Flughafen BER

Demonstranten tragen Fluglärm-Protest in die City

4500 Menschen ziehen am Sonnabend über den Kudamm. Sie fühlen sich von Klaus Wowereit verladen, dürfen aber nicht in die Nähe seines Hauses.

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Um 12.30 Uhr ist es noch ruhig auf dem Breitscheidplatz am Kurfürstendamm. Ein paar Demonstranten klappen vor der Gedächtniskirche Tische auf, an denen sie Kuchen verkaufen. Helmar Loske (69) und seine Frau Edith (62) gehören zu den ersten Teilnehmern der geplanten Großdemonstration.

Ihre Stoßrichtung ist, wie die der meisten Demonstranten, so kompromisslos wie eindeutig: Sie sind gegen den Fluglärm – koste es, was es wolle. Und das heißt in diesem Fall: Die Eröffnung des Großflughafens in Schönefeld am 3. Juni verhindern und stattdessen auf einen alternativen Standort ausweichen – und zwar im rund 40 Kilometer südlich von Berlin gelegenen Sperenberg. Doch es geht um mehr.

Klaus Wowereit mit langer Nase

Das Ehepaar Loske lebt in Blankenfelde-Mahlow. „Wir wohnen in der Region, die am allerstärksten vom Fluglärm betroffen sein wird“, sagt der 69-Jährige. Wem er die Schuld gibt, macht er ganz plakativ. Auf seinem Schild steht: „Ehrenwort! Wir haben nix gewusst!“

Darunter ist ein Bild von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu sehen, dessen Nase so langgezogen ist wie die von Pinocchio. Auch ein altes Paar Schuhe hängt an der Stange des Schilds, das er vor sich herträgt. „Die wollten wir dem Herrn Wowereit für sein Verhalten eigentlich vor die Haustür werfen! Aber auch das dürfen wir nicht!“, poltert Loske wutentbrannt.

Polizeiangaben zufolge sind es 4500 Menschen, die am Sonnabend auf dem Kurfürstendamm gegen den Flughafen Willy Brandt (BER) protestieren. Die Veranstalter hingegen sprechen von mehr als 10.000 Demonstranten.

Demonstranten dürfen nicht zu Wowereits Wohnhaus

Der Protestzug, der von dem Bürgerverein Brandenburg-Berlin organisiert worden ist, startete an der Gedächtniskirche und zog bis zum Adenauerplatz, wo er in die Brandenburgische Straße bog, um sich zur Abschlusskundgebung vor dem U-Bahnhof Konstanzer Straße zu sammeln. Ursprünglich wollten die Menschen bis zum Wohnhaus des Regierenden Bürgermeisters ziehen, das ganz in der Nähe steht, und dort Fluglärm simulieren. Doch das Verwaltungsgericht untersagte das. Daraufhin wurde die Route um 200 Meter verkürzt.

Das ärgert die Familie von Lilian Rimkus (38). Sie ist mit ihren zwei Kindern und Mann Karsten Meyer (48) aus Kleinmachnow gekommen, sie gehen mit bei dem Demonstrationszug. Unzählige gelbe Schilder schwanken den Kurfürstendamm hinauf. Rangsdorf, Schulzendorf, Wildau, Königs Wusterhausen, Zeesen – all diese Ortsnamen haben die Protestierenden darauf geschrieben.

„Wir sind vor fünf Jahren dahin gezogen, um Ruhe zu haben"

Vorweg fährt ein weißer Kleintransporter mit riesigen Boxen drauf, aus denen Fluglärm schallt. Lilian Rimkus' Protest hingegen hat auch eine ironische Note. Auf ihrer schwarzen Tragetasche klebt ein gelber Sticker, auf dem steht: „Die familienfreundliche Gemeinde: Kleinmachnow.“ Das sei, sagt Frau Rimkus, natürlich nicht ernst gemeint. „Wir sind vor fünf Jahren dahin gezogen, um Ruhe zu haben. Um der Lautstärke und dem Lärm hier zu entkommen“, sagt die 48-Jährige und zeigt auf die Menschenmassen, die sich um sie herum schieben.

Gegen 16 Uhr sammelt sich der Zug am U-Bahnhof Konstanzer Straße. Trillerpfeifen, Parolen, immer noch Fluglärm aus den Boxen. Die Schauspielerin Uta Schorn betritt ein Podest und ruft in das Mikrofon: „Herr Wowereit, kehre dich um von deinen Höhen, zu dem Volk zurückzusehen!“ Der habe sich nach Polizeiangaben kurz an seinem Fenster gezeigt.