Steuern 2011

So sparen Sie mit dem Nachwuchs Steuern

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Kathrin Gotthold

Foto: picture alliance / dpa

Teil 4 unserer Steuer-Serie: Der Fiskus unterstützt Familien. Mit der Anlage "Kind" bekommen Eltern Geld zurück. Zumal Kindergeld und Freibeträge angehoben wurden.

Mehr Geld fürs Kind: Der Staat unterstützt Familien mit Kindern. Seit 2010 erhalten Mütter und Väter monatlich mehr Kindergeld und auch die Freibeträge sind entsprechend geklettert. Das macht sich auch in der Steuererklärung für 2011 bemerkbar.

Wer zwei Kinder hat, erhält jeden Monat 184 Euro Kindergeld pro Spross. Für das dritte gibt's schon 190 Euro und ab dem vierten jeweils 215 Euro. Im Jahr entfallen so auf ein Einzelkind 2208 Euro. Auf das dritte 2280 Euro und für das vierte 2580 Euro. Kindergeld erhalten Eltern – die unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind – für jedes Kind, das sein 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Dabei ist es egal, ob und wie viel Geld ein Kind verdient. Ist der Nachwuchs allerdings 19 Jahre oder älter, muss er weitere Voraussetzungen erfüllen, damit die Eltern weiter Kindergeld bekommen. Ist der Spross arbeitslos, kann es das Geld bis zum 21. Geburtstag geben. Steckt er in der Ausbildung, gar bis zum 25. In Ausnahmefällen auch länger. Doch bei alledem gilt: Sobald das Kind mehr als 8004 Euro verdient, ist das Kindergeld passé. Dann erhalten die Eltern keinen Cent mehr. Dieser Punkt war immer umstritten – sowohl die Berechnung der Einkünfte als auch die Fallbeilwirkung. Denn es galt: Sobald das Kind auch nur einen Cent mehr verdiente, war der gesamte Anspruch auf das Kindergeld verloren. Mit dem Steuervereinfachungsgesetz 2011 – und damit für die Steuererklärung für 2012, die Steuerzahler frühestens 2013 machen – hat der Steuergesetzgeber diese komplizierte Regelung abgeschafft. Dann ist der Verdienst eines Kindes unschädlich für die Gewährung von Kindergeld.

Kindergeld und Freibeträge

Das Kindergeld erhalten Eltern monatlich – mit der Steuererklärung berechnen die Finanzbeamten dann, ob die Familie finanziell besser da stünde, wenn die Eltern über die Freibeträge für Nachwuchs berechnet werden. Diese Günstigerprüfung führen die Beamten von Amts wegen durch – das bedeutet, einen Antrag müssen Steuerzahler hier nicht stellen. Eltern sollen hier nicht doppelt abrechnen können: Es gibt entweder Kindergeld oder die Freibeträge. Nicht beides.

Die Freibeträge unterteilen sich in den Kinderfreibetrag und den „Freibetrag für Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf“ (kürzer: BEA-Freibetrag). Der Freibetrag von 4386 Euro pro Paar und Jahr soll das Existenzminimum des Kindes sichern – bis zu diesem Betrag soll der Staat daher das Einkommen von Eltern verschonen. Mit dem BEA-Freibetrag in Höhe von 2640 Euro jährlich sorgt sich der Steuerstaat um Betreuung, Erziehung und Ausbildung der Kleinen. Insgesamt beträgt der Freibetrag (pro Paar) daher 7008 Euro. Über den Daumen gepeilt gilt, dass Eheleute, die ein zu versteuerndes Einkommen ab 60000 Euro haben, besser dastehen, wenn der Fiskus ihre gezahlte Steuer über Freibeträge abrechnet. Alleinstehende erreichen diese Wirkung bereits ab einer Grenze von rund 30.000 Euro Einkommen im Jahr.

Vor allem wer oberhalb dieser Verdienstgrenze liegt, sollte daher dringend eine Steuererklärung machen. Und es reicht nicht, dass Eltern im Mantelbogen in Zeile 39 die Anzahl ihrer Sprösslinge eintragen. Sie müssen zudem unbedingt die Anlage „Kind“ ausfüllen. Und zwar alle drei Seiten des Formulars für jedes Kind einzeln. Gleich zu Beginn des Formulars (Anlage „Kind“, Zeile 6) fragt das Finanzamt nach dem Kindergeldanspruch. Hier muss der genaue Betrag eingetragen werden, den die Eltern für dieses Kind an Kindergeld erhalten haben. Unkompliziert ist es bei einem älteren Einzelkind – für das hat man im Zweifel jeden Monat 184 Euro erhalten. Also: zwölf mal 184 Euro macht 2208 Euro, die in das rechte Kästchen einzutragen sind. Wurde beispielsweise ein drittes Kind im Mai geboren, muss man etwas genauer rechnen: acht mal 190 Euro macht 1520 Euro.

Im Folgenden (Zeilen 7, 8) geht es darum, ob das Kind im Inland oder im Ausland wohnt. Hier gilt, dass es mindestens fünf Monate zuhause gewohnt haben muss, um den Anspruch auf Kindergeld nicht zu gefährden. Um die Gefährdung des Anspruchs dreht es sich auch im kommenden Formularabschnitt: Die Zeilen 13 bis 26 fragen im Großen und Ganzen ab, ob die Voraussetzungen des volljährigen Kindes für Kindergeld gewahrt sind.

Schulgeld absetzen

Der Staat beteiligt sich auch an der (Privat-)Schulausbildung der Kleinen (Zeilen 51 bis 53). Und zwar mit bis zu 5000 Euro. Da Eltern höchstens 30 Prozent des Schulgeldes anrechnen dürfen, muss der Unterricht mindestens 16666,67 Euro kosten, damit Eltern auf den Höchstsatz kommen. In Zeile 51 gehört neben dem Namen der Schule aber nicht der anteilige Betrag, den der Fiskus anrechnen soll, sondern die Gesamtsumme. Die Finanzbeamten rechnen ihren Anteil selbst aus.

Nicht in die Rubrik gehören Kosten für Schulbücher oder Uniformen. Und: Wer sein Kind auf ein Internat schickt, muss die Kosten für Unterbringung und Essen abziehen – das gilt dem Steuergesetzgeber als Privatvergnügen. Haben sich Eltern für eine getrennte Veranlagung entschieden, müssen sie den jeweiligen Betrag und Prozentsatz in Zeilen 52 und 53 eintragen. Die Finanzbeamten verlangen hier einen „beigefügten gemeinsamen Antrag“ – natürlich von beiden unterzeichnet.