BER in Schönefeld

Lufthansa will Berlins neuen Airport dominieren

Am 3. Juni soll der neue Hauptstadtflughafen eröffnen und die Lufthansa kommt mit einer Kampfansage: Die Airline hat es sich zum Ziel gesetzt, innerhalb von zwei Jahren der Marktführer im hauptstädtischen Luftverkehr zu sein. Seit 20 Jahren ist Air Berlin die Nummer Eins.

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Wer den Start des neuen Hauptstadtflughafen Willy Brandt (BER) am 3. Juni nicht verschlafen will, der wird am Sonntag früh aufstehen müssen. Bereits um 5.30 Uhr und nicht erst 6 Uhr wie bisher avisiert sollen in Schönefeld die ersten Maschinen abheben.

Der Termin ist indes nicht ohne Brisanz: Dürften er doch all die brüskieren, die für ein Nachtflugverbot von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens kämpfen. Doch weder Politiker noch Juristen folgten bisher dem Wunsch vieler Anwohner nach einer längeren Nachtruhe. Allerdings schränkten sie die Nutzung der Tagesrandzeiten ein. So dürfen vom BER von 22 Uhr bis Mitternacht sowie von 5 bis 6 Uhr morgens im Durchschnitt nur 77 Flugbewegungen erfolgen, in Spitzenzeiten sind bis zu 113 Starts und Landungen erlaubt.

Nach Auffassung der Berliner Flughafengesellschaft steht daher einem früheren Betriebsbeginn nichts entgegen. „Wir können ab 5.30 Uhr fliegen“, sagte Sprecher Leif Erichsen, der die von Lufthansa genannte Abflugzeit allerdings noch nicht bestätigen wollte. Fest steht aber: Es werden zwei Maschinen zeitgleich in den Himmel steigen. je eine von Air Berlin und der Deutsche Lufthansa. Die beiden größten deutschen Luftfahrtgesellschaften sind bereits jetzt die Hauptnutzer der bestehenden Berliner Flughäfen und sie werden es auch künftig am Willy-Brandt-Airport in Schönefeld sein.

Kampfansage an Air Berlin

Während sich Air Berlin noch immer in Schweigen hüllt, welche Maschine für die Airline zur BER Premiere an den Start gehen wird, hat die Lufthansa ihren Auftakt bereits festgelegt. Sie wird ihr Flaggschiff, den Airbus A380, als erstes von der neuen, vier Kilometer langen Südbahn in Schönefeld abheben lassen. Geplant ist ein regulärer Linienflug nach Frankfurt am Main, an Bord werden mehr als 550 Passagiere sein – neben geladenen Gästen auch ganz normal gebuchte Passagiere, wie ein Lufthansa-Sprecher versicherte.

Der Riesen-Airbus soll bereits Mitte Mai in die deutsche Hauptstadt kommen, damit er vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Lufthansa-Chef Christoph Franz auf den Namen „Berlin“ getauft werden kann. Das erfolgt dann aber noch am innerstädtischen Airport in Tegel. „Das wird sozusagen unser Abschiedsgeschenk an Tegel sein“, sagte Lufthansa-Bereichsleiter Oliver Wagner.

Der bei der Kranich-Airline für alle deutschen Flughäfen neben den großen Drehkreuzen in Frankfurt am Main und München zuständige Manager will jedoch nicht nur zur Eröffnung des neuen Berliner Großflughafens für einen großen Auftritt der Lufthansa sorgen. Sein erklärtes Ziel: „Wir wollen in Berlin binnen zwei bis drei Jahren Marktführer werden.“

Eine klare Kampfansage an Air Berlin, die seit 20 Jahren unangefochten die Nummer Eins im hauptstädtischen Luftverkehr ist. Auch dank der Zurückhaltung der Lufthansa, die sich in der Vergangenheit vor allem ihre beiden Drehkreuze sowie auf Flughäfen in wirtschaftlich stärkeren Regionen wie um Düsseldorf, Stuttgart oder Hamburg fokussierte. Doch mit dem neuen Großflughafen in Schönefeld wird Berlin jetzt auch für den Branchen-Primus interessant. Zum einen , so meinen Luftfahrt-Experten, will Lufthansa nicht einfach tatenlos zusehen, wenn Air Berlin die reisebegeisterten Hauptstädter in großer Zahl zu den Drehkreuzen der Konkurrenz nach London oder Abu Dhabi transportiert. Zum anderen will die Kranich-Airline vom überdurchschnittlichen Reise-Wachstum in die Hauptstadtregion mit profitieren. Berlin, das wissen auch die Lufthansa-Manager, ist inzwischen nach London und Paris die Nummer Drei im europäischen Städte-Tourismus.

Künftig 49 Nonstop-Ziele

Um daran zu partizipieren, wird die Lufthansa ab 3. Juni von Berlin deutlich mehr Ziele aus direkt anfliegen. Statt der aktuell neun wird es vom BER dann 38 Nonstop-Verbindungen geben. Hinzu kommen weitere elf Ziele, die von Allianz-Partner der Lufthansa angeflogen werden, darunter auch eine Interkontinentalverbindung (nach New York mit United). Insgesamt will die Lufthansa ihr Flugangebot von und nach Berlin verfünffachen.

Dazu baut die Airline ihre Kapazitäten kräftig aus. Statt neun werden künftig 15 Lufthansa-Maschinen ständig in Berlin stationiert sein. Zugleich wird die Zahl der Arbeitsplätze um 500 auf 4000 aufgestockt. Mehr als 60 Millionen Euro investiere Lufthansa in den Standort Berlin, so der Konzern-Beauftragte Thomas Kropp.

Damit die vielen neuen Verbindungen auch angenommen werden, greift die Airline die bislang in Berlin starken Billigflieger mit Einstiegspreisen von 49 Euro an. Der Verkauf laufe gut, eine Strecken seien bereits bis zu 50 Prozent ausgebucht, so Wagner. Um im Preiskampf am Ende nicht draufzuzahlen, will Lufthansa in Berlin ein Produktivitätsniveau wie Low-Cost-Carrier haben. Erreicht werden soll dies vor allem durch eine Flotte, die nur aus Maschinen der A320-Familie besteht. Das spart Kosten bei der Wartung. Eine zweite Neuerung ist stark umstritten. So werden 200 Flugbegleiter über eine Tochterfirma eingestellt, die schlechter gestellt sind als die Lufthansa-Stammbelegschaft. Die Stewardessen erhalten zwar das gleiche Einstiegsgehalt, müssen dafür aber länger arbeiten und auf Altersversorgung verzichten. Insgesamt hofft Lufthansa in Berlin auf Kostenvorteile gegenüber anderen Standorten von 20 bis 25 Prozent.

Bei Air Berlin wollte man die Kampfansage der Lufthansa nicht kommentieren. Stattdessen bereitet die Airline ihr eigenes Programm zur BER-Eröffnung vor. Dazu gehört ein Abschiedsflug von Tegel. So soll am 2. Juni, 22.50 Uhr, als letztes Passagierflugzeug in der Geschichte des Flughafens eine Boeing 737 zu einem Rundflug über Berlin starten und nach 50 Minuten in Schönefeld landen. Tickets kosten zwischen 111 und 166 Euro (Fensterplätze), erhältlich im Internet ( www.airevents.com ).

Mehr Informationen zum Flughafen Berlin Brandenburg gibt es in unserem Schwerpunkt zum Flughafen BER .