IBA-Bauten

Mieter verlassen Vorzeige-Häuser am Lützowplatz

Die Internationale Bauausstellung im Jahr 1987 in Berlin sollte neue Perspektiven für das Wohnen zeigen. Zum Beispiel mit dem Ungers-Komplex am Lützowplatz. Doch nun kommt nach elf Jahren Rechtsstreit der Abriss.

Foto: Sergej Glanze

Auf vielen Fenstern der insgesamt 86 Wohnungen in den Häusern am Lützowplatz in Berlin-Tiergarten hat sich längst ein blickdichter Schmutzschleier abgelagert. Die meisten Mieter sind schon vor Jahren ausgezogen. Zuletzt wehrten sich nur noch zehn Mietparteien gegen das Ende ihrer einstigen Vorzeigesiedlung.

Seit Dienstag stehen die Zeichen nun endgültig auf Abriss der gesamten Wohnanlage. Nach Informationen des Berliner Mietervereins (BMV) haben die restlichen verbliebenen Mieter am Dienstag einem gerichtlichen Vergleich zum Auszug zugestimmt.

"Damit hat die Eigentümerin, die Dibag Industriebau AG aus München, nun erreicht, was sie bereits seit 2001 geplant hat: den Abriss der Häuser“, so der Chef des Mietervereins, Reiner Wild. Der Mieterverein hatte im jahrelangen Gerichtsstreit um die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1984/87 errichteten Wohnungen die Interessen einer betroffenen Mieterin vertreten.

Die vom Architekten Oswald Mathias Ungers geschaffenen Wohnungen, die teils als Sozialwohnungen, teils auf dem freien Markt vergeben wurden, waren allesamt mit großzügigen Terrassen oder kleinen Gärten versehen. Allerdings waren die Häuser auch mit zahlreichen Baumängeln behaftet.

Diese Mängel führte die Eigentümerin auch als Argument für den gewünschten Abriss vor der 67.Kammer des Landgerichts Berlins an. Eine Sanierung sei wirtschaftlich nicht machbar. Geplant ist demnach ein Neubaukomplex mit Hotel, Büros und Wohnungen. Das Gericht folgte der Argumentation, was Wild bedauert: „Nachdem der Richter durchblicken ließ, dass er der Kündigung wegen Hinderung angemessener wirtschaftlicher Verwertung stattgeben würde, sahen sich die verbliebenen Mieter genötigt, den gerichtlichen Vergleich zum Auszug anzunehmen.“

Damit endet nun der jahrelange Widerstand der Mieter gegen den Abriss ihrer Wohnanlage. Der Vergleich sehe großzügige Abfindungen für die Mieter vor, räumte Wild ein. Je nach Wohnungsgröße lägen diese ab 30.000 Euro aufwärts. Darum sei es den Mietern, die gerne dort wohnen bleiben wollten, aber nicht gegangen, beteuert Wild. „Doch die Mieter hatten keine Chance, gegen millionenschwere Baugutachten der Eigentümer anzukommen.“ Ihnen würden schlicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten für eigene Gutachten fehlen.