Geplante Sanierung

Berliner Tierpark fehlen die Investoren

Für 80 Millionen Euro will Geschäftsführerin Gabriele Thöne den Tierpark in Berlin-Friedrichsfelde sanieren, doch der Masterplan ist der Senatsverwaltung für Finanzen zu aufwendig und kostenintensiv. Während über den Etat beraten wird, rührt Thöne erst einmal die Werbetrommel.

Foto: Reto Klar

Ein halbes Jahr etwa ist es her, dass Berlins Haushaltspolitiker auf Galapagos waren. Gedanklich zumindest. Die Galapagos-Vision ist ein Kernstück des Masterplans für den größten Landschafts-Tiergarten Europas: den Tierpark. Mit rund 80 Millionen Euro soll die 160-Hektar-Anlage in Friedrichsfelde umgewandelt werden. Mehr als ein Papiertiger ist es noch nicht. „Ich brauche Geld“, sagt die kaufmännische Geschäftsführerin von Zoo und Tierpark, Gabriele Thöne. Ihr fehlt eine Viertelmillion Euro für Marketing, zum Planen und Verdeutlichen. Für Fotos und Illustrationen und für Personal, das die Ideen für potenzielle Investoren visualisiert. Denn der den Abgeordneten am 9. Juni 2011 vorgelegte Masterplan besteht nur aus Buchstaben, Kästchen und Pfeilen. Nun verhandelt Thöne mit dem Land „vor allem bezüglich der finanziellen Zuwendungen und ihrer Höhe“.

Diese Gespräche dauern an. „Nicht ohne Grund“, sagt der SPD-Politiker Daniel Buchholz. Denn am Ende wolle das Land Berlin keinen erhöhten Eintrittspreis, wie es nach den spektakulären Umbauten in den Zoos Leipzig oder Hannover der Fall war. Er rechnet mit einer abgespeckten Version. Denn schon am Anfang hat die Senatsverwaltung für Finanzen den Masterplan als zu aufwendig und kostenintensiv bezeichnet. Das Land spart – wie beim Zoo, der wegen hoher Besucherzahlen ab 2012 keinen Cent Zuwendung mehr erhält. Anders sieht es beim finanziell angeschlagenen Tierpark aus. Dessen Rücklagen betrugen vor zwei Jahren noch 2,89 Millionen Euro. Für 2012 sind im Wirtschaftsplan nur noch 1,79 Millionen Euro angesetzt. „Der Tierpark kann seine Defizite nicht mehr ausgleichen. Er muss höhere Einnahmen erzielen“, sagt der CDU-Abgeordnete Alexander Herrmann. Damit meint er Eintritte und Spenden, Sponsoren und Erbschaften – nicht die Abschlagszahlung von 2,6 Millionen Euro, die das Land Berlin für 2012 bereits geleistet hat. Insgesamt haben die Abgeordneten 6,2 Millionen Euro vorgesehen, und für kommendes Jahr 6,07 Millionen Euro. Der Haushalt wird beraten.

Galapagos als Zentrum für Evolution

Derweil wirbt Thöne für den Tierpark und seine Zukunft. Sie gilt als große Befürworterin des „Leuchtturmprojekts“: der Galapagos-Idee und dem Zentrum für Evolution. „Galapagos soll das Außen mit dem Innen verbinden. Im Park zeigen wir die Tiere, die Ergebnisse der Evolution. Im Haus greifen wir das didaktisch auf: Woher kommt Leben, ist Weiterentwicklung möglich?“ Das Ganze soll über Mal- und Leseecken hinausgehen: mit Labor- und Mikroskopierplätzen, Sehtests und Computeranimationen, Tauchsimulationen, Filmen, Laser. Kurzum: viel Technik. Die ist teuer, mit 20 Millionen Euro rechnet Thöne heute schon, ohne Detailplanung zu Standort und Fläche, Einrichtung und Ausstattung. Für das Haus kann Thöne sich private Betreiber vorstellen.

Südostasienhaus hat Priorität

Herrmann, Buchholz und die Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling halten Galapagos für eine gute Idee. Herrmann der schon mit seinem Kind vor Ort war, ergänzt: „Kurzfristig sollte das gastronomische Angebot verbessert werden.“

Für Tierpark-Direktor Bernhard Blaszkiewitz stand schon immer das für zehn Millionen Euro geplante Südostasienhaus an erster Stelle, als „Bau, in dem der Besucher auch Tiere sehen kann“, vom Hornvogel bis zum Orang-Utan. Der Tierpark bekäme damit Menschenaffen zurück in den Bestand, der Zoo müsste Affen abgeben. Thöne hat sich nun der Priorität ihres Vorstandskollegen angeschlossen und damit Abstimmungsprobleme gegenüber der Senatsverwaltung für Finanzen behoben. Immerhin halten beide, Geschäftsführerin Thöne wie Direktor Blaszkiewitz den Umbau der Tropenhalle – der noch in den Masterplan eingeschrieben wurde – im Alfred-Brehm-Haus für einen Erfolg. Im September 2011 begonnen, soll er zu Weihnachten enden – inklusive Rundgang in fünf Meter Höhe, wo Besucher Auge in Auge mit Indischen Flughunden sind. Die Kosten belaufen sich auf 9,6 Millionen Euro, finanziert aus Lottomitteln (3,3 Millionen Euro), dem Land Berlin und dem Umweltentlastungsprogramm der Europäischen Union.

Neues Rekordjahr in Sicht

Einen Erfolg nennt Thöne auch die Anschaffung von 50 Bollerwagen und Unterständen. Was klein-klein klingt, ist für den Politiker Buchholz der erste Stein im Mosaik Erlebnispark. „Der Tierpark wird kein Disneyland, aber er soll mehr Erholung bieten. Dazu gehört, dass Familien mit Kindern die Fläche erobern können.“

Unter Punkt 1 stehen im Masterplan „Werbung und PR“. Die kann man schon sehen: von riesigen Postern in der Stadt bis zu Morphing-Spots, in denen sich Schauspieler wie Brigitte Grothum, Entertainer Dieter Hallervorden oder Boxtrainer Ulli Wegner in jugendliche Zoobesucher zurückverwandeln.

Eine Schlappe musste die Marketing-Abteilung der Zoo-AG dagegen bei einem finanziell bedeutenden Sponsoren einstecken. Die GSW Immobilien AG hat ihren Vertrag gekündigt. Bislang soll das Unternehmen jährlich 60.000 Euro zur Verfügung gestellt haben. So wurde 2005 die Schließung der Zooschule verhindert. Die GSW plant nun einen Wechsel und will ab Mai mit der Gemeinschaft der Förderer für Tierpark und Zoo zusammenarbeiten – davon hat dann auch der Tierpark mehr.

Gabriele Thöne sieht ihre Öffentlichkeitsarbeit dennoch als Erfolg. So kamen 2011 trotz verregneter Sommermonate mehr als eine Million Besucher in den Tierpark. Man liegt wenigstens im Trend. Zoos boomen, wie Peter Dollinger vom Verband Deutscher Zoodirektoren mit Blick auf die Besucherzahlen sagt: „Von 1999 bis 2010 lag die Zunahme bei 21,5 Prozent.“ Für 2011 vermutet er „ein neues Rekordjahr“.