Tegel und Schönefeld

Dutzende Flüge fallen an Berlins Flughäfen aus

Streik an Berlins Flughäfen - bis zum Mittag soll der Ausstand des Bodenpersonals dauern, mindestens. Flüge verspäten sich oder fallen aus.

Foto: dpa

Passagiere, die an diesem Dienstag an den Airports in Berlin-Tegel oder Schönefeld abfliegen oder landen wollen, müssen mit Flugausfällen rechnen. Außerdem kommt es zu Verspätungen, weil das Gepäck nicht befördert wird.

Die Gewerkschaft Ver.di hat das Bodenpersonal der Firma Globeground an den Berliner Flughäfen zu Warnstreiks von 5.30 Uhr bis 12 Uhr aufgerufen. Die Tarifverhandlungen bei dem Unternehmen schritten nicht voran, heißt es zur Begründung. Weil Ver.di auch im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes bundesweit zu Warnstreiks an den Flughäfen aufgerufen hat, kommt es zu massiven Behinderungen im gesamten deutschen Luftverkehr.

An den Berliner Flughäfen wurden für Dienstag mehr als 45 Flüge - die meisten in Tegel - gestrichen. Betroffen sind vor allem innerdeutsche Verbindungen wie nach Frankfurt oder München. Aber auch Flüge nach Moskau, Paris, London, Brüssel oder Amsterdam sind betroffen. Zwischen 6 und 8.45 Uhr waren bereits 18 Flüge in Berlin ausgefallen.

Am frühen Dienstagmorgen wurden trotz Streikankündigung am Flughafen Schönefeld noch Reisende an den Check-In-Schaltern von Globeground-Mitarbeitern abgefertigt. Am Vormittag soll sich die Situation an den Berliner Flughäfen dann allerdings deutlich verschärfen. Flugausfälle und Verspätungen werden sich in Berlin bis in den Nachmittag hineinziehen.

Bereits gegen 8.30 Uhr hatten sich lange Schlangen von wartenden Reisenden vor den Check-In-Schaltern gebildet. Sie wurden von Globeground-Mitarbeitern mit Getränken und Snacks versorgt. Die Stimmung unter den Fluggästen war entspannt.

Wie Morgenpost Online vor Ort beobachtete, wurden streikende Globeground-Mitarbeiter jedoch von verärgerten Reisenden beschimpft, als sie gegen 7.45 Uhr in einem Demonstrationszug und mit Ver.di-Fahnen durch das Hauptterminal in Tegel zogen. Lautsprecherdurchsagen, dass es "möglicherweise" zu Verspätungen kommen könne", wurden von den Streikenden mit Gelächter quittiert. Insgesamt sollen mehr als 300 Mitarbeiter des Bodendienstes, der Check-In-Schalter des Vorfelds in den Ausstand treten, sagte Ver.di-Verhandlungsführer Jens Gröger.

Gestreikt wird am Dienstag auch an mehreren anderen Flughäfen in Deutschland. Am Tag vor den nächsten Verhandlungen im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes legten die Beschäftigten in Frankfurt/Main, Köln/Bonn und Düsseldorf die Arbeit nieder. Auch München und Stuttgart sind im Laufe des Tages noch betroffen. Zudem hat die Gewerkschaft Ver.di Angestellte von Bund und Kommunen im Saarland, Rheinland-Pfalz und Hamburg zu Warnstreiks aufgerufen.

Am größten deutschen Luftverkehrsdrehkreuz in Frankfurt/Main sollen nach Ver.di-Angaben vom Vormittag an möglichst keine Maschinen mehr abheben. Wie ein Sprecher erklärte, wollen die Beschäftigten des Flughafenbetreibers Fraport bis etwa 14.30 Uhr ihre Arbeit niederlegen. In Stuttgart soll der Ausstand von 6 bis 11 Uhr dauern. In München endet das Nachtflugverbot um 6 Uhr, der erste Lufthansa-Flug ist bereits gestrichen worden. In Köln/Bonn, einem Flughafen ohne ein solches Verbot und hohem Cargo-Anteil, legten Beschäftigte von Mitternacht an die Arbeit nieder. Der Ausstand dauert bis 10 Uhr. Auch an den anderen betroffenen Flughäfen sollen Beschäftigte von Gepäckabfertigung, Bodenverkehrsdiensten, Technik, Sicherheit und Verwaltung helfen, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen.

Ebenso müssen sich Reisende, die am Dienstag von den Flughäfen in Hannover oder Bremen fliegen wollen, wegen Warnstreiks auf Verzögerungen und Einschränkungen einstellen. Betroffen seien die Personenkontrolle sowie die Bodenverkehrsdienste. In Bremen streikten nach Gewerkschaftsaussagen rund 60 Mitarbeiter. Für den Flughafen Hannover-Langenhagen konnte eine Ver.di-Sprecherin keine genauen Zahlen nennen. Der Bodenverkehrsdienst stehe weitestgehend still.

Am frühen Dienstagmorgen hatte die Lufthansa im Internet bereits 450 gestrichene In- und Auslandsflüge veröffentlicht. Weitere Ausfälle seien nicht ausgeschlossen. Lufthansa versuche einen möglichst stabilen Flugplan aufzustellen. Die Passagiere könnten kostenlos umbuchen oder ihre Flüge stornieren.

Für Inlandsflüge stünden erneut die Fernzüge der Deutschen Bahn als Alternative bereit, teilte Lufthansa mit. Dafür müssten die Flugtickets auf die Bahn umgebucht werden. Das gehe über die Online-Buchungssysteme wie auch an jedem Lufthansa-Schalter oder Automaten. Ähnliche Maßnahmen hat auch Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin ergriffen.

„Unser Ziel ist es ausdrücklich nicht, den gesamten Flugverkehr zusammenbrechen zu lassen“, erklärte der zweite Vorsitzende der DBB-Tarifunion, Willi Russ. „Vielmehr wollen wir mit gezielten Nadelstichen dafür sorgen, dass die Tarifverhandlungen, die am 28. März 2012 in Potsdam fortgeführt werden, möglichst zu einem Abschluss kommen.

Bereits Anfang März hatte ein Warnstreik zu Flugausfällen und Verspätungen in Tegel und Schönefeld geführt, weil die Globeground-Beschäftigten die Arbeit niedergelegt hatten. 44 Flüge fielen damals aus, viele andere verspäteten sich.

Der Berliner Tarifkonflikt hat mit der bundesweiten Tarifrunde im öffentlichen Dienst inhaltlich aber nichts zu tun, betont Ver.di-Verhandlungsführer Gröger. „Die Tarifverhandlungen zwischen Ver.di und Globeground haben immer noch zu keinem greifbaren Ergebnis geführt, obwohl die Gewerkschaft zu deutlichen Zugeständnissen bereit war“, so der Streikleiter. Das vorliegende Angebot des Arbeitgebers sehe lediglich Einkommensverbesserungen für 250 der insgesamt 1500 Beschäftigten der Firma Globeground vor.

Ver.di hat zuletzt vorgeschlagen, dass die vom Arbeitgeber angebotene Erhöhung um durchschnittlich 1,9 Prozent auf die aktuelle Vergütungstabelle aufgeschlagen werde. Außerdem müssten derzeit von der Gehaltsstufenregelung ausgenommene Kollegen wieder einbezogen werden.

Globeground bietet nach eigenen Angaben zu dem bereits gezahlten Inflationsausgleich von 2,3 Prozent eine Lohnerhöhung von 5 Prozent für die unteren Lohngruppen an. Das Unternehmen ist an den Berliner Flughäfen mit der Passagier- und Gepäckabfertigung betraut.

>>> Unser Schwerpunkt um neuen Berliner Flughafen BER - klicken Sie bitte hier.