Steuern 2011

Die Antworten der Steuerexperten auf Ihre Fragen

Gibt es einen Steuer-Rabatt für Arztkosten, Tagesmutter oder Fernstudium? Experten haben die Fragen der Morgenpost-Leser in einer großen Telefonaktion beantwortet. Die besten Tipps.

Foto: Reto Klar

Für die Steuer-Experten ist sie bereits Kult, für Berliner Bürger ist sie zumindest fester Bestandteil ihrer Vorbereitung für die Steuererklärung: die große Telefonaktion der Berliner Morgenpost, die in jedem Jahr die mehrteilige Steuer-Serie abrundet und letzte Unklarheiten für die Abrechnung mit dem Fiskus beseitigt. Wer seine Chance auf ein persönliches Gespräch mit den Steuer-Experten verpasst hat oder wegen des großen Andrangs nicht durchgekommen ist, kann hier die wichtigsten Fragen und Antworten für die Steuererklärung 2011 lesen:

Jetzt Steuererklärung machen?

Ich habe gelesen, dass das Finanzamt jetzt härter durchgreift, wenn Steuerpflichtige ihre Steuererklärung nicht abgeben. Ich mache meine Steuererklärung schon seit 2008 nicht mehr. Was droht mir denn, wenn ich weiter ruhig bleibe?

Wer keine Steuererklärung macht, obwohl er muss, dem kann das Finanzamt Zwangsgelder androhen und festsetzen, um die Abgabe zu erzwingen. Dazu kommen teils deftige Verspätungszuschläge und es fallen Nachzahlungszinsen an. Die Nichtabgabe einer Steuererklärung kann als Steuerhinterziehung gewertet werden. Nach einer neuen Anweisung sollen die Finanzämter bei verspäteter Abgabe von Steueranmeldungen – zum Beispiel zur Umsatz- und Lohnsteuer – automatisch Mitteilungen an die Bußgeld- und Strafsachenstelle machen.

Ob eine Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung vorliegt, ergibt sich zunächst aus dem Gesetz und kann nicht im Wege einer Selbsteinschätzung („lohnt sich nicht“) entschieden werden. Je nach Art der erzielten Einkünfte greifen hier unterschiedliche Vorschriften. In Arbeitnehmerfällen gilt zwar die Einkommensteuer mit dem Lohnsteuerabzug als abgegolten, jedoch gibt es diverse Konstellationen, die eine Überprüfung dieses Steuerabzugs notwendig machen. So ist bei Bezug von Lohnersatzleistungen, Nebeneinkünften, bestimmten Steuerklassen-Kombinationen und vieles mehr eine Steuererklärung abzugeben.

Mein Steuerbescheid ist unter einem „Vorbehalt der Nachprüfung“ ergangen. Was bedeutet das?

Die Steuerfestsetzung kann jederzeit noch geändert werden, und zwar sowohl zu Ihren Gunsten als auch zu Ihren Ungunsten. Bei Gewerbetreibenden und Selbstständigen kann der Vorbehalt ein Indiz dafür sein, dass eine Betriebsprüfung vorgesehen ist. Der Vorbehalt muss ausdrücklich durch einen nachfolgenden Bescheid aufgehoben werden. Er fällt spätestens mit Eintritt der Festsetzungsverjährung – in der Regel nach vier Jahren – weg.

Kinder und Ausbildung

Unser zweijähriger Sohn wird an drei Tagen in der Woche von einer Tagesmutter betreut. Ich bin berufstätig, meine Frau ist zu Hause und betreut unsere 6-monatige Tochter. Können wir die Aufwendungen für die Tagesmutter auch steuerlich absetzen?

Ja. Diese Kosten können als haushaltsnahe Dienstleistungen berücksichtigt werden. Wenn Sie die Tagesmutter bei der Zentrale für Minijobs anmelden und zusätzlich zum Lohn 30 Prozent für pauschale Abgaben zahlen, können 10 Prozent der Kosten, höchstens jedoch 510 Euro bei der Steuer abgesetzt werden.

Unsere Tochter ist 26 Jahre alt und studiert. Wir kommen für alle Aufwendungen auf. Kindergeld bekommen wir nicht mehr. Sind unsere Kosten absetzbar?

Wenn Ihre Tochter geringe oder gar keine Einnahmen hat, können Sie die Kosten als Unterstützungsleistungen für eine bedürftige Person bis zu 8004 Euro im Jahr absetzen. Lebt Ihre Tochter noch in Ihrem Haushalt, kann der Höchstbetrag ohne Nachweis beantragt werden.

So kommen Rentner an ihr Geld

Ich bin Rentner und meine Renteneinkünfte sind so niedrig, dass keine Einkommensteuer entsteht. Kann ich die Handwerkerrechnungen am eigenen Haus dennoch beim Finanzamt geltend machen?

Nein. Die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Handwerkerleistungen setzt eine Steuerschuld voraus, die maximal auf 0 Euro gedrückt werden kann. Wer keine Steuer schuldet, bekommt also auch kein Geld vom Staat.

Ich bin 2010 in Rente gegangen. Ist es richtig, dass nur 60 Prozent meiner Bruttorente versteuert wird?

Das ist grundsätzlich richtig. Diese 60 Prozent richten sich nach dem Jahr des Beginns Ihrer Rente. Im Gegenzug wird im ersten Jahr, in dem Sie durchgehend Rente beziehen, ein entsprechend steuerfreier Betrag ermittelt, der bei Ihnen dann 40 Prozent ausmacht. Der steuerfreie Betrag der Rente wird festgeschrieben und bleibt Ihnen ein Leben lang erhalten. Jede Rentenanpassung dagegen ist in voller Höhe zu versteuern.

Meine Frau und ich sind Rentner. Eine Steuererklärung müssen wir jedoch abgeben, weil ich eine Pension erhalte. Jetzt überlege ich, ob ich die Anlage „KAP“ für die Zinsen auch ausfüllen muss.

Normalerweise braucht die Anlage KAP seit 2009 nicht mehr ausgefüllt werden, wenn die Bank bereits Abgeltungsteuer einbehalten hat. In Ihrem Fall sollten Sie dies dennoch tun. Ab dem 65. Lebensjahr wird ein zusätzlicher Steuervorteil, der Altersentlastungsbetrag gewährt. Diese erhalten Sie jedoch auf die Zinseinkünfte nur, wenn diese mit dem normalen Einkommen besteuert werden. Ein Nachteil kann keinesfalls entstehen, weil das Finanzamt eine Günstigerprüfung vornehmen muss.

Weshalb fragt das Finanzamt in der Anlage „R“ separat nach Rentenanpassungsbeträgen? Ich bekomme meine Rente, die im vergangenen Jahr etwas gestiegen ist, doch in einer Summe überwiesen.

Bei diesem Punkt in der Steuererklärung fragt das Finanzamt Rentenerhöhungen ab, die Sie seit dem Beginn ihrer Rente erhalten haben. Hintergrund ist, dass nur die „Grund“-Rente statisch besteuert wird. Wer 2010 in Rente gegangen ist, muss sein Ruhestandsgehalt mit 60 Prozent versteuern, wer im vergangenen Jahr in Rente gegangen ist mit 62 Prozent. Rentenerhöhungen, als „Rentenanpassungen“ werden jedoch in vollem Umfang besteuert.

Mein Mann ist 2010 verstorben und ich habe in 2011 Alters- und Witwenrente in Höhe von brutto 2500 Euro monatlich bekommen. Weitere Einkünfte habe ich nicht. Muss ich dann bereits Steuern zahlen?

Im Jahr 2010 ist noch eine Zusammenveranlagung möglich, so dass hier keine Steuern anfallen. Für das Jahr 2011 gewährt der Gesetzgeber das sogenannte „Gnadensplitting“, was bedeutet, dass Ihnen der doppelte Grundfreibetrag zusteht. Dadurch fällt auch im Jahr 2011 keine Steuer an. Für die folgenden Jahre müsste man es genau durchrechnen, da höchstwahrscheinlich eine Steuer entstehen würde.

Arbeiten und Studieren nebenher

Hauptberuflich arbeite ich als Angestellte Sachbearbeiterin. Ich möchte jetzt nebenberuflich Vorträge und Schulungen halten. Bin ich vom ersten Euro an steuerpflichtig?

Grundsätzlich ja. Nebeneinkünfte von Arbeitnehmern werden jedoch wegen eines Härteausgleichs nicht versteuert, wenn diese weniger als 410 Euro pro Jahr betragen. Liegen die Nebeneinkünfte zwischen 820 und 410 Euro erfolgt nur eine teilweise Berücksichtigung.

Ich mache neben meiner Arbeit ein Fernstudium. Wie kann ich die Kosten geltend machen?

Da Sie bereits arbeiten, gehe ich davon aus, dass Sie bereits einen Berufsabschluss haben. In diesem Fall sind die Aufwendungen für weitere Ausbildungen und selbst für ein Erststudium vorweggenommene Werbungskosten. Da Sie ohnehin die Anlage N ausfüllen, tragen Sie die Studienkosten neben den Aufwendungen für Ihre Haupttätigkeit ab der zweiten Seite als Werbungskosten ein. Sie wirken sich dann steuermindernd aus, wenn sie insgesamt – die Aufwendungen für Ihren Beruf und die Studienkosten zusammengerechnet – mehr als 1000 Euro betragen. So viel erhält jeder Arbeitnehmer auch ohne Kostennachweis pauschal.

Ich bin 75 Jahre alt und möchte es jetzt wagen den Bund der Ehe einzugehen. Kann das auch für mich noch steuerlich von Vorteil sein?

Steuerliche Vorteile, die sich aus dem für Eheleute geltenden Splittingtarif ergeben können, sind grundsätzlich altersunabhängig, sondern eher von Einkommensunterschieden unter den Ehegatten geprägt. Aber auch persönliche Begünstigungen (etwa Altersentlastungsbetrag, die Höhe außergewöhnlicher Belastungen) eines Ehegatten können bei einer gemeinsamen Veranlagung vorteilhaft wirken. Dennoch gibt's es auch einzelne Fälle, bei denen eine getrennte Veranlagung günstiger ausfällt.

Ich habe ein kleines Unternehmen und möchte mir jetzt ein Auto anschaffen. Nach welchen Kriterien soll ich entscheiden, ob ich es als betriebliches oder privates Auto kaufe?

Ein Fahrzeug ist immer dem Betrieb zuzurechnen, wenn es zu mindestens 50 Prozent betrieblich genutzt wird. Ein Zuordnungswahlrecht besteht nur bei einer betrieblichen Nutzung zwischen zehn und 50 Prozent bei bilanzierenden Unternehmen. Welches hier der günstigste Weg ist, sollte mit dem Steuerberater abgestimmt werden. Die Beantwortung der Frage hängt vom Anschaffungspreis, dem privatem Nutzungsumfang und etwaiger Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb ab. Gehört ein PKW zum Betrieb, ist ein späterer Verkaufserlös steuerpflichtig.

Gesundheit und Steuern

Ich bin privat krankenversichert. Für 2010 hatte ich hohe Arztkosten, von denen mir die Krankenkasse erst 2011 etwas erstattet hat. Kann ich die Arztkosten in der Steuererklärung 2010 in voller Höhe absetzen?

Die von Ihnen bezahlten Arztkosten sind um geleistete oder zu erwartende Kostenerstattungen zu mindern. Die Aufwendungen müssen der Krankenbehandlung oder Früherkennung dienen. Individuelle Gesundheitsleistungen, auch Igel-Leistungen genannt, zählen nicht immer zu den außergewöhnlichen Belastungen. So können Laboruntersuchungen oder innovative Behandlungsmethoden auch steuerliche Anerkennung finden. Aber was weder der Krankenbehandlung noch der Früherkennung zuzuordnen ist (etwa Sportuntersuchungen oder Entfernung von Tätowierungen), rechnet nicht zu den außergewöhnlichen Belastungen.

Wir haben für unsere Kur eine Zuzahlung in Höhe von 10 Euro pro Tag zahlen müssen. Können wir diese Kosten steuerlich absetzen?

Ja, das können Sie. Diese Aufwendungen sind außergewöhnliche Belastungen, wenn eine gesetzliche Kasse mindestens einen Kostenzuschuss leistet. Die Fahrten von und zum Kurort sind auch absetzbar. Zu beachten ist jedoch, dass diese außergewöhnlichen Belastungen um eine zumutbare Eigenbelastung gekürzt werden.

Rund um Haus und Wohnung

Ich habe eine Eigentumswohnung erworben und werde diese vermieten. Wie mache ich den Kaufpreis steuerlich geltend?

Der Kaufpreis wird im Wege von Abschreibungen berücksichtigt. Diese belaufen sich auf 2 Prozent pro Jahr; für Objekte mit Baujahr 1924 und älter auf 2,5 Prozent jährlich. Wichtig: Abgeschrieben werden kann nur der Gebäudeanteil. Vom Kaufpreis ist daher zunächst der Anteil abzuziehen, der auf Grund und Boden entfällt. Anschaffungsnebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Malercourtage und Notarkosten erhöhen die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung entsprechend.

Ich habe im November 2011 von einem Handwerker mein Bad renovieren lassen. Die Rechnung habe ich aber erst jetzt Januar 2012 erhalten und danach bezahlt. In welche Steuererklärung kann ich die Kosten eintragen?

In diesem Fall können Sie die Kosten erst mit der Steuererklärung 2012 geltend machen. Sie müssen also noch ein Jahr warten, weil der Zahlungszeitpunkt entscheidend ist. Damit lässt sich übrigens ganz legal bei hohen Kosten auch gestalten. Wer Kosten über dem Höchstbetrag von 6000 Euro hat und einen Teilbetrag im Dezember und den Rest im Januar bezahlt, kann für zwei Jahre zweimal den Höchstbetrag ausschöpfen.

Ich vermiete eine Einliegerwohnung an meine Eltern. Bisher hatte ich immer Verluste, die sich steuermindernd auswirkten. Im letzten Jahr hat das Finanzamt jedoch nicht mehr alle Kosten anerkannt und ich musste einen Gewinn versteuern. Ist das rechtens?

Bei verbilligter Vermietung, die unter Angehörigen häufiger genutzt wird, kann das auftreten. Beträgt die Miete weniger als 56 Prozent des Ortsüblichen, kürzt das Finanzamt die Werbungskosten für die vermietete Wohnung. Liegt die Miete zwischen 56 und 75 Prozent, mussten Vermieter bisher eine Überschussprognose über einen Zeitraum von 30 Jahren beim Finanzamt einreichen. Verlief diese negativ, wurden die Werbungskosten ebenfalls gekürzt. Dieser Effekt wird wahrscheinlich bei Ihnen eingetreten sein. Ab dem Jahr 2012 gilt eine neue gesetzliche Grenze von 66 Prozent. Wenn Ihre Miete diesen Anteil gegenüber der ortsüblichen Miete erreicht, dürfen die Kosten nicht mehr gekürzt werden.

Ich hatte im vergangenen Jahr einige Kursverluste mit Aktien, die ich aber nicht realisiert habe. Meine Bundesschatzbriefe haben wie immer Zinsen abgeworfen. Kann ich das Minus der einen Anlage mit dem Plus der anderen Anlage verrechnen?

Verluste aus Wertpapieren die nach 2008 gekauft wurden, können mit Gewinnen aus Zinsen und Dividenden verrechnet werden – jedoch nur, sofern sie sich auch realisiert haben.