Nach der Brandstiftung bei einer Reinigungsfirma in Berlin-Mitte ist im Internet ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Die Verfasser würden dem linksextremen Spektrum angehören, sagte ein Polizeisprecher. Bislang lägen aber keine weiteren Erkenntnisse über die Gruppierung vor.
In dem Schreiben bezeichnen sich die anonymen Verfasser als „Graffiti-Sprayer“ und „Hassbrenner“. In der Nacht zu Dienstag hatten sie auf dem Gelände der Firma „Graffiti Frei“ vier Autos angezündet und einen Schaden von 50.000 Euro verursacht. Als Grund führten die Brandstifter an, damit gegen den Notfallservice der Firma vorzugehen. Seit 1999 beseitigt das Unternehmen auch in Kreuzberg die Farbschmierereien.
Nicht kleinkriegen lassen
Gerald Schramm hst sich mit seiner Firma „Graffiti Frei“ darauf spezialisiert, beschmierte Hausfassaden, bemalte Brückenpfeiler oder angesprühte S-Bahn-Wagen zu reinigen. Seine Dienstleistungen bewirbt er auf seiner Homepage mit einem lockeren Spruch: „Graffiti Frei - und der Ärger hat ein Ende.“ Doch damit lockt er nicht nur Auftraggeber an, sondern auch Gegner.
Seit 1999 entfernen seine zehn Mitarbeiter auf Kundenwunsch jegliche Farbschmierereien innerhalb von 24 Stunden - egal ob in Mitte, Hellersdorf oder eben Kreuzberg, wo seit 1987 oftmals die traditionellen Mai-Kundgebungen der linken Szene stattfinden und wo es seit dem häufig zu Ausschreitungen mit der Polizei kommt.
„Vor einiger Zeit gab es schon einmal kleine Ärgernisse mit der Antifa“, berichtet Schramm. Es komme halt nicht gut an, wenn seine Firma die linken Parolen wieder verschwinden lasse. Er habe aber keine Beweise. Es sei nur eine Vermutung.
Trotz der neuen Attacke will sich Schramm nicht kleinkriegen lassen. Zwar falle seine halbe Fahrzeugflotte aus. „Aber wir können den Ausfall sicherlich irgendwie kompensieren“, sagt der Geschäftsführer. Die beschädigten Fahrzeuge seien schließlich versichert gewesen, die Details müsse er noch mit der Versicherung klären. Aber in der Zwischenzeit werde man sich Ersatzfahrzeuge organisieren.
Schließlich erwartet Schramm in nächster Zeit viel Arbeit. Die Ereignisse um den 1. Mai bescheren auch seiner Firma einen Großkampftag. Wenn die Demonstranten abziehen, bleiben häufig neue Graffitis an den Hauswänden in Kreuzberg zurück. Rund um den Feiertag hat Schramm deshalb vorsorglich einen Notrufdienst eingerichtet.