Reinickendorf

"Hells Angels"-Rocker greifen Zivilfahnder an

Zwei Beamte sind nur knapp einem Angriff der "Hells Angels" entkommen. Die Gewerkschaft der Polizei fordert ein Verbot der Rocker-Klubs.

Foto: DAPD

Die Rockerszene in Berlin und die Gewalt: Wieder gab es einen Vorfall. Die Opfer waren diesmal Polizisten. Wie Morgenpost Online aus ranghohen Sicherheitskreisen erfuhr, entgingen zwei Zivilbeamte nur knapp einem Angriff durch mehr als 15 Rockern.

Am Freitagmorgen gegen sechs Uhr hatte eine Streife der 11. Hundertschaft gegenüber dem Klubhaus der Hells Angels an der Residenzstraße in Reinickendorf Beobachtungsposten bezogen, als plötzlich ein halbes Dutzend Rocker aus einer Shisha-Bar kam und in Richtung des zivilen Fahrzeugs rannte. Die Gruppe wuchs in Sekundenschnelle auf mehr als 15 Personen an. Für die zwei Polizisten entstand eine bedrohliche Situation. Ihnen blieb lange keine Wahl als sich zurückzuziehen.

Ein paar Straßen weiter allerdings bemerkten sie einen Opel Corsa, der sie mit hoher Geschwindigkeit verfolgte und auch versuchte, sie durch ein riskantes Fahrmanöver zu rammen. Erst als einer der Beamten die Polizeikelle zeigte, kehrte der Wagen auf seine Fahrspur zurück. Bei der folgenden Personenkontrolle stellte sich heraus, dass die Verfolger den Hells Angels angehören. Bei ihnen wurden zwei griffbereite Kampfmesser entdeckt und sichergestellt.

Unterstützt von alarmierten Bereitschaftspolizisten fuhren die beiden Beamten den Informationen nach zu der Shisha-Bar und trafen dort auch den Präsidenten des Klubs, Kadir P., an. Von den Beamten angesprochen, soll er erklärt haben, den Zwischenfall weder zu kennen noch die Attacke angeordnet zu haben. Zudem wäre dies nicht geschehen, wenn seine Leute gesehen hätten, dass es sich um Polizisten handelt. Die Wagen des Landeskriminalamts würden die Hells Angels Berlin City alle kennen.

Für einen ranghohen Ermittler ist das ein Hohn: „Das belegt zum einen, dass diese Gruppierung regelrechte Aufklärungsarbeit betreibt. Diese Gruppe stellt eine eklatante Gefährdung dar, sie muss verboten werden.“ Die Politik, so der Beamte, nehme die Bedrohung nicht ernst genug, Gefahr gehe nicht nur von politischen Extremisten aus, sondern auch von organisierten Kriminellen.

Erst vor wenigen Tagen waren ebenfalls in Reinickendorf ein Pizzabote und sein Sohn von den Rockern angegriffen worden, die Täter hatten ihr Auto verfolgt, ausgebremst und mit Schlagstöcken und Baseballkeulen zertrümmert sowie versucht, mit Messern durch die Seitenscheibe des Autos in Richtung des 17-Jährigen zu stechen. Szene-Insidern zufolge hatten die Hells Angels die beiden mit jemand anderem verwechselt, der ein ähnliches Fahrzeug besitzt.

Verwundert zeigen sich Ermittler nicht nur über das Vorgehen der Rocker, sondern auch über den Umgang der eigenen Behörde mit diesem Thema. Weder der Vorfall von Karfreitag noch der Übergriff auf den Pizzabäcker wurde von der Polizeipressestelle gemeldet. „Diese Gewichtung von Vorgängen erschließt sich mir nicht so recht“, kommentierte ein Polizeiführer am Sonnabend.

Kadir P. und 80 seiner Gefolgsleute waren einst von den ebenso berüchtigten Bandidos zu den „Höllenengeln“ übergetreten. Seitdem reißt die Serie von Gewaltattacken auf sogenannte Feinde nicht ab. Zwischen beiden Gruppen kommt es seit Langem immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die seit dem Seitenwechsel von Kadir P. noch zugenommen haben. In der Truppe soll es zudem die interne Anweisung geben, bei Polizeikontrollen so stark wie möglich Widerstand zu leisten, um den Ruf zu unterstreichen, die skrupelloseste HellsAngels-Gruppierung Deutschlands zu sein.

Angesichts dieser Entwicklung sprechen sich Innenpolitiker aller Parteien schon seit Langem für ein Verbot krimineller Rockergruppen aus. Ein härteres Vorgehen fordert auch die Gewerkschaft der Polizei. „Der Staat muss klare Kante zeigen und mit aller Entschlossenheit und Konsequenz gegen diese kriminellen Gruppen vorgehen“, fordert der Berliner GdP-Landesvorsitzende Michael Purper.