Berliner A111

Tunnel Tegel bleibt noch jahrelang eine Staufalle

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Markus Falkner

Weil Wasser durch undichte Stellen im Berliner Tunnel Tegeler Ortskern (TTO) dringt, schieben sich täglich 70.000 Autos im Schleichtempo durch die Unterführung. Die nötige Grundsanierung ist allerdings erst 2014 möglich.

Das Bild war in den vergangenen Tagen stets das gleiche. Teilweise kilometerlang staute sich der Verkehr auf der Autobahn A111 (Reinickendorf-Zubringer) stadteinwärts vor dem Tunnel Tegel Ortskern (TTO). Wegen Fahrbahnschäden ist die rechte Spur gesperrt. Im Schleichtempo schieben sich die täglich etwa 70.000 Autos durch die Unterführung. Jenseits der Absperrungen rattern und qualmen die Baumaschinen, um den maroden Fahrbahnbelag notdürftig zu flicken. Zum zweiten Mal binnen zwei Wochen mussten die Arbeiter anrücken, um die schlimmsten Schäden auszubessern. Längst gilt im bröckelnden Tunnel ein verschärftes Tempolimit von 60 statt der üblichen 80 Kilometer pro Stunde.

An diesem Freitag – voraussichtlich in den frühen Abendstunden – soll die Fahrbahnsperrung wieder aufgehoben werden, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Donnerstag bestätigte. Die schadhafte Fahrspur sei abgefräst und mit Gussasphalt belegt worden, sagte Behördensprecherin Petra Rohland. Wenn der Asphalt am Abend trocken sei, könnten die Autos auch wieder über die rechte Spur rollen. Was klingt wie eine gute Nachricht ist aber wohl nur ein Zwischenstand. Denn mit Einschränkungen, Sperrungen und Staus müssen Autofahrer im und am TTO wohl noch jahrelang rechnen. Das Problem ist Wasser, das vermutlich durch Fugen an der Tunnelsohle einsickert. Verstärkt durch die Frosttemperaturen der vergangenen Wochen, hatte das Wasser den Fahrbahnbelag vom Tunnel-Untergrund gelöst.

Der Frost ist zwar einstweilen Geschichte, doch das Wasser dringt weiter ein, sorgt für Pfützen und Schäden an Beton und Asphalt, sickert in Schnittstellen zwischen alter Fahrbahn und ausgebesserten Stellen und verursacht so immer neue Löcher. Auch bei den aktuellen Reparaturarbeiten handele es sich um „reine Notmaßnahmen“, sagte Rohland. Für die dauerhafte Haltbarkeit gebe es seitens der Baufirmen „keinerlei Garantie“.

Grundsanierung ab 2014

Eine Lösung kann wohl nur eine Grundsanierung des gesamten Tunnels bringen – jene ist allerdings nicht vor 2014 in Sicht. Bis dahin könnten neue Einschränkungen nicht ausgeschlossen werden, bestätigte Behördensprecherin Rohland. Derzeit rätseln die Fachleute in der Verkehrsverwaltung noch, wie und wo das Wasser überhaupt eindringen kann. Ein Berliner Ingenieurbüro soll nun ein Gutachten erstellen, das die Ursachen der Schäden und deren Höhe ermitteln soll. „Erst nach Auswertung des Gutachtens kann eine dauerhafte Schadensbeseitigung veranlasst werden“, heißt es in einer Mitteilung der Senatsverwaltung. Falls das Wasser tatsächlich durch die Fugen an der Tunnelsohle eindringt, wären nach Einschätzung der Behörde „umfangreiche und langwierige Instandsetzungsmaßnahmen“ nötig. Schon jetzt zieht die Verwaltung einen Vergleich mit der Sanierung des Tegeler Flughafentunnels, ebenfalls an der A111. Jene hatte 19 Monate bis zum Sommer 2008 gedauert und fast 40 Millionen Euro gekostet.

Um die Folgen für die Autofahrer abzumildern, sollen die Arbeiten im Tunnel Tegel Ortskern – sollten sie nötig sein – deshalb zeitgleich mit einer ohnehin anstehenden Nachrüstung der Tunneltechnik erledigt werden. Geplant ist jene frühestens in zwei Jahren.

Dann müssen Autofahrer monatelang allerdings mit weit größeren Einschränkungen rechnen als dem momentanen einspurigen Schleichverkehr. Eine Vollsperrung des Tunnels wäre zumindest zeitweise wohl unvermeidlich. Wie der Verkehr von der Autobahn dann über Stadtstraßen umgeleitet werden soll, ist nach Angaben der Senatsverwaltung noch offen.