Berliner Nahverkehr

Stellwerke und kranke Fahrer bremsen S-Bahn aus

Den ersten Schnee hat die Berliner S-Bahn überstanden, ihr Angebot musste sie zum Wochenbeginn wegen des Fahrermangels trotzdem wieder einschränken und kann derzeit selbst den reduzierten Fahrplan nicht erfüllen.

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Die neue Woche hat am Montag für viele Nutzer der Berliner S-Bahn so begonnen wie die alte für sie endete: . So fuhren am Vormittag auf der Linie S2 (Bernau–Blankenfelde) von 9.30 bis 11.10 Uhr keine Züge mehr zwischen den Stationen Priesterweg und Lichtenrade. Grund der fast zweistündigen Störung war nach Auskunft eines Bahn-Sprechers der neuerliche Ausfall eines Stellwerks. Die S-Bahn richtete zwar für die S2 einen Ersatzverkehr mit Bussen ein und verwies zudem auf Umfahrungsmöglichkeiten mit dem Regionalexpress RE3 und der BVG-Buslinie M76, doch viele Fahrgäste benötigten am Ende deutlich mehr Zeit für ihre Reise.

Doch damit nicht genug: Erneut verkehrte die Linie S47 nur zwischen Spindlersfeld und Schöneweide. Laut Fahrplan müssten die Züge aber eigentlich bis Hermannstraße fahren. Nun hieß es für die Fahrgäste: In Schöneweide einmal zusätzlich Umsteigen in Züge der Linien S45 oder S46. Betroffen von Einschränkungen war auch wieder die Linie S5 (Strausberg Nord–Spandau). Dort fielen die wichtigen Verstärkerzüge zwischen Mahlsdorf und Ostbahnhof aus. Wie zuvor angekündigt, ist auch der Takt an der Linie S25 (Hennigsdorf–Teltow Stadt) ausgedünnt. Weil zwei bis zu 77 Jahre alte Stellwerke in Alt-Reinickendorf durch ein neues ersetzt werden müssen, fahren bis Ende der Woche Züge zwischen Tegel und Schönholz nur noch alle 40 Minuten.

Insgesamt konnte die S-Bahn nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) am Montag im morgendlichen Berufsverkehr nur 471 Zwei-Wagen-Einheiten einsetzen. Benötigt werden für den ohnehin reduzierten Fahrplan eigentlich 499 der sogenannten Viertelzüge, die zu längeren Einheiten von vier bis acht zusammengekoppelt werden. In der Vorwoche schwankte die tatsächliche Fahrzeugverfügbarkeit zwischen 479 Doppelwagen am Montag und nur 450 am Donnerstag. Vom vollen Fahrplanangebot, wie es zuletzt vor fast drei Jahren gefahren wurde, ist die Berliner S-Bahn damit noch immer weit entfernt. Dafür müssten täglich 562 Doppelwagen fahren.

Krisenstab gebildet

Ursache für die Zugausfälle ist vor allem die anhaltende Personalnot. Wie berichtet, fehlen dem Unternehmen derzeit mindestens , ohne die bei der S-Bahn kein Zug fahren kann. Dieser Mangel wird durch kurzfristige Krankmeldungen täglich verschärft. Die S-Bahn hat vor Kurzem sogar einen speziellen Krisenstab gebildet, um die Folgen der Personalengpässe einigermaßen zu begrenzen. Die in Schöneweide eingerichtete sogenannte Transportleitung ist damit beschäftigt, den eigentlich zwei Wochen im Voraus festgelegten Personaleinsatz kurzfristig an die jeweilige Tagessituation anzupassen. Aus diesem Grund verzichtet die S-Bahn derzeit auch noch darauf, den Zugverkehr auf weniger nachgefragten Linien wie der S47 dauerhaft zu reduzieren. „Sobald sich ein Triebfahrzeugführer wieder gesund meldet, soll er auch sofort wieder zum Einsatz kommen“, sagte ein Bahnsprecher.

Trotz dieser Bemühungen sprach der Verkehrsverbund von einer „besorgniserregenden Situation“ bei der S-Bahn. „In erste Linie haben die Fahrgäste zu leiden, die jetzt bei eisigen Temperaturen möglicherweise länger als geplant auf den Zug warten müssen“, sagte VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Zudem lasse der schon jetzt verringerte Fahrzeugeinsatz schlimme Folgen für die Zeit befürchten, wenn in Folgen des jetzt einsetzenden winterlichen Wetters sich wieder die Defekte an den Zügen häufen.

Den für einen solchen Fall bereits vorbereitenden „Winter-Notfahrplan“, mit einer auf vielen Strecken eingeschränkten Höchstgeschwindigkeit der Züge von 60 Kilometern pro Stunde, will die S-Bahn gegenwärtig noch nicht aus der Schublade ziehen. „So lange es nur sehr kalt ist und es nicht gleichzeitig stark schneit, bereitet uns das Wetter eigentlich keine besonderen Sorgen“, sagte der Bahnsprecher.