Nachnutzung

Beuth-Hochschule soll in Tegel einziehen

Die Berliner CDU will in die Nachnutzung des Flughafengeländes investieren. Sie plant einen Teilumzug der Beuth-Hochschule.

Foto: gmp – von Gerkan

Die Berliner CDU-Fraktion will die Entwicklung des ab Juni geschlossenen Flughafens Tegel zu einem Gewerbepark für urbane Technologien durch einen Teilumzug der Beuth-Hochschule für Technik voran bringen. Die Christdemokraten beschlossen bei ihrer Klausurtagung in Warnemünde, schon im aktuell diskutierten Haushalt 2012/2013 die Weichen für einen Hochschulneubau auf dem Flughafengelände zu stellen.

Planungsmittel in Höhe von zwei Millionen Euro sollen für 2013 in den Etat eingestellt werden. Bisher ist für diesen konkreten Zweck kein Geld vorgesehen, es gibt nur ein Budget für allgemeine Planungen und Entwürfe von knapp zwei Millionen Euro bis 2013 und 2,3 Millionen für die landeseigene Entwicklungsgesellschaft Tegel Projekt. Zudem sind für spätere Jahre 105 Millionen für Investitionen in Tegel vorgesehen.

Die CDU will nun mehr Tempo und eine klare Entscheidung für die Hochschule. Sie fordert Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres vom Koalitionspartner SPD auf, das Projekt in der Haushalts- und Investitionsplanung für die Jahre 2014 und 2015 anzumelden.

Im nächsten Doppelhaushalt 2014/2015 sollte die Entwicklung Tegels zum Hochschulstandort ein Schwerpunkt bilden, heißt es in dem Papier, das maßgeblich aus der Feder des Wirtschaftsexperten und parlamentarischen Geschäftsführers Heiko Melzer stammt. Die Ansiedlung der Beuth-Hochschule in Tegel sei die „Berliner Ankerinvestition der Wissenschaft am Standort Tegel“. Zum Wintersemester 2015/2016 sollte dort der Hochschulbetrieb starten.

Wissenschaftspolitiker dagegen

Experten sind sich einig, dass ohne eine Vorleistung der öffentlichen Hand kaum technologieorientierte Unternehmen nach Tegel zu locken sein werden. Erfolgreiche Technologieparks wie zum Beispiel Adlershof im Südosten der Hauptstadt leben ganz wesentlich von der Nähe zwischen Forschern und Unternehmern.

In der Koalition ist die Meinungsbildung über die Investitionen für Tegel noch nicht abgeschlossen. In der SPD gibt es viele Wissenschaftspolitiker, die gegen eine Verlagerung von Teilen der Beuth-Hochschule sind. Sie hat ihren Hauptsitz an der Luxemburger Straße in Wedding. Die Sozialdemokraten würden das Geld lieber für bestehende Wissenschaftseinrichtungen ausgeben.

Am Dienstag wird die SPD-Fraktion über den Haushalt beraten und dabei sicherlich den Wunsch des Koalitionspartners nach mehr Geld für Tegel diskutieren. Vor allem die Wirtschaftspolitiker der SPD sind dabei auf einer Linie mit den Christdemokraten. „Ich unterstütze das nachdrücklich“, sagte Fraktionsvize Jörg Stroedter. Es sei doch „bedenklich“, für Tegel zwar ein schönes Konzept zu haben, aber kein Geld für die Nachnutzung ausgeben zu wollen, so der Wirtschaftsexperte, der Kreischef der Reinickendorfer SPD ist. Der haushaltspolitische Sprecher der Fraktion Torsten Schneider reagiert reservierter. Der Wunsch der CDU sei „eine von vielen Mehrforderungen“ an den Haushalt, die nun „politisch gewichtet“ werden müsse.

Aus Sicht der CDU muss jetzt gehandelt werden, auch weil für einige Außenstandorte der Beuth-Hochschule die Mietverträge auslaufen, etwa an der Seestraße, der Kurfürstenstraße oder der Schwedenstraße 2016. Dann sollte sich die Hochschule auf dem Campus Wedding und den zweiten Campus TXL konzentrieren.

Hier sollen sich die Professoren und Wissenschaftler in zwölf Studiengängen den Themen widmen, die das Konzept für den Technologiepark vorsieht: Fragen der Energieversorgung, des Verkehrs, neuer Werkstoffe, Umgang mit Abfall, Umweltschutz, die die Standortentwickler aus Adlershof im Auftrag des Senats für Tegel unter dem Schlagwort „urban Technologies“ zusammengefasst haben.

Umbau der Flugsteige

Aus Sicht der CDU könnte der Raumbedarf der Beuth-Schule in den bisherigen Außenstandorten von 14.000 Quadratmetern in Tegel durch die Nutzung der bisherigen Gates eins bis sechs sowie des Eingangsbereichs abgedeckt werden.

Um das Terminalgebäude, die Hangars und das 460 Hektar große Gelände über die geplante Zwischennutzung durch kleine Unternehmen hinaus wirtschaftlich nutzen zu können, will die CDU auch privates Kapital heranziehen. Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos, für CDU) solle „alternative Finanzierungsmodelle“ prüfen, auch öffentlich-private Partnerschaften oder Joint Ventures zwischen der landeseigenen Trägergesellschaft Tegel Projekt GmbH und Immobilienentwicklern schließt die CDU nicht aus.

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