Neukölln

Berliner nach einer Hetzjagd angefahren

In Neukölln ist ein 29-jähriger Berliner auf der Flucht vor einer prügelnden Meute angefahren worden. Er kam mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Der Fall erinnert stark an den von Giuseppe M., dessen mutmaßliche Mörder nun vor Gericht stehen.

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Die Meldung, die die Polizei am Sonntag veröffentlichte, war kurz: „Vor Schlägern geflüchtet – von Auto erfasst“ lautete sie. Ihr Inhalt war umso brisanter. Denn das, was sich in der Nacht zum Sonntag in Neukölln zugetragen hatte, erinnert stark an den Tod des 23-jährigen Giuseppe M., der vor fünf Monaten auf der Flucht vor U-Bahnschlägern in ein Auto gerannt war. Am heutigen Montag beginnt der Prozess gegen zwei junge Männer.

Im aktuellen Fall wurden nach Polizeiangaben Passanten am Sonnabend zufällig Zeugen der Verfolgungsjagd. Gegen 22 Uhr bemerkten sie, wie der 29-jährige Samir D. in der Neuköllner Wissmannstraße von einer vier- bis achtköpfigen Gruppe gejagt wurde. Noch während der Hatz wurde er von einem der Verfolger mit einem Baseballschläger gegen den Kopf geschlagen. Offenbar in Panik und ohne auf den Verkehr zu achten, rannte Samir D. von der Wissmannstraße auf die mehrspurige Fahrbahn der Hasenheide. Ein 59 Jahre alter Honda-Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und rammte den 29-Jährigen. Als die Angreifer sahen, was sie angerichtet hatten, flüchteten sie. Samir D. wurde mit schweren Kopfverletzungen in eine Klinik gebracht. Er liegt nun auf der Intensivstation.

Was der Auslöser für die verheerende Hetzjagd war, ist ungewiss. Die Polizei wollte sich nicht dazu äußern. Aufgrund der Nationalitäten der Beteiligten und der Nähe zum Volkspark Hasenheide – seit Jahrzehnten ein Umschlagplatz für Drogen – ist jedoch eine Auseinandersetzung im Drogen-Milieu wahrscheinlich. Bei den Angreifern soll es sich um Schwarzafrikaner handeln. Das Opfer hingegen ist Libanese. Samir D. soll zudem bei der Polizei kein Unbekannter sein. Dem Vernehmen nach wurden ihm in der Vergangenheit auch Drogendelikte zur Last gelegt. In der Hasenheide kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen afrikanischen und arabischen Drogendealer-Banden, die dort um die Kundschaft konkurrieren. Vor Gewalt wird in der Regel selten zurückgeschreckt.

Dass ein solcher Vorfall auch tragisch enden kann, zeigte der Fall von Giuseppe M., der am heutigen Montag vor dem Landgericht verhandelt wird. Laut Anklage sollen Giuseppe M. und sein Freund Raoul S. am 17. September von dem 21-jährigen Ali T. und dem ein Jahr älteren Baris B. auf dem U-Bahnhof Kaiserdamm angegriffen worden sein. In Panik flüchteten die beiden aus dem Bahnhof. Giuseppe M. rannte auf den Kaiserdamm und wurde von einem VW erfasst. Der 23-Jährige starb noch am Unfallort.

Der eigentliche Prozessbeginn am vergangenen Montag war geplatzt. Das Kammergericht hatte nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft angeordnet, dass sich beide Angeklagten zusammen verantworten müssen. Ursprünglich sollte zunächst nur gegen den Hauptverdächtigen Ali T. verhandelt werden, dem neben gefährlicher Körperverletzung auch Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen wird. Baris B. soll laut Anklage nicht für den Tod von Giuseppe M. verantwortlich sein.