Forschung

Wannsee-Reaktor wird nach Umbau wieder hochgefahren

Nach langwierigem Umbau forscht die Helmholtz-Gesellschaft wieder am Wannsee. Die Grünen kritisieren die schnelle Inbetriebnahme.

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Anderthalb Jahre lang war der Forschungsreaktor am Wannsee außer Betrieb, nun hat ihn die Helmholtz-Gesellschaft wieder hochgefahren. Die „Berliner Neutronenquelle BER II“, wie der Reaktor im Wissenschaftsbetrieb offiziell heißt, war im Oktober 2010 für eine langwierige Umbaumaßnahme und Wartungsarbeiten abgeschaltet worden.

Während der Betrieb ruhte, wurde der Forschungsreaktor wie andere deutsche Reaktoren nach dem Atomunglück im japanischen Fukushima einer Sonderprüfung unterzogen, allgemein als Stresstest bezeichnet. Die Helmholtzgesellschaft verweist bei der Betriebsaufnahme nun wieder darauf, dass diese Prüfung, „keinerlei Hinweise“ ergeben habe, „die einen Weiterbetrieb in Frage stellen könnten“.

Der Umbau des Reaktors sei seit vielen Jahren geplant gewesen und habe nichts mit dem Stresstest im vergangenen Jahr zu tun gehabt, sagte eine Sprecherin der zuständigen Umweltverwaltung Berlins am Donnerstag auf Anfrage. Die Stilllegung sei nicht erfolgt, weil es irgendwelche Probleme gegeben habe. „Der Reaktor ist in einem sehr guten Zustand“, hieß es weiter.

Beim Umbau sei ein Rohr ausgetauscht worden, durch welches die Neutronen – das sind Bestandteile von Atomkernen – vom Reaktor in die sogenannten Neutronenleiter geführt werden. „Durch die Neutronenleiter gelangen die Neutronen zu den wissenschaftlichen Experimentierstationen“, teilt die Helmholtzgesellschaft zu den Hintergründen des Umbaus mit. Auch die Experimentierstationen seien umgebaut worden. Mit Hilfe der Neutronenquelle wird am Wannsee etwa Materialforschung betrieben, um Kernenergie-Forschung geht es beim BER II nach Angaben der Betreiber nicht.

„Überprüft wie ein Kernkraftwerk“

Für die Prüfung des Betriebs würden stets die gleichen Maßstäbe angelegt, wie für ein Atomkraftwerk, hieß es bei der Umweltverwaltung. Dennoch sei der Forschungsreaktor am Wannsee mit einem Kraftwerk nicht zu vergleichen. So beträgt die Leistung des BER II laut Helmholtz-Gesellschaft 10 Megawatt, ein durchschnittliches Kernkraftwerk bringe es dagegen auf eine Leistung von bis zu 4000 Megawatt.

Die Wiederaufnahme des Betriebs wurde von den Grünen im Abgeordnetenhaus kritisiert. Es seien Beschlüsse des Parlaments missachtet worden, sagte Felicitas Kubala, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion. „Die Beratungen im Abgeordnetenhaus und die Überprüfung des Reaktors sind noch nicht abgeschlossen, trotzdem wird der Betrieb am Reaktor wieder aufgenommen“, sagte Kubala. Es fehle etwa eine Bewertung des Risikos durch den Forschungsbetrieb durch die vom Bund eingesetzte Kommission für Reaktorsicherheit. Diese hätte man abwarten müssen, so Kubala. „Nach dem tragischen Reaktorunglück in Fukushima wurden bundesweit die ältesten Atomreaktoren sofort abgeschaltet, aber der älteste Forschungsreaktor soll noch mindestens für ein Jahrzehnt in Betrieb bleiben.“ Die Grünen fordern die endgültige Stilllegung des BER II.

Bei der Senatsverwaltung für Umwelt wies man die Vorwürfe der Grünen am Donnerstag zurück. „Es gab keinen Grund, das Hochfahren des Reaktors nicht zu genehmigen“, sagte die Sprecherin.