Drogenfund

Berlinerin betrieb professionelle Hanfanlagen

Eliana B. war offenbar gut im Geschäft. Die 61-Jährige hatte gleich zwei Hanf-Plantagen in Berlin-Lichtenrade und Rudow. Eine lukrative Einnahmequelle.

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Das Anbauen und Verkaufen von Marihuana ist für zahlreiche Menschen, die Hanf im Verborgenen zuhause züchten, überaus lukrativ. Kaum eine Woche vergeht, in der Drogenfahnder in der Region Berlin-Brandenburg nicht eine der oft stattlichen Aufzuchtanlagen mit Hunderten von Cannabispflanzen und Setzlingen entdecken. Abnehmer im Kilogramm-Bereich zahlen um die 4500 Euro für ein Kilo Cannabisblüten, im kleinteiligen Straßenverkauf – gestückelt in Szeneportionen – wird leicht das Doppelte dieser Summe dafür eingenommen.

Eine konspirativ vorgehende 61 Jahre alte Hanf-Gärtnerin befindet sich seit Donnerstagabend in Untersuchungshaft. Eliana B. hatte gleich zwei Keller-Plantagen in Lichtenrade und Rudow betrieben. Polizeilich gemeldet war die zierliche Frau hingegen im Neuköllner Stadtteil Buckow.

Bargeld im Schließfach deponiert

Die professionell mit speziellen Wärmelampen, Bewässerungs- und Lüftungssystem versehenen Pflanzungen dürften der zierlichen Frau nach Informationen von Morgenpost Online mehr als 400.000 Euro Gewinn eingebracht haben. Diese Summe wurde von der Polizei im Rahmen der noch andauernden Ermittlungen am Donnerstag in einem Bankschließfach einer Sparkasse entdeckt und beschlagnahmt. Wie aus Ermittlerkreisen zu erfahren war, dürfte die Verdächtige kaum allein gehandelt haben. Gesucht würden derzeit Komplizen und Aufkäufer. Parallel dazu stehe die Aufklärung der Vertriebswege im Mittelpunkt der Untersuchungen.

Am Freitagmorgen gegen 8 Uhr hielt ein Lkw der Polizei am Radewiesenweg in Rudow, um die Bestandteile der am Vortag entdeckten Cannabis-Plantage mit 850 Pflanzen abzutransportieren. Das Rauschgift war im etwa 100 Quadratmeter großen Keller des zu großen Teilen von einer hohen Hecke abgeschirmten Einfamilienhauses gezüchtet worden. Der für die Pflanzung benötigte Strom war illegal von einer Hauptleitung abgezapft worden. Denn über die immensen Stromkosten für die Drogenplantagen sind schon häufig Cannabispflanzer den Ermittlungsbehörden aufgefallen.

Das von Eliana B. gemietete Haus hatte die Polizei nach Informationen von Morgenpost Online bereits tagelang vor dem Zugriff von Zivilbeamten observiert. Die Überwachung war allerdings Anwohnern nicht verborgen geblieben. Am Donnerstagnachmittag griffen die Drogenfahnder schließlich zu. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die 61-Jährige schon in Polizeigewahrsam. In einer Wohnung ihrer offiziellen Meldeadresse in der Straße Am Appelhorst in Buckow hatten Beamte im Zuge einer richterlich verfügten Durchsuchung zuvor Hinweise auf das Rudower Haus gefunden. Darüber hinaus gelang es den Beamten, einen Schlüssel einem Bankschließfach zuzuordnen. Dort konnte auch das mutmaßlich aus Drogenerlösen stammende Bargeld beschlagnahmt werden.

Aufgeflogen war die 61-Jährige bereits am Mittwochabend, nachdem Zivilbeamte am Rotenkruger Weg in Lichtenrade starken Cannabisgeruch wahrgenommen hatten und die 61-Jährige kurz darauf mit einem Smart-Pkw vorfuhr. Im Keller des dort gemieteten Einfamilienhauses stieß die Polizei auf eine Indoor-Plantage mit 750 Cannabispflanzen. Dass die Verdächtige keine Angaben zu den „Grünpflanzen“ machen wollte, konnte ihre sofortige Festnahme nicht verhindern.

Erst vor zwei Wochen hatte die Polizei eine kleinere Cannabis-Zucht in Lichtenberg aufgespürt. Ein 31-Jähriger hatte in zwei Zimmern seiner Wohnung an der Alfredstraße 200 Marihuanapflanzen bereits abgeerntet. Eine größere Summe Bargeld wurde eingezogen, der Verdächtige festgenommen.

Die größte Berliner Hanfzucht der jüngeren Vergangenheit hat die Polizei im Mai 2011 in Lichtenrade ausgehoben. In einer Lagerhalle konnten Kripobeamte mehr als 2400 Pflanzen und 3000 Setzlinge und fast 100 Mutterpflanzen sicherstellen. Neben 36.000 Euro in bar konnten damals auch elf Kilogramm verkaufsfertiges Marihuana beschlagnahmt werden. Zwei bereits mit Haftbefehl gesuchte Männer im Alter von 29 und 47 Jahren konnten in der Wittenauer Straße in Reinickendorf festgenommen werden.

Indoor-Farmland Brandenburg

Das lukrative Züchten von Marihuana wird gern auch in ländlichen Gebieten betrieben. Niedersachsen meldete 2011 allein 33 entdeckte Großplantagen. Auch das Berliner Umland ist für die Hanfbauern aufgrund der dünnen Besiedelung und der geringeren Polizeipräsenz überaus attraktiv. Für die Belieferung der Rauschgifthändler wird hoher technischer und logistischer Aufwand betrieben.

Die Indoor-Plantagen liegen auch in der Mark weiter im Trend. 2009 konnte die Polizei 24 professionelle Pflanzungen ausheben. 2010 gab es zwar nach Angaben des Polizeipräsidiums Potsdam einen Rückgang auf 18 entdeckte Indoor-Anlagen, doch in 2011 konnten Rauschgiftfahnder allein bis November insgesamt 26 Cannabis-Pflanzungen lokalisieren und beschlagnahmen. Die Täter stammten nahezu durchweg aus Berlin oder Brandenburg, sagte eine Polizeisprecherin Morgenpost Online. In Kloster Lehnin (Kreis Potsdam-Mittelmark) fanden Ermittler allein 2100 Pflanzen und 18 Kilogramm bereits abgeerntetes Marihuana im Wert von rund 80.000 Euro.

Dagegen muten die Mitte Dezember in einer Scheune in Jüterbog entdeckten 150 Cannabispflanzen geradezu bescheiden an. Der Besitzer war der Polizei aufgefallen – was an eine Kiffer-Komödie erinnert – weil sein Auto vorn kein Nummernschild und hinten eines hatte, das zu einem anderen Wagen gehörte. Zudem roch es im Wagen heftig nach „Gras“.

In Mahlow (Teltow-Fläming)wurde ein 49-jähriger Berliner erwischt, der unweit der Stadtgrenze in einer Zweitwohnung 500 Pflanzen angebaut hatte und acht Kilogramm der Droge dort lagerte. Weitere professionell ausgerüstete Plantagen wurden in Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) sowie in Werneuchen (Barnim) ausgehoben.