Steuer 2011

Die nächste Lohnrunde spendiert der Staat

Mit der Anlage "N" können Arbeitnehmer spielend ihr Jahressalär aufstocken. Aber Pauschbetrag ist dabei nicht gleich Pauschbetrag.

Es ist da. Und es ist… eine kleine süße Erhöhung des Arbeitnehmerpauschbetrags: 80 Euro mehr im Jahr für jeden Arbeitnehmer. Ob man für oder gegen Pauschalen plädiert, ist eine ideologische Frage. Klar ist, dass sie Bürger und Verwaltung entlasten – wenn sie hoch genug sind, um breitenwirksam zu sein. Klar ist jedoch auch, dass man mit einem Pauschbetrag nie allen Steuerzahlern gleichermaßen gerecht werden kann.

Die Bundesregierung hat den Arbeitnehmerpauschbetrag rückwirkend für Dezember 2011 von 920 Euro auf 1000 Euro angehoben. Experten gleich welcher Färbung (egal ob pro- oder contra-Pausch) sind sich einig, dass die Anhebung Makulatur ist. Früher betrug die Freigrenze 2000 DM. Nach der Euro-Umstellung wurde sie auf 920 Euro gekürzt und jetzt auf 1000 Euro angehoben. Klingt nicht nach einem guten Geschäft.

Das erste Mal brachte die „Aufschwung-Dividende“ Arbeitnehmern mit dem Dezemberlohn mehr Geld ins Portemonnaie. Für 2012 gewöhnen wir uns besser schon mal an die monatlich 90 Cent bis 2,80 Euro mehr im Geldbeutel. Aber: Nicht gleich alles auf einmal ausgeben.

Für all jene, die keine besonders hohen berufsbedingten Ausgaben für Dinge wie Arbeitskleidung, Fachliteratur, Fahrtkosten, Büromöbel, Computer, Werkzeug, Arbeitszimmer, Fortbildung oder auch Stellengesuche haben, ist der Arbeitnehmerpauschbetrag ein Geschenk. Das Finanzamt gewährt ihnen automatisch die Pauschale. Alle anderen sollten schauen, ob sie über diese Marke kommen. Denn wer höhere Kosten im Jahr zu stemmen hat, die in Zusammenhang mit seinem Job stehen, hat zwei Optionen. Entweder er schenkt diese Differenz dem Staat oder, er listet und belegt, was er ausgibt und rechnet diese Summe an.

Jeder, der Arbeitslohn (Anlage „N“, Zeilen 6 bis 10) oder andere steuerbegünstigte Versorgungsbezüge (Zeilen 11 bis 15) erhalten hat, muss die Anlage „N“ ausfüllen. Und auch steuerfreie Lohnersatzleistungen – also Arbeitslosen-, Eltern-, Mutterschafts-, Kranken- oder auch Kurzarbeitergeld (Zeilen 27 bis 30) – sind in den Bogen zu packen. Profitieren können teilweise auch Steuerzahler die im vergangenen Jahr gar keinen Lohn bekommen haben, sondern ausschließlich andere steuerpflichtige Einkünfte hatten. Wer Zinserträge oder auch Mieteinnahmen hatte und zugleich Ausgaben für einen zukünftigen Job tätigen musste, kann diese Kosten anrechnen. Vorallem in der Bewerbungsphase am Ende von Schulzeit oder Studium kommt es oft zu einer solchen Konstellation. Bewerbungskosten sind dann anrechenbar (Zeilen 47 bis 49).

Fahrten zur Arbeit richtig absetzen

Den größten Anteil an Werbungskosten machen Fahrten von Arbeitnehmern zum Job aus (Zeilen 31 bis 40 sowie, jetzt auch 50 bis 55). Für den Weg zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte gibt es 30 Cent pro Entfernungskilometer für eine Wegstrecke – die sich jedoch summieren können.

Die Pauschale bekommen Arbeitnehmer unabhängig davon, wie sie zur Arbeit fahren, selbst der Beifahrer kann sie geltend machen. Ohne Einzelnachweise erkennt das Finanzamt bei einer Fünf-Tage-Woche 220 bis 230 Arbeitstage an, bei einer Sechs-Tage-Woche 260 bis 280 Arbeitstage. Natürlich immer abzüglich der Urlaubs- und Krankheitstage und grundsätzlich bis zu einer Grenze von 4500 Euro – außer man fährt mit dem eigenen Auto, dann sind die Kilometer unbegrenzt absetzbar. Arbeitnehmer sind übrigens nicht verpflichtet, die kürzeste Route zur Arbeit zu nehmen – wer einen verkehrsgünstigeren aber weiteren Weg kennt, darf auf diesen ausweichen. Zur Ermittlung der Entfernungen eignen sich übrigens vorzüglich die diversen kostenlosen Entfernungsrechner im Internet. Mit Quellenangabe auf dem Steuerformular in den Zeilen 31 bis 40 (Rubrik Werbungskosten, Unterpunkt „Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte“) erledigt sich dann auch jede Diskussion mit dem Finanzamt über die korrekte Wegstrecke.

Reisekosten bringen mehr

Im vergangenen Jahr hat der Bundesfinanzhof seine langjährige Rechtsprechung zur regelmäßigen Arbeitsstätte geändert – mit Auswirkungen auf die Entfernungspauschale. „Davon profitieren beispielsweise Verkäuferinnen und Verkäufer, die in zwei oder mehr Verkaufsfilialen arbeiten, aber auch Lehrer, die an mehreren Schulen eingesetzt sind“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Viele Arbeitnehmer können jetzt höhere Werbungskosten absetzen. Als regelmäßige Arbeitsstätte gilt nur noch ein Arbeitsort.

Wer also für seinen Arbeitgeber an verschiedenen Stellen im Einsatz ist, der kann für alle anderen Arbeitsstellen Reisekosten geltend machen (Zeile 50). Und die bringen deutlich mehr: Für Fahrten mit dem Auto ist dann doppelt so viel absetzbar. Zwar gelten auch hier 30 Cent als das Maß der Dinge. Doch kann jeder gefahrene Kilometer für Hin- und Rückfahrt abgesetzt werden und nicht nur eine Wegstrecke wie bei der Entfernungspauschale. Dazu kommen pauschale Verpflegungsmehraufwendungen ab acht Stunden Abwesenheit von Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte (Zeilen 52 bis 56). Die Regelung zu Reisekosten ist verzwickt gestaffelt – ein Grund, weshalb das Finanzministerium hier aktuell an einer Vereinfachung feilt.

Der Abzug der höheren Kilometerpauschale gilt aber nur bei Fahrten mit dem eigenen Auto. Wer die BVG nutzt, um zu seinen anderen Arbeitsstätten zu kommen, kann hingegen nur die tatsächlichen Ticketkosten geltend machen. Mitfahrer, die gar keine eigenen Aufwendungen haben, gehen für diese Fahrten sogar ganz leer aus. Denn die aufwandsunabhängige Entfernungspauschale gilt nur für Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstelle.

Wer profitiert, kann vier Jahre rückwirkend höhere Werbungskosten absetzen – wenn für diese Jahre noch kein bestandskräftiger Steuerbescheid vorliegt.

Jeder, dessen Wohnung nicht in absoluter Nähe seiner Arbeitsstelle liegt, sollte stets rechnen: Denn schon bei einem Weg von 15,5 Kilometern (220 Arbeitstage mal 30 Cent) ist die 1000-Euro-Marke des neuen Arbeitnehmerpauschbetrags geknackt.