Edelmarke

In Steglitz sollen 20 Rolls-Royce pro Jahr verkauft werden

Autohändler Kurt Schnauck bietet ab Juli Rolls Rocye in Steglitz an. Dafür hat er 350.000 Euro in eine neue Niederlassung investiert.

Foto: M. Lengemann

Warum kann man eigentlich in der Hauptstadt keinen Rolls-Royce kaufen? „Das ist doch schade“, sagt Kurt Schnauck. Den 65 Jahre alten Chef des BMW-Händlers Riller & Schnauck hat diese Frage so lange umgetrieben, bis er sich entschloss, das Geschäft selbst zu machen. Mit anspruchsvollen Kunden kann er umgehen, er handelt nicht nur mit BMW, Alpina, Mini, Jaguar und Land Rover, sondern auch mit sündhaft teuren Sportwagen der Marke Wiesmann. Nun eben Rolls-Royce, am 12. Juli soll es losgehen. „Aber der erste Phantom ist schon in der Werkstatt.“

Der Kundendienst ist laut Schnauck einer der Schlüssel zum Erfolg. Da es derzeit in Berlin keine Vertragswerkstatt gebe, würden manche Berliner und Brandenburger, die sich einen Rolls-Royce leisten könnten, noch keinen fahren. Dabei gab es in der Vergangenheit schon einen Rolls-Royce-Händler in der Stadt, die Alfred Krauthahn GmbH in Wilmersdorf. Kurt Schnauck greift zum Telefon. „Wie lange macht ihr schon nicht mehr Rolls-Royce?“ Seit 2001, lautet die Antwort – Krauthahn-Geschäftsführer ist Schnaucks Neffe Daniel, der kurze Dienstweg.

20 Rolls-Royce pro Jahr sollen in Steglitz verkauft

Den Bestand an Rolls-Royce in Berlin schätzt Kurt Schnauck auf 18 Stück. Den nächsten autorisierten Betrieb finden ihre Besitzer in Radebeul bei Dresden, dann gibt es noch je einen Händler in München und Köln, das war's. Rolls-Royce ist eine sehr exklusive Marke mit nur 86 Vertretungen weltweit, mit 3538 Neuzulassungen im vergangenen Jahr, davon 51 in Deutschland, was immerhin eine Verdoppelung des Absatzes von 2010 war.

„In Kontinentaleuropa stellt Deutschland neben Russland den wichtigsten Markt dar“ sagt Peter Schoppmann, Regional-Direktor von Rolls-Royce. „Hier lassen sich der Erfolg und die gestiegene Nachfrage nach bleibenden Werten ganz besonders spüren. Eine verstärkte Markenpräsenz, gerade in der Bundeshauptstadt, ist daher angemessen.“ Schnauck will nun davon profitieren, er setzt auf den Nachholbedarf in Berlin und auf das weitere Wachstum der Marke. 20 Rolls-Royce pro Jahr sollen demnächst am Hindenburgdamm in Steglitz verkauft werden, dafür investiert Schnauck 350.000 Euro in den Umbau eines Gebäudes. Und er schafft sieben neue Arbeitsplätze: Fünf spezielle Mechaniker werden den Kundendienst übernehmen, hinzu kommen ein Markenmanager und ein Verkäufer.

Der ist schon gefunden, er stammt nicht aus der Autoszene, kennt sich aber mit Kunden aus, die sich Luxus leisten können. Schmuck, Immobilien? Aus welcher Branche der Verkäufer zu ihm wechselt, mag Schnauck nicht sagen. Aber fließend Englisch spricht er, kennt sich aus auf dem gesellschaftlichen Parkett. Und mit großen Summen kann er umgehen, das war dem Chef wichtig. „Er darf keine schweißigen Hände kriegen deswegen.“ 253.470 Euro ist der minimale Listenpreis für einen Rolls-Royce Ghost, der größere Phantom kostet ab 411.383 Euro. Viele Kunden bezahlen weit mehr, weil sie ihren Wagen zusätzlich individuell ausstatten lassen.

Erste Vorbestellungen

Unter den Menschen, die sich solche Autos leisten können, hat sich die Neuigkeit schon herumgesprochen. Weil Riller & Schnauck zur Berlinale je einen Ghost und einen Phantom als Shuttlefahrzeug eingesetzt hatte, ebenso beim Neujahrsempfang des Golfclubs Wannsee. „Die ersten Vormerkungen sind auch schon eingegangen“, sagt Schnauck. „Das haben wir gar nicht erwartet, es ist aber so.“

Schnauck hat auf der weltweiten Händlertagung in New York den Vertrag unterschrieben. Besonders hat den Unternehmer beeindruckt, dass wirklich jeder Händler auf der Welt zu dieser Veranstaltung kam. „Alle waren da, das habe ich noch nie erlebt.“

BMW hätte das Rolls-Royce-Geschäft auch selbst machen können, etwa mit der Berliner Niederlassung, die ja – anders als ein Vertragshändler – Teil der BMW AG ist. Doch das ist an den anderen drei Rolls-Royce-Standorten, an denen es ebenfalls Niederlassungen gibt, auch nicht geschehen. Kurt Schnauck glaubt, dass der Verkauf der Luxusautos bei einem Mittelständler wie ihm (426 Mitarbeiter, 170 Millionen Euro Jahresumsatz) besser aufgehoben ist. Auch weil er kürzere Entscheidungswege habe als die Abteilung eines Konzerns, das sei im Luxusgeschäft von Vorteil. „Sie müssen da teilweise sehr schnell reagieren können auf Geschäfte.“ Daher wird Schnaucks Rolls-Royce-Verkäufer Tag und Nacht für Kunden erreichbar sein – auch dafür zahlen die Kunden die hohen Summen.

Dass nun Osteuropäer mit Plastiktüten voller Bargeld sich die Klinke in die Hand geben, ist ein Klischee, das Autohändler Schnauck nicht bestätigen mag. Dagegen sprächen die Regularien im weltweiten Geschäft. Zwar arbeitet Riller & Schnauck international, verkauft mithilfe des Internets Gebrauchtwagen nach Russland, Skandinavien, selbst nach China. Aber bei neuen Modellen sei das anders: Wenn ein Auto noch nicht zugelassen war, dürfe man es nicht in Länder liefern, in denen es ebenfalls Händler derselben Marke gebe. Dieser internationale Gebietsschutz gelte für BMW und natürlich auch für Rolls-Royce.

Kurt Schnauck ist optimistisch, was den Standort Steglitz angeht. „Das ist hier eine kaufkräftige Gegend.“ Und dass sein Berliner Betrieb zwar die Adresse Hindenburgdamm führt, aber nicht direkt an der Hauptstraße liegt, sei kein Nachteil. Die Kunden der obersten Kategorie haben nämlich eine besondere Eigenschaft: „Sie wollen nicht unbedingt gesehen werden.“