Von Henkel bis Rehhagel

Diese 25 Berliner wählen den Bundespräsidenten

Die Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses haben ihre Wahlleute für die Bundesversammlung nominiert. Am 18. März schreiten sie zur Tat und wählen ein neues Staatsoberhaupt. Eine Überraschung: Auch Herthas neuer Trainer Otto Rehhagel ist dabei.

Der CDU-Innensenator und Parteivorsitzende Frank Henkel bat zu Beginn der CDU-Fraktionssitzung am Donnerstag um das Wort. Es gab Wichtiges zu verkünden: Die Liste mit den Namen derjenigen CDU-Vertreter, die den Bundespräsidenten wählen sollen. Und Henkel wartete mit einer Überraschung auf. Der neue Hertha-Trainer Otto Rehhagel wird für die Berliner Union in die Bundesversammlung geschickt. Er ist der überraschende Name auf der Liste der insgesamt 25 Berliner Vertreter in der Bundesversammlung, die am 18. März das neue Staatsoberhaupt wählen wird. Zur Wahl stehen Joachim Gauck, der von CDU, FDP, SPD und Grünen unterstützt wird. Die Linkspartei setzt sich für Beate Klarsfeld als neue Bundespräsidentin ein.

Als bekannt wurde, dass Rehhagel als Trainer nach Berlin kommt, hatte der CDU-Chef die Idee, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Am Telefon sagte der Fußballlehrer, dass er immer schon CDU-affin gewesen sei und dass Helmut Kohl ihn 1999 schon einmal als Wahlmann nominiert hatte. Erfahrung hat er also mit Bundespräsidentenwahlen. Nach zwei Tagen Bedenkzeit bedankte sich Rehhagel für die Ehre und nahm an. Neben dem Hertha-Trainer und dem Parteivorsitzenden Henkel nominierte die Berliner CDU-Fraktion am Donnerstag Fraktionschef Florian Graf, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Cornelia Seibeld, das Mitglied des CDU-Bundesvorstands Emine Demirbüken-Wegner, Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski und Friede Springer.

Die anderen Parteien hatten ihre Wahlmänner und -frauen schon in den vergangenen Tagen nominiert. Die SPD-Delegation für die Bundesversammlung wird vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, dem Parteivorsitzenden und Stadtentwicklungssenator Michael Müller und dem Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh angeführt. „Von außen“ gewinnen konnte die Partei den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer. Gemäß ihren Statuten bestimmten die Sozialdemokraten neben den vier Männern auch vier Frauen: die stellvertretende Landesvorsitzende Iris Spranger, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Susanne Kitschun, die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler, und die Vorsteherin der Bezirksverordneten-Versammlung Pankow, Sabine Röhrbein. „Wir wollte eben auch die Bezirke mit einbinden“, sagte Felix Frenzel, persönlicher Referent des SPD-Fraktionschefs.

Auch die Grünen setzen neben der Berliner- auf Bundesprominenz. Neben der Fraktionsvorsitzenden Ramona Pop und der Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses Anja Schillhaneck nominierten die Grünen den Bundesvorsitzenden Cem Özdemir, der in Kreuzberg wohnt, und die ehemalige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler. Hinzu kommt noch Martin Zierold, Bezirksverordneter aus Mitte und Deutschlands erster und einziger gehörloser Abgeordnete. Für die Piraten werden der Parlamentarische Geschäftsführer Martin Delius und Landesschatzmeisterin Katja Dathe in die Bundesversammlung geschickt, damit Fraktion und Landesverband gleichermaßen vertreten sind. Wer die Stimmen der Piraten bekommen wird und ob sie nicht sogar doch noch einen eigenen Kandidaten nominieren, ist noch offen.

Als bisher einzige Gegenkandidatin zu Joachim Gauck ist gerade Beate Klarsfeld für die Linke im Gespräch. In mehreren Interviews hat die als „Nazi-Jägerin“ bekannte 73-Jährige bereits ihre Bereitschaft zur Kandidatur deutlich gemacht. Entschieden ist vonseiten der Parteispitze jedoch noch nichts. Fest steht dagegen, wen die Linksfraktion Berlin zur Wahl schickt: Ines Feierabend, Stadträtin in Treptow-Köpenick, die stellvertretende Landesvorsitzende Katrin Möller und den Abgeordneten Hakan Tas.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.