Steuer 2011

Heirat kann sich finanziell schnell rechnen

Teil 3 unserer Steuer-Serie: Für Eheleute hält der Staat Schnäppchentarife bereit. So funktioniert der Wechsel in die günstigere Steuerklasse reibungslos.

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Machen wir uns nichts vor: Entscheidet sich ein Paar nicht gerade für die günstige „Standesamt, Tulpenstrauß und Eisbecher am See“-Variante, ist eine Hochzeit verdammt teuer. Doch ist die Party vorbei und bezahlt, kann sich eine Heirat auf den zweiten Blick finanziell schnell rechnen. Denn es winkt die Ehegattenbesteuerung, der Splitting-Tarif. Das Beste daran: Eheleute erfüllen die Voraussetzungen dafür schon, wenn sie an nur einem Tag im Jahr unbeschränkt steuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben (Paragraf 26 Absatz 1 Einkommensteuergesetz). Sie haben die Wahl, ob sie eine gemeinsame Steuererklärung abgeben möchten oder lieber zwei getrennte. Vor dieser Entscheidung stehen sie jedes Jahr aufs Neue – ändern sich Lebensumstände, sollte die steuerliche Veranlagung daher neu bedacht werden. Den Finanzbeamten teilen Eheleute ihre Entscheidung über ein Kreuzchen in Zeile 19 des Mantelbogens mit. Äußern sie sich gar nicht, gilt die Regelung des Paragrafen 26 Absatz 3 Einkommensteuergesetz. Und es „(...) wird unterstellt, dass die Ehegatten die Zusammenveranlagung wählen.“

Zusammenveranlagung bedeutet, dass das Einkommen der Partner addiert und quasi als ein Einkommen behandelt wird. Welcher Anteil von welchem Teil kommt, ist dabei egal. Wenn sich Eheleute für eine getrennte Veranlagung entscheiden, werden sie steuerlich wie Alleinstehende behandelt – gerade wenn die Partner deutlich unterschiedlich verdienen, wird dann deutlich mehr Einkommensteuer fällig als bei der Zusammenveranlagung.

Wissenschaft Steuerklasse

Ehepaare können sich entscheiden, wie sie ihre Steuerklassen kombinieren. Diese Wahl hat Auswirkungen darauf, wie viel Geld monatlich netto vom Gehalt bleibt. Aber Achtung: Beim Wechsel der Steuerklasse geht es allein darum, dem Staat ein weniger hohes Darlehen in Form von Steuern zu zahlen. Ein Ehepaar hat so mit jeder Gehaltszahlung mehr Geld im Portemonnaie. Wer aber zu wenig Steuern bezahlt hat, dem droht mit der Steuererklärung oft eine Nachzahlung. Das weiß auch der Staat, weshalb Ehegatten, die sich für die Kombination III/IV oder IV/IV mit Faktor entschieden haben, zu einer Einkommensteuer verpflichtet sind. Die Kombination der Steuerklassen IV/IV rechnet sich in der Regel, wenn beide Partner etwa gleich viel verdienen. Wenn jedoch einer der beiden ein deutlich höheres Gehalt mit nach Hause bringt, ist die Kombination der Steuerklassen III/V die lukrativere. Sobald einer von beiden etwa zwei Drittel des Einkommens beisteuert, sollte er die Klasse III wählen.

An dieser Klassenwahl können Ehepaare auch noch feilen. Über das Faktorverfahren. Wer sich für die Kombination III/V entschieden hat, kann so die hohe Steuerbelastung der Klasse V abschwächen. Dafür wird derjenige mit Klasse III etwas stärker in Anspruch genommen. Auch wenn die Wahl auf III/III oder IV/IV gefallen ist, kann faktoriert werden. Genau berechnen, welche Kombination für sie die beste ist, können Ehepaare unter www.abgabenrechner.de.

Doch nicht nur das momentane Einkommen sollte Auswirkungen auf die Wahl der Lohnsteuerklasse haben. Denn am Nettogehalt hängen auch Lohnersatzleistungen wie etwa Arbeitslosen- oder Elterngeld. Wer in Klasse V steckt, hat Aussicht auf geringere Lohnersatzleistungen als würde er unter Klasse III oder IV laufen. Das bedeutet, dass der Partner, der erwartet, seinen Job zu verlieren, in Klasse III wechseln sollte. Dasselbe gilt für denjenigen, der nach der Geburt des Nachwuchses Elterngeld beantragen möchte. Einen Wechsel der Lohnsteuerklasse, um mehr Elterngeld zu bekommen, sieht das Bundessozialgericht übrigens als legitim an. Bei absehbarer Arbeitslosigkeit hingegen sperren sich Behörden teils gegen den Klassen-Wechsel.

Die Papp-Karte existiert noch

Grundsätzlich funktioniert die Änderung der Lohnsteuerklasse aber dennoch reibungslos: Egal ob Erstantrag oder Änderung, erst mal müssen sich beide Eheleute ihre Lohnsteuerkarte vom Arbeitgeber zurückgeben lassen. Die Papp-Lohnsteuerkarte sollte eigentlich längst abgeschafft sein – doch die Einführung der elektronischen Steuerkarte verzögert sich weiter. Nach den Pannen bei der Einführung der „Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale – ELStAM“ hat das Bundesfinanzministerium eine Einführung jetzt auf das Jahr 2013 verschoben.

Also: Die nach wie vor gültige Pappkarten einpacken und dann den „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten“ besorgen und ausfüllen. Das zweiseitige Formular erhalten Steuerzahler entweder beim Bürgerbüro, beim Finanzamt oder auf den Formular-Internet-Seiten der Finanzverwaltung ( www.formulare-bfinv.de/ ). Im Online-Formular-Center am besten das Stichwort „Lohnsteuerklasse“ links oben in das Suchfeld tippen – der oberste Treffer sollte der Antrag sein. Das ausgefüllte Formular zusammen mit beiden Lohnsteuerkarten an das Finanzamt schicken. Alle, die ihren Finanzbeamten einmal persönlich kennenlernen möchten, können den Antrag auch persönlich stellen. Auch dafür müssen noch beide Lohnsteuerkarten vorliegen. Außerdem müssen sich die Eheleute ausweisen können. Der Steuerklassenwechsel wird zu Beginn des Kalendermonats wirksam, der auf die Antragstellung folgt. Bei einem Wechsel fürs laufende Jahr gilt der 30. November als Stichtag.

Paare, die keine günstige Wahl treffen, geben dem Staat ein Darlehen, das sie erst mit der Steuererklärung im kommenden Jahr zurückfordern können. Doch damit die Hochzeit üppiger ausfallen kann, sollte dieser Kredit vermieden werden.