Strecke Berlin-Wannsee

Bahn muss mehrere Überführungen austauschen

Fast 100 Jahre haben die Eisenbahnüberführungen auf der Bahnstrecke inzwischen Berlin und Wannsee inzwischen auf dem Buckel. Acht von ihnen müssen nun ersetzt und 21,5 Kilometer Gleise ausgebessert oder erneuert werden.

Foto: Sven Lambert

Funken fliegen von der Brücke am Forstweg auf den Boden. Ein Bauarbeiter mit orangefarbener Weste malträtiert mit einem Schneidbrenner das Geländer. Das dauert. Drei Stahlstreben müssen durchtrennt werden, dazu die Füße, die das Geländer an der Brücke halten.

„Leichtern“, nennt Michael Böhnke das. Er überwacht für die Deutsche Bahn AG den Bau der neuen Fernbahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Grunewald und Wannsee. Leichtern ist das Entkernen von Brücken: „Alles, was nicht trägt, muss weg“, sagt Böhnke. Schotter, Schwellen und Schienen wurden bereits entfernt. In den kommenden Tagen wird die 14 Meter lange Brücke angehoben, dreigeteilt und abgebaut. 15 Tonnen Brücke landen auf dem Laster.

Acht Eisenbahnüberführungen werden auf dem vierten und letzten Bauabschnitt der Grunderneuerung zwischen Zoologischem Garten und Wannsee neu errichtet. 21,5 Kilometer Gleise der Fern- und S-Bahn werden ausgebessert oder erneuert. 50.500 Tonnen Schotter, 33.400 Schwellen und 41,7 Kilometer Schienen benötigt die Bahn nach eigenen Angaben dafür. Deshalb ist seit Dezember des vergangenen Jahres die Fernbahnstrecke zwischen Charlottenburg und Wannsee voll gesperrt. „Kurz und schmerzlos“ nennt Christian Reder, Böhnkes Kollege, diese Maßnahme. Am 8.Dezember sollen die Regionalbahnen wieder fahren, „und wir sind vor dem Plan“, sagt Reder.

Im Rücken des Bauarbeiters und der Funken vom Schneidbrenner rattert die S-Bahn über den bereits neu errichteten Teil der Brücke am Forstweg. Die S7 fährt immerhin noch: Sie bringt die Brandenburger von Potsdam nach Berlin – und die Berliner raus. „Wir bauen unter dem rollenden Rad“, sagt Böhnke. Das mache das Arbeiten so schwer.

Überführung aus einem Stück

Eine Brücke weiter südlich, am Fischerhüttenweg, fahren die Bahnen noch über eine Gleishilfsbrücke, wie Böhnke die Ersatzkonstruktion aus blanken Stahlträgern und Holzbohlen nennt. Am Forstweg ist schon zu sehen, wie die neuen Brücken ausschauen: Dort, wo eine Brücke abgerissen ist, wird eine Schalung, die wie ein auf den Kopf gestelltes U aussieht, errichtet. Dann wird Stahlbeton eingegossen – und die neue Überführung besteht quasi aus einem Stück.

Die alten Brücken haben endgültig ausgedient. „Die haben dann ja auch fast hundert Jahre auf dem Buckel“, sagt Reder. 1915 wurden die Überführungen errichtet. „Da ist kein Stahl im Beton, die Wände bröckeln, die Pfeiler sind total weich“, sagt Ingenieur Reder. Das gilt auch für die Ornamente, die noch an den Wänden der Überführungen zu sehen sind. Die können nicht gerettet werden. „Wie Pfefferkuchen sind die“, sagt Böhnke. Der Pegasus, die Hirsche, die Fische, sie zerbröselten beim Versuch sie herauszulösen. Auf solche Zierde wird bei den neuen Bauten verzichtet: Blanker Beton trägt die Gleise und Züge über die Straßen im Grunewald. 80 Jahre sollen die neuen Brücken halten.

23 Millionen Euro kostet nach Bahn-Planungen allein die Erneuerung der Fernbahnstrecke zwischen Grunewald und Wannsee. 13 Millionen Euro kommen noch einmal hinzu, wenn auch die S-Bahn-Gleise hergerichtet werden. Das soll von 2013 an geschehen, dann fährt die S-Bahn nur auf einem Gleis über die vielen Brücken. Im Dezember 2013 soll alles abgeschlossen sein.

Das, was von den alten Brücken übrig ist, liegt neben den Wegen im Grunewald. Mannsgroße Stahlteile, auf die mit greller Farbe ihr tonnenschweres Gewicht gesprüht wurde. Dort landet auch das Geländer von der Forstweg-Überführung. Kurz und schmerzlos.