Steuern 2011

Sozialbeiträge der Kinder drücken Steuerlast der Eltern

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Kathrin Gotthold

Foto: dpa / dpa/DPA

So lassen sich Kranken- und Pflegeversicherungsausgaben für den Nachwuchs bei der eigenen Steuererklärung anrechnen.

Nicht nur Kindergeld und Freibeträge senken die Steuerlast der Eltern. Auch Ausgaben, die im Zusammenhang mit den Kindern entstehen, können Mutter oder Vater bei der Steuer anrechnen. Bei der Kranken- und Pflegeversicherung des Sprosses gilt seit 2010 eine besondere Regelung: Eltern haben hier die Möglichkeit, Beiträge der Kinder zur Sozialversicherung bei sich abzusetzen – sogar, wenn sie keinen Anspruch mehr auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge haben.

Auch ohne dass ihnen diese staatliche Förderung zusteht, können es schließlich die Eltern sein, die die Beiträge wirtschaftlich tragen und nicht die Kinder. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Eltern oder das Kind bezahlen.

Die Regelung ist eine Ausnahme: „Normalerweise kann nur der Steuerzahler Beiträge als Sonderausgaben geltend machen, der selbst Versicherungsnehmer ist und die Beiträge auch unmittelbar zahlt“, erklärt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine. Haben Großeltern beispielsweise für ihren Enkel eine Autoversicherung abgeschlossen, weil sie einen höheren Schadensfreiheitsrabatt bekommen, können nur die Großeltern die Beiträge absetzen. Eltern bringt diese Regelung den Vorteil, dass sie die Beiträge ihrer Kinder absetzen können – und den Kindern schadet der Verlust zumeist nicht: „Azubis nützt der Abzug oft ohnehin nichts, weil sie meist keine Steuern zahlen“, so Rauhöft.

Um diesen Steuervorteil zu erhalten, heißt es für Eltern: Steuererklärung machen. Denn die Sozialversicherungsbeiträge der Kinder werden weder in der Vorsorgepauschale beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt, noch können sie als Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen werden. Diese Regelung gilt nicht nur für eigene Kinder: Ein Steuerpflichtiger kann den Sonderausgabenabzug auch für Beiträge geltend machen, die er im Rahmen der Unterhaltsverpflichtung für ein Kind übernommen hat.

Es kommt auch hier nicht darauf an, ob der Steuerzahler die Versicherungsbeiträge tatsächlich selbst bezahlt hat. Es reicht aus, wenn er seine Unterhaltsverpflichtung nachgekommen ist. Eintragen müssen Eltern diese Posten in die Zeilen 31 bis 37 der Anlage „Kind“, wenn sie einen Anspruch auf Kindergeld haben.

Der Abschnitt ist analog zur Anlage „Vorsorgeaufwand“ aufgebaut, in den die Eltern sowohl ihre eigenen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge aufnehmen müssen als auch die der Kinder für die sie keinen Anspruch auf Kindergeld haben – dort sind es die Zeilen 31 bis 36. Nur in Zeile 37 unterscheiden sich die beiden Anlagen. Hier trägt die Anlage „Kind“ der Möglichkeit Rechnung, dass es auch Ehegatten gibt, die getrennt veranlagt sind. Wer sich dafür entschieden hat, kann die Sozialbeiträge des Kindes frei unter sich aufteilen. Rechts in Zeile 37 muss das jeweilige Elternteil eintragen, wie viel Prozent bei ihm berücksichtigt werden sollen. Um die Vereinbarung zwischen den Ehegatten zu dokumentieren, verlangen die Finanzbeamten außerdem einen von beiden Eltern unterzeichneten Antrag.

Zu beachten ist, dass die Beiträge des Kindes nicht nur zwischen den Eltern aufgeteilt werden können, sondern auch zwischen Eltern und Kind. Dann sollte auf einem separaten Blatt nachvollziehbar erklärt werden, weshalb der Spross nur in der Lage ist, beispielsweise die Hälfte der Beiträge zu stemmen. Insgesamt können die Kosten für die Sozialversicherung aber nur einmal steuerlich geltend gemacht werden – beantragen die Eltern den Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge des Kindes, scheidet ein Abzug der Beiträge beim Kind aus.

Die eigenen Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherung müssen Eltern – wie auch Nicht-Eltern – in Anlage „Vorsorgeaufwand“ eintragen. Folgenschwer ist hier die Angabe, ob man Anspruch auf „steuerfreie Zuschüsse oder steuerfreie Arbeitgeberbeiträge oder steuerfreie Beihilfen“ hat. Damit meint das Finanzamt, ob man Arbeitnehmer, Beamter, Rentner, Pensionär oder auch familienversicherter Ehepartner ist – all diese Personen müssen hier „Ja“ sagen. Nur wer beispielsweise nicht in der Familienversicherung oder Selbstständiger ist, verneint hier („2“) – und kann als Folge mehr sonstige, also nichtvorsorgebezogene Policen absetzen.