dann kannst Deine Familie und Kinder wiedersehen.“ So bedrohten ihn die Angeklagten mit einer täuschend echt aussehenden Waffe, sagte Staatsanwalt Günther Hamann. Dass es nur eine ungeladene Softair-Waffe war, wirkt sich auf das Strafmaß aus: Dadurch vermindert sich das Mindeststrafmaß von fünf auf drei Jahre.

Der Taxifahrer war rund sieben Stunden in der Gewalt seiner Entführer und „fürchtete um sein Leben“, wie der Ankläger feststellte. Dem Familienvater gelang erst auf der Raststätte Hüttener Berge an der A7 Hamburg-Flensburg kurz vor der dänischen Grenze die Flucht. Die mutmaßlichen Entführer wurden wenig später im Zuge einer Großfahndung bei Owschlag (Kreis Rendsburg-Eckernförde) festgenommen und das Taxi sichergestellt.

( dpa/ap )