Notaufnahmelager

Marienfelde soll 500 Flüchtlinge aufnehmen

Innerhalb weniger Monate hat sich die Zahl der Flüchtlinge im ehemaligen Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde verdoppelt. Ihre Zahl nimmt stetig zu. Die zustände Stadträtin Sibyll Klotz fordert nun, dass ihre Unterbringung zwischen den Bezirken gerechter verteilt wird.

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Die Zahl der Flüchtlinge nimmt in Berlin stetig zu. Im ehemaligen Notaufnahmelager Marienfelde ist deshalb in wenigen Monaten die Anzahl der Flüchtlinge, die dort untergebracht werden sollen, verdoppelt worden. Hatte die Zentrale Aufnahmestelle des Landes Berlin die Marienfelder gerade erst Mitte Dezember darüber informiert, dass an der Marienfelder Allee 66/88 inzwischen 400 statt 250 Menschen wohnen, teilte die im Bezirk zuständige Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne) jetzt mit, dass die Landesbehörde die Kapazität gerade auf 500 Plätze erhöht habe.

„Diese Salamitaktik des Senats nervt die Anwohner, auch wenn der Betreiber, der Internationale Bund, dort eine sehr gute Arbeit macht. Eine Erhöhung der Kriminalität gibt es dort laut Polizei nicht“, sagte Klotz. Das einzige Problem, das es momentan gebe, sei, dass ein Teil der Jugendlichen immer noch nicht zur Schule gehen könne. Im Gegensatz zu den Grundschulkindern, die besser in den Klassen integriert werden könnten, gebe es hier Schwierigkeiten, besonders auch wegen der fehlenden Sprachkenntnisse.

Klotz sagte weiter, sie hätte sich zwar gewünscht, dass es in Marienfelde bei 400 Plätzen geblieben wäre. Klar sei aber auch, dass „den Leuten eine anständige Unterkunft zur Verfügung gestellt werden“ sollte. Aktuell sei die Einrichtung mit 418 Flüchtlingen belegt, bei einigen sei das Asylbegehren abgelehnt worden, sie seien nach Serbien zurückgekehrt.

Klotz fordert, dass die Unterbringung von Flüchtlingen zwischen den Bezirken generell gerechter verteilt werden müsste. Das sehe auch der neue Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales so.

Laut Auskunft des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, das die Unterbringung der Flüchtlinge organisiert, gibt es in Berlin zurzeit insgesamt 3385 Flüchtlingsplätze. Diese Platzkapazitäten in den Gemeinschaftsunterkünften sind laut Behörde „nahezu ausgeschöpft“, sodass weitere Plätze gefunden werden müssen.

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland und auch nach Berlin steigt seit 2009 kontinuierlich an. Im vergangenen Jahr verzeichnete Berlin mit 5413 Asylsuchenden rund ein Drittel mehr als noch 2010. Davon durften 2316 Menschen bleiben, um von hier aus das Asylverfahren zu betreiben. Der Rest wurde auf andere Bundesländer verteilt.

Vietnam, Tschetschenien, Serbien

„Die Hauptflüchtlingsländer sind inzwischen Vietnam, die Russische Föderation – hauptsächlich Tschetschenien – und Serbien, das ist auch bundesweit so“, sagte Silvia Kostner, Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales. Es folgen Afghanistan, Iran und Irak. 2010 hatten in Berlin 1963 Flüchtlinge Asyl beantragt und damit 613 Menschen (45,5 Prozent) mehr als noch 2009.

In der Berliner Erstaufnahmeeinrichtung Motardstraße in Spandau sind 565 Plätze belegt. Seit Dienstag gibt es an der Rhinstraße in Lichtenberg eine zweite Erstaufnahmeeinrichtung. 50 bis 100 Flüchtlinge können dort wohnen. In Marienfelde seien die Wohnungen gut erhalten, die Heizungen funktionierten und auch Läden gebe es in der Nähe. Deshalb sei das Haus für die Unterbringung der Flüchtlinge gut geeignet.

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