Berliner Nahverkehr

Welche BVG-Linien trotz Streiks fahren

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben wird am Sonnabend 15 Stunden lang gestreikt. Busse und U-Bahnen bleiben in den Depots. Die BVG plant einen Shuttle zum Flughafen Tegel, die S-Bahn will mehr Züge einsetzen. Und einige Bus-Linien fahren trotz Streiks.

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Trotz massiver Kritik von Fahrgastvertretern und Politikern hält die Gewerkschaft Ver.di an ihren Streikplänen für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) fest. Das landeseigene Nahverkehrsunternehmen wird am morgigen Sonnabend von früh 4 Uhr bis abends 19 Uhr bestreikt. In dieser Zeit sollen in der gesamten Stadt weder U-Bahnen, noch Busse oder Straßenbahnen fahren. Nicht betroffen vom Streik ist der S-Bahn-Verkehr, die von einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn ausgeführt wird.

Mit dem gleich auf 15 Stunden angelegten Warnstreik wollen die Gewerkschafter ihrer Forderung nach mehr Lohn für die rund 12.500 Beschäftigten bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und deren Fahrertochter Berlin Transport (BT) Nachdruck verleihen. Ver.di will einen Abschluss oberhalb der aktuellen Teuerungsrate von 2,3 Prozent erreichen. Die öffentlichen Arbeitgeber bieten bislang Lohnerhöhungen von 4,9 Prozent verteilt auf drei Jahre an. Mehr sei auch nicht möglich, sagte Berlins Finanzsenator und BVG-Aufsichtsratschef Ulrich Nußbaum (parteilos) am Donnerstag. Berlin sei schließlich mit 63 Milliarden Euro verschuldet und auch bei anderen Mitarbeitern im öffentlichen Dienst gebe es nur wenig Spielraum bei den Gehältern.

Angesichts der massiven Kritik an der Verhältnismäßigkeit sah sich sogar Ver.di-Chef Frank Bsirske genötigt, den Warnstreik im Berliner Nahverkehr als gerechtfertigt zu verteidigen. Von Arbeitgeberseite erwarte er ein Angebot, das realen Zuwachs bringe und nicht reale Verluste programmiere. „Da ist die BVG in Berlin noch nicht, ich hoffe, sie kommt bis Samstag dort hin“, sagte er am Donnerstag im „Morgenmagazin“ der ARD.

Lediglich durch ein neues, stark verbessertes Angebot könnte den Warnstreik am Sonnabend noch abgewendet werden, heißt es beim Berliner Landesverband von Ver.di. „Danach sieht es aber bisher leider nicht aus“, sagte Gewerkschaftssprecher Andreas Splanemann. Zugleich schloss er ein vorzeitiges Ende des Warnstreiks aus. „Das ist organisatorisch nicht machbar“, sagte er.

Doch selbst nach dem für Sonnabend 19 Uhr geplanten Ende des 15-stündigen Warnstreiks ist laut BVG-Sprecherin Petra Reetz noch mit vielen Einschränkungen zu rechnen. „Nach einem völligen Stillstand brauchen wir mindestens zwei Stunden, um das gesamte System wieder hochzufahren“, so die Sprecherin.

Damit der Nahverkehr in der Stadt nicht vollständig zum Erliegen kommt, versucht die BVG mit Hilfe ihrer privaten Subunternehmen zumindest eine Art Not-Angebot zu sichern. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht dabei der Flughafen Tegel, der ohne die BVG-Busse nur noch mit dem privaten Pkw oder teuren Taxis erreichbar wäre. Die BVG plant nun, einen Pendelverkehr zwischen dem S-Bahnhof Jungfernheide und dem Flughafen-Terminal einzurichten. „Damit besteht für die Reisenden zumindest Anschluss an den S-Bahn-Ring“, so BVG-Sprecherin Reetz. Eingesetzt dafür werden Busse eines privaten Unternehmens, die ab 3.32 Uhr entlang der regulären Linie 109 fahren sollen. Der erste Bus fährt um 3.32 Uhr am Tegeler Weg los. Die Busse fahren nach Bedarf im Fünf-Minuten-Takt. Angekommene Passagiere werden im Flughafen über Lautsprecher auf den Shuttleverkehr hingewiesen.

Als zweite Not-Maßnahme ist ein Bus-Shuttle zwischen den S-Bahnhöfen Lichtenberg und Frankfurter Allee geplant. Wegen langfristig geplanter Bauarbeiten am Ostkreuz fahren zwischen Lichtenberg und Ostkreuz keine S-Bahnen.

Auf diesen Linien der BVG können Sie trotz Streiks am Sonnabend fahren. Denn sie werden von privaten Subunternehmern bedient:

106 U Seestraße <> Schöneberg, Lindenhof

112 S Nikolassee <> Marienfelde, Nahmitzer Damm

140 S+U Tempelhof <> S Ostbahnhof

161 Schöneiche, Dorfaue <> Schöneiche, Lübecker Straße <> Hessenwinkel, Lutherstraße <> S Erkner

163 (S Adlershof <>) S Grünau <> S Flughafen Berlin-Schönefeld

168 Zum Seeblick <> Alt-Schmöckwitz <> Rauchfangswerder, Moßkopfring

175 Ringlinie: S Lichtenrade > Lichtenrade, Nahariyastraße > S Lichtenrade (> Lichtenrade, Illigstraße > S Schichauweg > S Lichtenrade)

184 (S Südkreuz <>) S+U Tempelhof <> U Krumme Lanke

204 S Südkreuz <> S+U Zoologischer Garten

218 U-Bhf Theodor-Heuss-Platz <> Pfaueninsel (alle zwei Stunden)

234 Ringlinie: Alt-Kladow > Lanzendorfer Weg > Alt-Kladow

263 S Grünau <> Bohnsdorf, Waldstraße (Info Tower)

271 Ringlinie: U Rudow > Rudow, Gockelweg > U Rudow

275 Kirchhainer Damm/Stadtgrenze <> S Lichtenrade

294 Hohenschönhausen, Seehausener Straße <> Hohenschönhausen, Gehrenseestraße

326 Ringlinie: S Hermsdorf > Veltheimstraße/Schildower Straße> S Hermsdorf

334 Hohengatow, Waldschluchtpfad <> Gatow, Habichtswald (ab 7 Uhr)

363 S Grünau <> Krankenhaus Hedwigshöhe

371 Ringlinie: U Rudow > Lieselotte-Berger-Platz > U Rudow

372 Ringlinie: U Rudow > Rudow, Lettberger Straße > U Rudow

373 Ringlinie: U Rudow > Gropiusstadt, Hugo-Heimann-Straße > U Rudow

390 S Ahrensfelde > Eiche > Mehrow > Ahrensfelde > S Ahrensfelde

399 Ringlinie: S Kaulsdorf > Kaulsdorf, Grottkauer Staße > S Kaulsdorf

Außerdem fahren nach Angaben der BVG alle Buslinien mit 600er oder 700er Liniennummern. Auf der Linie 107 verkehren nur die Fahrzeuge der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG), ebenso auf der Linie 136 , im Abschnitt Hennigsdorf <> Rathaus Spandau

Auch ein Teil der Nachtlinien wird laut BVG vom Warnstreik betroffen sein und vorzeitig den Betrieb einstellen. Folgende Linien werden in der Nacht von Freitag zu Sonnabend ohne Einschränkungen fahren: N12, N23, N35, N39, N40, N52, N53, N56, N60, N61, N62, N67, N68, N69, N79, N84, N88, N90, N91, N95, N97.

Als besonders brisant gilt die Verkehrslage am Nachmittag, wenn im Berliner Olympiastadion die Bundesligapartie zwischen Hertha BSC und Borussia Dortmund ausgetragen wird. Zum Spiel werden mehr als 70.000 Zuschauer erwartet, darunter rund 20.000 Fans aus Dortmund. Zwar will Hertha ab 13.30 Uhr einen kostenlosen Shuttle-Service mit Bussen zwischen dem Parkplatz P18 am Messegelände und dem Stadion einrichten. Dennoch werden viele Fans auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sein. Möglich ist dies nur mit der S-Bahn.

Die Bahn-Tochter will am Streik-Sonnabend „alle verfügbaren Fahrzeuge und Personal“ einsetzen. Dennoch müsse insbesondere bei der Abreise vom Stadion mit erheblichen Wartezeiten gerechnet werden, so ein S-Bahn-Sprecher. Er empfiehlt, nicht nur am S-Bahnhof Olympiastadion auf Züge zu warten. Zu Fuß könnten auch Stationen wie Westend oder Messe Nord/ICC angesteuert werden. „Die S-Bahn kann die BVG nicht ersetzen. An einem solchen Tag müssen längere Wege auch einfach mal zu Fuß zurückgelegt werden“, so ein S-Bahn-Mitarbeiter.