Bilanz

Charité macht mehr als acht Millionen Euro Plus

Raus aus den roten Zahlen: Die Sanierung der Berliner Universitätsklinik Charité läuft besser als erwartet. Nicht erst 2012, sondern schon im Vorjahr gab es erstmals einen Gewinn.

Foto: Christian Kielmann

Die Charité, eine der größten Universitätskliniken Europas, ist aus den roten Zahlen heraus. Der Klinikkonzern hat im vergangenen Jahr einen Überschuss von mehr als acht Millionen Euro erwirtschaftet – deutlich mehr und früher als erwartet worden war. Es ist zudem der erste echte Gewinn überhaupt. Dieses Ergebnis präsentierte der Vorstand am Montag dem Finanzausschuss des Aufsichtsrates. Zuletzt war eine schwarze Null für 2011 angegeben worden.

Damit hat sich der von Charité-Chef Karl Max Einhäupl und seinem Finanzchef Matthias Scheller vor drei Jahren gestartete und zwischenzeitlich heftig umstrittene Sanierungskurs ausgezahlt. „Der Turnaround ist geschafft“, sagte Einhäupl der Morgenpost. Man habe die vereinbarten Ziele übertroffen. Der heute 65-Jährige hat die Unternehmensführung Ende 2008 übernommen. Damals fuhr die Charité einen Rekordverlust von fast 57 Millionen Euro ein.

Die Vorsitzende des Aufsichtsrates, Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres, sagte, eine „solide wirtschaftliche Basis“ für das „Aushängeschild Berlins“ sei „eine unverzichtbare Voraussetzung“ für nachhaltige Erfolge: „Das sichert den exzellenten Wissenschaftsstandort und die beste mögliche medizinische Versorgung.“

Die Sanierung der Charité ist aber auch ein Erfolg von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos). Ende 2010 hatte die Charité-Führung wegen zusätzlicher Belastungen aus der Gesundheitsreform und steigender Personalkosten für das Folgejahr noch einen hohen Verlust prognostiziert. Nußbaum zweifelte daraufhin öffentlich die Management-Fähigkeiten der Charité-Spitze an und setzte in einem heftigen Streit einen verschärften Sanierungskurs durch. Die Charité gehört dem Land Berlin.

Der Konflikt zwischen Nußbaum und der Charité-Spitze ist längst beigelegt. „Das Ergebnis des Jahresabschlusses

ist ein wichtiger Schritt zur Zukunftssicherung der Charité“, sagte Nußbaum. Insbesondere mit Blick auf die anstehenden Großinvestitionen rund um die Sanierung des Bettenhauses in Mitte sei es dringend notwendig gewesen, die weitere Verschuldung zu stoppen.

600 Stellen abgebaut

Mit der erfolgreichen Sanierung dürfte einer Verlängerung der Verträge von Einhäupl und Scheller nichts mehr im Wege stehen. Beide Verträge laufen 2013 aus. Üblicherweise wird ein Jahr vor Vertragsende über eine Fortsetzung verhandelt.

Der Gewinn ergibt sich vor allem aus der Tatsache, dass die jahrelang verlustreiche Krankenhausversorgung – also das Kerngeschäft der Charité – nicht mehr defizitär ist. Sieben Millionen Euro wurden verdient. Die Zahl der Kliniken, die keinen Gewinn ausweisen, ist drastisch gesunken. Nur noch zehn der insgesamt knapp 100 Einzel-Kliniken sind defizitär. Zum Vergleich: Vor drei Jahren machte noch mehr als die Hälfte Miese.

Erreicht wurde das durch höhere Einnahmen, weil mehr Patienten betreut wurden. Gleichzeitig wurden 2011 insgesamt 200 Stellen gestrichen und drastisch Kosten etwa beim Einkauf von medizinischen Hilfsmitteln reduziert. Seit 2008 hat die Charité rund 600 Stellen abgebaut. Insgesamt zählt sie noch 8544 Vollzeit-Stellen.

Die Charité weist für das vergangene Jahr bei einem gesteigerten Ertrag von knapp 1,1 Milliarden Euro einen Gewinn von 8,2 Millionen Euro aus. Etwas mehr als ein Drittel des Gewinnes ist auf einmalig wirksame Einsparungen zurückzuführen. Der Großteil ergibt sich aber aus dem operativen Geschäft. In der Vergangenheit waren positive Ergebnisse allein aufgrund von Immobilienverkäufen oder aufgelösten Rückstellungen zustande gekommen.

Der Gewinn ist umso bemerkenswerter, weil Steigerungen bei Löhnen und Gehältern das Ergebnis mit zusätzlichen rund 45 Millionen Euro belasteten. Zugleich kämpft die Charité nach wie vor mit hohen Kosten für den Unterhalt ihrer teils baufälligen Kliniken.

500 Betten weniger

Für 2012 erwartet das Uni-Klinikum einen Gewinn von 4,5 Millionen Euro – also weniger als im Vorjahr. „Wir planen erst einmal konservativ“, sagte Scheller.

Die Gründe: Die überfällige Sanierung des Bettenhochhauses in Mitte, die Ende des Jahres beginnen soll, wird mit hohen Einnahmeverlusten einhergehen. Denn zeitgleich mit den Bauarbeiten ist die Charité nach dem Berliner Krankenhausplan gezwungen, knapp 200 Betten abzubauen. Bis 2015 sind es insgesamt sogar 500 Betten. „Wir sehen es sehr kritisch, dass wir ausgerechnet in der Sanierungsphase dazu gezwungen werden, Betten abzubauen – während in anderen Kliniken aufgebaut werden kann“, sagte Einhäupl. Die Charité verfügt über 3213 Betten.

Ab Ende 2012 soll das Bettenhochhaus in Mitte während der Bauphase freigeräumt werden. Die Patienten werden in einem Ersatzbau in Mitte und an anderen Charité-Standorten untergebracht. Bis 2016 soll das Haus dann saniert sein. Insgesamt investiert das Land 330 Millionen Euro in die Charité-Sanierung. Das entspricht nach früheren Schätzungen etwa einem Viertel des gesamten Sanierungsbedarfs des Klinikums.

Trotz der drohenden Belastungen glaubt die Charité-Führung, dass der Konzern dauerhaft aus den roten Zahlen ist. „Das ist kein einmaliges Ereignis“, sagte Einhäupl. Große Einsparpotenziale gebe es jedoch nicht mehr. Die Stellenzahl wird in den nächsten Jahren nur marginal verringert werden können, die Lasten aus dem baulichen Zustand der Kliniken bleiben.

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