Test

So sicher und sauber sind Berliner Spielplätze

Morgenpost Online hat in Berlin Spielplätze getestet. Doch nicht überall sind diese einladend und sicher. In vielen Bezirken fehlt das Geld.

Foto: David Heerde

Vergangene Woche war er schon da, der Frühling. In dieser Woche wird es kälter. Aber trotzdem drängt es die Kinder nach draußen – auf die Spielplätze. Gerade wie jetzt – in den Osterferien – sind die Sandkisten erste Anlaufstellen im Freien. Doch nicht überall sind die Plätze in einem einladenden Zustand. Viele Klettergeräte sind nicht gut durch den Winter gekommen. Auch die Sauberkeit lässt in einigen Fällen zu wünschen übrig. Das zeigt der große Spielplatztest von Morgenpost Online. In den vergangenen Tagen waren mehrere Reporter in den Berliner Bezirken unterwegs und machten sich ein Bild vom Zustand einiger ausgewählter Spielplätze. Das Ergebnis: Es gibt viele Flächen und Geräte, die empfehlenswert sind. Der Test deckte aber auch Mängel auf.

Schon vor einigen Wochen hatten auch die Profiprüfer des TÜV Rheinland bundesweit Spielplätze unter die Lupe genommen. Bei mehr als der Hälfte der 50 untersuchten Anlagen bestand akuter Handlungsbedarf wegen Sicherheitsmängeln. Nur elf Plätze waren einwandfrei. Erstmals begutachteten die TÜV-Experten auch den Spielwert für die Kinder. In Berlin hat der TÜV Rheinland fünf Spielplätze untersucht. Nur einer war ohne Mängel. Die Mängel seien inzwischen behoben. Beim Spielwert erhielten die Anlagen in Berlin insgesamt ein Befriedigend und lagen damit etwa im bundesweiten Durchschnitt.

Die Bezirke machen kaum Hoffnung auf Besserung. „Der Etat für Grünflächenerhaltung und somit auch für Spielplätze ist in den vergangenen Jahren stetig gekürzt worden und reicht bei Weitem nicht aus, sie so zu pflegen, wie es eigentlich notwendig wäre“, sagt Axel Kruse von der Abteilung Bauwesen vom Bezirk Neukölln. Der Normalfall sei, dass kaputte Spielgeräte abgebaut werden müssten. Im vergangenen Jahr musste ein Spielgerät an der Hans-Fallada-Schule an der Harzer Straße komplett abgebaut werden. Glücklicherweise sei es dort gelungen, mit Geld aus dem Bereich Stadterneuerung neue Klettergeräte aufzustellen.

Abenteuerspielplatz vor dem Aus

In Charlottenburg-Wilmersdorf soll aus Kostengründen der Abenteuerspielplatz an der Holsteinischen Straße aufgegeben werden. Der Bezirk will das Grundstück an den Liegenschaftsfonds abgeben. Doch von den Eltern im Bezirk gab es Protest. „Wir prüfen jetzt, ob der Spielplatz von einem freien Träger weiter unterhalten werden kann“, sagt Jugendstadträtin Elfi Jantzen (Grüne). Auch eine Verlagerung an den Nikolsburger Platz werde überlegt. Der kleine Spielplatz an der Bleibtreustraße darf bereits seit vergangenem Jahr nicht mehr benutzt werden. Eine gesperrte Tunnelrutsche an der Reichsstraße konnte nur durch Spenden gerettet werden. „Wir laufen Gefahr, dass immer mehr Spielplätze unbespielbar werden“, warnt Marc Schulte (SPD), Stadtrat für Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Auch im Bezirk Mitte reicht das Geld gerade, um der Sicherungspflicht nachzukommen. Das heißt: Abbau oder Absperrung von Spielgeräten. Die Planschen im gesamten Bezirk können in diesem Jahr gar nicht mehr betrieben werden, da die Kosten für Wasser und Wartung angesichts der Haushaltsnotlage nicht mehr aufzubringen sind, heißt es vom Bezirk. Auch der Sand könne auf den Spielplätzen nicht mehr regelmäßig ausgetauscht werden. Wenn neu aufgefüllter Sand verschmutzt wird, müsse das zwangsläufig zur Schließung der Anlage führen. Vorschrift ist es, dass in den Buddelkisten mindestens alle zwei Jahre der Sand ausgetauscht wird.

Schwierig ist die Situation auch in Pankow. Allerdings wurde in dem kinderreichen Bezirk der Etat für die Spielplatzsanierung sogar etwas aufgestockt. 100.000 Euro sollen in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Immerhin sei damit der Austausch von schmutzigem Sand zu gewährleisten, sagt der zuständige Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Insgesamt sei das natürlich zu wenig, und auf Grund der Haushaltssperre müssten alle Maßnahmen bis zum Sommer warten.

Um neue Geräte aufzustellen, versucht der Bezirk Geld aus anderen Töpfen zu akquirieren. So soll der abgebaute Spielplatz im Thälmann-Park mit Fördermitteln für den Stadtumbau Ost wieder aufgebaut werden. Ein großes Problem seien Vandalismus sowie Zigarettenkippen und Glasscherben auf den Spielplätzen. Die Sauberhaltung sei dadurch sehr aufwendig, sagt Kirchner. In Friedrichshain-Kreuzberg wird das Budget für Spielplätze in diesem Jahr geringer ausfallen als ohnehin schon. Nur 60.000 Euro sind hier für die Wartung eingeplant. „Wenn wir alle Mängel beheben wollten, bräuchten wir eine halbe Million“, so Hans Panhoff, Stadtrat für Bauen und Umwelt (Grüne).

Immerhin gebe es auch Lichtblicke. So konnte ein neuer Spielplatz mit privater Unterstützung an der Simon-Dach-Straße Ecke Simplonstraße gebaut werden. Eine spanische Erbengemeinschaft hatte das Grundstück günstig an den Bezirk abgegeben.