Missbrauch an Schule

Tatverdächtiger Konstantinos M. schweigt zu allen Vorwürfen

Im Missbrauchsfall an einer Grundschule in Wedding wird frühestens am Dienstag mit Ergebnissen einer DNA-Analyse gerechnet.

Die endgültige Aufklärung des Missbrauchsfalles an einer Weddinger Grundschule lässt weiter auf sich warten. Der am Freitagnachmittag unter dringendem Tatverdacht festgenommene Konstantinos M. schweigt bislang zu allen Vorwürfen. Inzwischen wurde bei ihm DNA-Material entnommen, um es mit den am Tatort gesicherten DNA-Spuren zu vergleichen. Ein Ergebnis soll am Dienstag oder Mittwoch vorliegen. Die erforderlichen kriminaltechnischen Untersuchungen seien sehr zeitaufwendig, sagte ein Polizeisprecher am Sonnabend.

Konstantinos M., der in Moabit in U-Haft sitzt, wird verdächtigt, sich am 1. März auf dem Gelände der Humboldthain-Grundschule in Wedding an einem achtjährigen Mädchen vergangen zu haben. Er soll die Schülerin in die Toilette gezogen, mit einem Messer bedroht und dann vergewaltigt haben. Unabhängig davon, ob sich der Verdacht gegen M. bestätigt, deutet inzwischen vieles daraufhin, dass der Mann, der die Achtjährige missbrauchte, dazu seine Ortskenntnis als ehemaliger Schüler dieser Schule nutzte. Offenbar hatte ein Zeuge den mutmaßlichen Täter am Tattag auf dem Schulgelände bemerkt und angesprochen. Er warte auf einen Lehrer, soll die Antwort gelautet haben. Da er auch einen Namen nennen konnte, hatte sich der Zeuge mit der Antwort zufriedengegeben.

Handydaten führten auf die Spur des Verdächtigen

Die Ermittlungen in dem Fall, der mehrere Wochen geheim gehalten wurde, gestalteten sich anfangs schwierig. Vergleiche der am Tatort gesicherten DNA-Spuren mit dem vorhandenen Material bereits registrierter Sexualtäter brachten keinen Treffer. Auch die Täterbeschreibung half den Beamten zunächst nicht weiter. Erst durch eine sogenannte Funkzellenabfrage gelangten die Ermittler auf die Spur des Verdächtigen.

Bei Funkzellenabfragen fordert die Polizei von den Mobilfunkbetreibern Listen sämtlicher Handys an, die zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort aktiv waren. Dabei kann der Standort eines Handys – und damit in der Regel auch der seines Besitzers – bis auf wenige Meter genau lokalisiert werden.

Eine Funkzellenabfrage muss von der Staatsanwaltschaft beantragt und von einem Ermittlungsrichter genehmigt werden, um Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte zu gewährleisten. Obwohl über Inhalte geführter Handy-Gespräche nichts bekannt wird, steht die Funkzellenabfrage als „flächendeckende Handy-Überwachung“ häufig in der Kritik. Dass musste die Berliner Polizei bereits feststellen, als sie die Maßnahme bei der Suche nach den Autobrandstiftern anwandte. Ungeachtet der Kritik ist die Polizei allerdings von der Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit solcher Funkzellenabfragen bei bestimmten Delikten überzeugt. „Datenschutz ist zweifellos wichtig, Kinderschutz aber auch“, stellte Polizeisprecher Michael Maas am Sonnabend nüchtern fest.

Seit Konstantinos M. am frühen Freitagnachmittag in seiner Wohnung an der Kameruner Straße in Wedding festgenommen wurde, sind die Missbrauchstat und der dringende Verdacht gegen den 30-Jährigen auch das Gesprächsthema bei seinen Nachbarn und Bekannten. Die wissen über M. höchst Unterschiedliches zu berichten. Die einen beschreiben ihn als unauffälligen Einzelgänger, die anderen als überaus aggressiven Zeitgenossen. Erst in der vergangenen Woche soll er auf der Straße in der Nähe seiner Wohnung eine heftige Schlägerei angezettelt haben. Und ein Nachbar berichtete am Sonnabend, M. habe erst vor wenigen Wochen einen Taxifahrer massiv verprügelt. Davon dass der arbeitslose Gelegenheitskellner bereits wegen exhibitionistischen Handlungen polizeibekannt ist, war den Anwohnern nichts bekannt.

Während die Ermittler im Missbrauchsfall an der Humboldthain-Grundschule sich unmittelbar vor der Aufklärung des Falles wähnen, fehlt von einem weiteren Sex-Täter im Berliner Norden noch jede Spur. Noch immer kennt die Polizei den Mann nicht, der ebenfalls Anfang März an einer Grundschule in Frohnau versuchte, eine Schülerin zu missbrauchen. Als eine andere Schülerin hinzukam, flüchtete der Täter unverrichteter Dinge. Seither wird mit Hochdruck nach ihm gesucht, bislang ohne Erfolg.