Langes Wochenende

Zwei Millionen Touristen verbringen Ostern in Berlin

Berlin ist über das Osterwochenende praktisch ausgebucht. Für Hotels ein gutes Geschäft: Viele sind bis zu 98 Prozent belegt.

Foto: DAPD

Schlangen vor den Museen, Gedränge in Einkaufspassagen und Kaufhäusern, Sprachgewirr auf den Straßen – über die Osterfeiertage ist Berlin nahezu ausgebucht. Die Tourismus-Marketinggesellschaft „Visit Berlin“ schätzt, dass an diesem Wochenende etwa zwei Millionen Besucher in der Stadt sind, Tagesgäste eingeschlossen. Zum Vergleich: Im Januar dieses Jahres übernachteten 640.000 Hotelgäste in der Bundeshauptstadt.

Von den vielen Besuchern profitieren besonders die Gastronomie- und Hotelbetriebe. Mit 120.800 Betten und 762 Beherbergungsbetrieben hat Berlin ein breites Angebot. Thomas Langfelder, Hauptgeschäftsführer der Dehoga, bestätigt: „Aus Erfahrung wissen wir, dass Berlin zu Ostern besonders beliebt ist.“ Das Estrel in Neukölln etwa verzeichnet eine Zimmerauslastung von 98 Prozent. Im Regelfall sind nur 53 Prozent der Zimmer belegt.

Das Kreuzberger Hostel „Die Fabrik“ hat über Ostern ebenfalls Gäste aus aller Welt: Skandinavier, Engländer, Japaner, Franzosen und andere haben sich einen Schlafplatz in der Schlesischen Straße gesichert. Pro Nacht kostet ein Einzelzimmer 38 Euro, das Doppelzimmer 58 Euro. Für das Osterwochenende gibt es keine besondere Angebote oder Preisänderungen: „Davon halten wir nichts“, sagt Flo Schmidt von der „Fabrik“.

Konkurrenzkampf ist groß

Dagegen haben sich viele Hotels mit Offerten zu den Feiertagen gegenseitig überboten. Denn gerade bei großen Berliner Hotelbetrieben ist der Konkurrenzkampf zu Ostern groß. Bemerkenswert sei dennoch, dass die Nachfrage nach Luxusunterkünften und Wellnessaufenthalten in diesem Jahr besonders hoch ist, betont „Visit Berlin“-Sprecherin Katharina Dreger. „Gerade die Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie ist über die Ostertage gefragt.“ Das bestätigen auch die Hoteliers. „Wir sind über Ostern gut gebucht“, sagt beispielsweise Christiane Reisberger vom InterContinental Berlin. Ostersonnabend sei das Fünf-Sterne-Haus sogar komplett ausgelastet.

„Letztendlich entscheidet das Wetter über die finale Belegung“, gibt Tourismuswerberin Dreger jedoch zu bedenken. Die rekordverdächtigen, weit über zwei Millionen Osterbesucher im vergangenen Jahr wird Berlin 2012 wegen der nasskalten Witterung voraussichtlich nicht übertreffen können. In mindestens 200 Betrieben sind deshalb noch Zimmer zu haben.

Der Großteil der Touristen kommt aus Deutschland. Seit einiger Zeit sind es aber auch Osteuropäer wie etwa Polen, die Berlin erkunden wollen. Einen Grund dafür sieht Katharina Dreger in den verbesserten Verkehrsverbindungen. Aber auch für Spanier und Italiener ist Berlin immer wieder ein Urlaubsziel.

Berlin-Besucher und Hauptstädter müssen sich jedoch auch in den kommenden Tagen auf eine harte Geduldsprobe gefasst machen. Wegen planmäßiger Bauarbeiten und des Wassereinbruchs am Leipziger Platz ist die U-Bahnlinie 2 zwischen Pankow und Potsdamer Platz unterbrochen. Fahrgäste müssen auf Ersatzbusse ausweichen. Zugleich fahren auf dem östlichen S-Bahnring wegen Arbeiten am Bahnhof Ostkreuz keine Züge. Experten fürchten ein Verkehrschaos. Nach dem Fahrgastverband Igeb bittet deshalb auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Berliner, „sich als gute Gastgeber zu erweisen und Touristen behilflich zu sein, die nach dem einen oder anderen Weg oder nach dem Ersatzverkehr fragen“.

Wowereit wertet die aktuelle Fremdenverkehrsprognose für Ostern als großen Erfolg. Nicht zuletzt kurbeln die Touristen die Wirtschaft der Hauptstadt an. Durchschnittlich gibt ein Tourist 197 Euro pro Tag in Berlin aus, einschließlich Unterkunft. Um Ostern liegt dieser Wert deutlich höher, da die Festtage vor allem für den Lebensmittelbereich einen Jahreshöhepunkt markieren. Günter Päts vom Handelsverband Berlin-Brandenburg bestätigt das: „Ostern ist der Mini-Geschenke-Feiertag.“ Wenn auch nicht mit Weihnachten vergleichbar, lasse sich doch eine verstärkte Kaufkraft und Kauflust konstatieren. So ist der österliche Kurztrip nach Berlin meistens auch mit einer Shopping-Tour verbunden. Besonders das KaDeWe und die Geschäfte am Kudamm liegen im Trend, sagt Päts. Sie verdankten ihren Umsatz zu 40 bis 50 Prozent den Touristen – um Ostern ist es entsprechend mehr.