"be Berlin"

Imagekampagne geht trotz Turbulenzen weiter

Die Zukunft der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner ist nach dem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Zühlsdorff offen. Fest steht jedoch: "be Berlin", die Werbekampagne für die Hauptstadt, wird trotz aller internen Probleme fortgesetzt.

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Melanie Bähr ist gekommen, um Positives zu verkünden. Die Zwischenbilanz der Werbekampagne für die Hauptstadt, „be Berlin“. „Eine Erfolgsgeschichte“, wie die Geschäftsführerin von Berlin Partner bei der Pressekonferenz am Freitagvormittag sagte. Über die Tumulte in der landeseigenen Gesellschaft zur Wirtschaftsförderung wollte Bähr dagegen nicht so gern sprechen. Der überraschende Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Zühlsdorff habe keine Auswirkungen auf die inhaltliche Arbeit von Berlin Partner, sagte Bähr auf Nachfrage knapp. Auch die von der neuen Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) angekündigte Neuausrichtung der Wirtschaftsförderer sieht Bähr betont gelassen.

Zühlsdorff hatte am Montagabend sein Amt als Aufsichtsratschef niedergelegt. Offiziell hatte er persönliche Gründe dafür angegeben, der Hintergrund seines Rücktritts soll aber ein Streit mit der Wirtschaftssenatorin über die künftige Ausrichtung von Berlin Partner sein. Vor Zühlsdorff hatten bereits der Geschäftsführer René Gurka und Pressesprecher Christoph Lang das Unternehmen verlassen. Wer neuer Chef im Aufsichtsrat wird und ob es einen zweiten Geschäftsführer neben Bähr geben soll, will von Obernitz entscheiden, wenn klar sei, wie die Berliner Wirtschaftsförderer – neben Berlin Partner auch Visit Berlin, die Investitionsbank und die Technologiestiftung – besser miteinander verzahnt werden können.

In der Berliner Wirtschaft hatte es Kritik an der Vorgehensweise der Senatorin gegeben, die ihr Verhalten daraufhin im Interview mit Morgenpost Online verteidigt hat . „Ich will nicht die komplette Statik der Wirtschaftsförderung ändern“, so von Obernitz. Ihr gehe es darum, die einzelnen Unternehmen besser aufeinander abzustimmen. Rückendeckung bekam von Obernitz am Freitag auch von Seiten der CDU-Führung. Es sei „bitter nötig, dass nach zehn Jahren Rot-Rot frischer Wind durch die Wirtschaftsverwaltung“ wehe, sagte Vize-Landeschef Frank Steffel Morgenpost Online. Anonyme Kritik an der Senatorin sei außerdem „feige“.

„Wir werden kritisch prüfen, wie die einzelnen Institutionen zusammen arbeiten“, sagte am Freitag auch Melanie Bähr, unterstützt von Senatssprecher Richard Meng. Meng betonte, die Prüfung sei ergebnisoffen. „Es gibt keine Vorentscheidung“, so der Senatssprecher. Die Prüfung sei Sache der Wirtschaftsenatorin und von der Koalition gewollt. „Dafür hat sie die volle Rückendeckung.“

Ungeachtet möglicher Umstrukturierungen wird Berlin Partner auf jeden Fall die 2008 gestartete Imagekampagne der Hauptstadt fortsetzen, kündigten Bähr und Meng an. „Berlin wird heute in der Welt viel positiver gesehen als noch vor vier Jahren“, so Bähr. Die Kampagne habe daran einen Anteil, sie stärke den Wiedererkennungseffekt der Hauptstadt. „Berlin is the place to be“, sagte Bähr. „Und das wollen wir nach außen hin weiter mit der Dachmarke ‚be Berlin' präsentieren.“

Im ersten Jahr der Imagekampagne hatte sich Berlin Partner zunächst auf die Hauptstadt selbst konzentriert. „Wir wollten die Bürger als Botschafter gewinnen“, sagte Bähr. Danach wurde die Kampagne verstärkt bei der Präsentation Berlins im Ausland eingesetzt, etwa bei Messen. Seit vergangenem Jahr werden der Slogan und das damit verbundene Corporate Design der Hauptstadt auch als Werbung für den Industriestandort eingesetzt.

18 Millionen Euro hat sich Berlin die Imageverbesserung in den vier Jahren kosten lassen – weitere 18 Millionen kamen von den insgesamt 15 Industriepartnern hinzu. „Dass diese private Beteiligung klappt, ist auch ein Zeichen für den Erfolg von ‚be Berlin'“, sagte Meng. „Berlin ist nicht nur eine Eventstadt oder ein historischer Ort, sondern auch eine Stadt, in der produziert wird und in der man sich entwickeln kann.“ Das sei das Profil der Zukunft, so Meng. Nach der Industriekampagne könne im Rahmen von „be Berlin“ weltweit etwa um Talente und Nachwuchskräfte geworben werden. Einer Umfrage von Infratest zufolge konnten sich 2007 etwa in den USA nur 22 Prozent der Befragten vorstellen können, in Berlin zu arbeiten, im vergangenen Jahr verbesserte sich der Wert auf 49 Prozent.