Prozess

Mann stirbt in Bahntunnel - Wachmänner schweigen

Fahrgäste beobachteten 2008, wie eine Person in einem Berliner U-Bahntunnel verschwand und alarmierten Wachleute. Doch sie schritten nicht sofort ein. Der Mann wurde von einem Zug erfasst und starb. Nun hat der Prozess gegen die Security-Mitarbeiter begonnen.

Foto: Amin Akhtar

Wie muss ein Security-Mitarbeiter reagieren, wenn ihm Fahrgäste mitteilen, dass ein Mann in den U-Bahntunnel gelaufen ist? Genau das prüft seit Mittwoch ein Moabiter Schöffengericht.

Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung sind drei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Securitas, die in Berliner U-Bahnhöfen für die BVG arbeitet. Sie und ein inzwischen schon zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilter Kollege befanden sich am 21. April 2008 auf dem gemeinsamen Heimweg, als ihnen gegen 21.30 Uhr im U-Bahnhof Nauener Platz (Stadtteil Wedding) aufgeregt von Fahrgästen mitgeteilt wurde, dass Sekunden zuvor ein Mann mit seinem Hund in den U-Bahntunnel gelaufen sei. Den Ermittlungen zufolge soll der – schon verurteilte – Security-Mitarbeiter kurz aus dem Fenster in Richtung des Tunnels geschaut und „da ist doch nichts“ gesagt haben. Wenig später verließ der Zug den Bahnhof. Der Mann, der unter Drogen stand und seinem Hund nachgelaufen war, wurde überrollt und dabei tödlich verletzt.

Die Angeklagten wollten sich im Prozess auf Anraten ihrer Anwälte nicht äußern. Ihr als Zeuge geladener Vorgesetzter sagte, dass alle Mitarbeiter seiner Firma für den Einsatz bei der BVG in einem einwöchigen Lehrgang speziell geschult und geprüft worden seien. Ohne diese Ausbildung und das dazugehörige Abschlusszertifikat sei der Einsatz bei der BVG gar nicht möglich. Zu dieser Ausbildung gehöre auch das Vermitteln des Paragrafen 12 der Dienstvorschrift der Berliner U-Bahn, in denen die Schritte bei derartigen Gefahrensituationen genau vorgeschrieben seien. Wichtig sei dabei vor allem die sofortige Information der Leitstellte der U-Bahn, dafür stünden den Wachmännern Funkgeräte zur Verfügung.

Auch ein inzwischen pensionierter Betriebsleiter der U-Bahn ging davon aus, dass die Angeklagten an jenem Tag „genau wissen mussten, was zu tun ist“. Bei ihrer Schulung bei der BVG werde das Thema „Personen im Tunnel“ behandelt. „Wenn ein Fahrgast sagt, jemand ist im Tunnel, erwarten wir natürlich auch, dass die Sicherheitsleute zumindest den Fahrer informieren“, sagte der Zeuge. Das wäre in diesem konkreten Fall besonders leicht zu bewerkstelligen gewesen, da die vier Wachmänner im ersten Abteil saßen – also unmittelbar hinter der Kabine des Zugführers. Möglich sei aber auch „in derartigen Gefahrensituationen einfach die Notbremse zu ziehen“, sagte der ehemalige Betriebsleiter.

Wichtig für das Gericht ist nun, ob auch für die drei Angeklagten bei ihrer Schulung das Problem „Personen im Tunnel“ thematisiert wurde. Dazu sollen die Dozenten befragt werden. Bis dahin wird das Verfahren ausgesetzt.