Berlin und Brandenburg

Mehr als 600 Mängel bremsen Züge aus

Die Bahn hat aus Mitteln des Konjunkturpakets des Bundes viel in Netz und Bahnhöfe investiert. Laut Berliner Verkehrsverbund gibt es trotzdem immer noch 644 Stellen, an denen Züge runterdrosseln müssen.

Foto: Buddy Bartelsen

Erstmals nach zwei Jahren Stagnation hat sich der Zustand der Schienenstrecken in der Hauptstadtregion verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg in seiner „Qualitätsanalyse Netzzustand 2011“. Danach hat sich der Anteil der Bahnstrecken mit Geschwindigkeitsbegrenzungen gegenüber dem Jahr zuvor um zwei Prozentpunkte verringert. Konnten 2010 noch 13,5 Prozent des Schienennetzes in der Region nicht mit der eigentlich für die Strecke vorgesehenen Höchstgeschwindigkeit befahren werden, so habe sich dieser Anteil im Vorjahr auf 11,5 Prozent reduziert.

Konkret hat es laut VBB 644 Stellen im Netz gegeben, an denen Züge – zum Beispiel wegen maroder Brücken oder Bahnübergänge ohne Schranken – ihre Geschwindigkeit drosseln mussten. Würden alle durch solche „Langsamfahrstellen“ verursachten Verlängerungen der Fahrzeiten addiert, so ergebe sich daraus eine Verspätung von drei Stunden und 20 Minuten pro Tag. Ein hoher Zeitverlust für Fahrgäste, der sich aber gegenüber 2010 um gut eine halbe Stunde reduziert hat.

„Die positive Entwicklung zeigt, wie wichtig ausreichende Investitionen in die Infrastruktur sind. Die Fahrgäste profitieren durch kürzere Fahrzeiten unmittelbar davon, wenn die Züge ihr eigentliches Tempo fahren können und nicht an den Mängelstellen abbremsen müssen“, sagte dazu VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz. Die Verbesserungen führte Franz vor allem auf die zusätzlichen Investitionen zurück, die in den vergangenen zwei Jahren aus den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung finanziert wurden.

Als Positiv-Beispiel nannte der VBB die 2010/11 erfolgte Sanierung der Strecke Königs Wusterhausen–Lübbenau, wodurch sich die Fahrzeit zwischen Berlin und Cottbus seit Dezember 2011 um 18 Minuten verringert habe. Kritisiert wurde dagegen erneut der Zustand der Bahnstrecke Berlin–Dresden, die im Abschnitt zwischen Blankenfelde und Elsterwerda zu einem Drittel nicht mit Tempo 160 befahren werden könne. Als problematisch bezeichnete der VBB auch die Verbindung zwischen Angermünde und Stettin, wo im Vorjahr eine weitere schwerwiegende Mängelstelle hinzugekommen sei.

Erfolgreiche Sanierungen

Die Bahn wies die VBB-Kritik an noch immer zu vielen Mängeln im Netz zurück. „Wir haben in der Vergangenheit kräftig investiert und werden das auch in den kommenden Jahren tun“, sagte ein Unternehmenssprecher. So seien allein für dieses Jahr Ausgaben in Höhe 453 Millionen Euro für das insgesamt knapp 3100 Kilometer lange Schienennetz in Berlin und Brandenburg geplant. Im Fokus der Arbeiten stünden die Sanierung der Bahnstrecke zwischen Charlottenburg und Wannsee sowie des S-Bahn-Rings zwischen Schönhauser Allee und Baumschulenweg/Neukölln.

Die Bahn verwies zugleich auf die erheblichen Bau-Investitionen, die im Rahmen der Konjunkturprogramme der Bundesregierung erfolgt seien. Danach seien allein in Berlin rund 32 Millionen Euro für die Modernisierung von insgesamt 68 Bahnhöfen ausgegeben worden. Unter anderem konnten damit die Empfangsgebäude in Frohnau und Charlottenburg energetisch saniert werden. Der Ostbahnhof sowie die Bahnhöfe Lichtenberg und Friedrichstraße erhielten neue Fahrgastinformationsanlagen.

Angesichts solcher positiven Ergebnisse forderte Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD), dass das Konjunkturpaket des Bundes keine einmalige Sache bleiben dürfe. „Die Bundesregierung und die Bahn als Infrastrukturbetreiber müssen auch künftig deutlich mehr in das seit Jahren vernachlässigte Schienennetz investieren“, sagte er.