Steuer 2011

Es wird etwas einfacher – aber kaum gerechter

Der Gesetzgeber versprach Vereinfachungen im Steuerrecht. Doch merken Steuerzahler 2011 kaum etwas davon.

Die Zahl ist stattlich: Fast 600 Millionen Euro finanzielle Entlastung soll das „Steuervereinfachungsgesetz 2011“ Familien mit Kindern bringen. Und nicht nur diese Gruppe soll profitieren: Weniger Kopfzerbrechen und weniger Papierkram für alle Bürger sind das erklärte Ziel. Ein Ziel, das die Bundesregierung vor allem durch einen höheren Pauschalabzug für berufsbedingte Werbungskosten erreichen möchte. Dazu kommen ein erleichterter Anspruch auf Kindergeld und weniger komplizierte Voraussetzungen zur Erstattung von Kinderbetreuungskosten.

Doch bevor Steuerpflichtige anfangen, zu jubeln und sich schon jetzt auf ihre hohe Steuerrückzahlung zu freuen, gibt es eine Ernüchterung: Die allermeisten Neuregelungen gelten nicht für das Jahr 2011. Und sind damit auch nicht relevant für die jetzt anstehende Steuererklärung. Eine Ausnahme ist die Anhebung des Arbeitnehmerpauschbetrags von 920 auf 1000 Euro pro Jahr.

Die erhöhte Werbungskostenpauschale gewährt der Gesetzgeber anteilig bereits rückwirkend ab Dezember 2011. Insgesamt, so hat die Finanzverwaltung errechnet, müssen 550.000 Arbeitnehmer mehr als bisher keine Werbungskosten geltend machen. Damit steige die Zahl auf insgesamt 21,6 Millionen Arbeitnehmer. Eine (theoretische) Erleichterung bedeute die Anhebung für alle, die zwischen 920 und 1000 Euro an Job-Literatur, Arbeitskleidung oder sonstigen Aufwendungen auf ihren Job geleistet haben.

Uwe Rauhöft, Steuerberater und Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine, greift die Regelung dennoch an: „Arbeitnehmer müssen weiter Belege sammeln.“ Ein Großteil müsse schließlich weiterhin bei der Steuererklärung durchrechnen, ob sie den Pauschbetrag überschreiten oder nicht.

Belege sammeln bleibt Pflicht

Auch grundsätzlich ist die Anhebung umstritten: „Wer wirklich viele Werbungskosten hat, muss ja trotzdem alles auflisten – dabei sind das doch die wahrlich Betroffenen“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Wer nur Aufwendungen unterhalb des Pauschbetrages hat, profitiert, obwohl er tatsächlich nicht mehr belastet sein muss.

Und noch eine weitere Enttäuschung kann Bürgern nicht erspart bleiben: Der große Wurf, als der das Gesetz angekündigt wurde, ist es nicht. Ein Hauptproblem: Viele Arbeitnehmer müssen trotz Anhebung des Pauschbetrages weiter Belege sammeln. Und wenn eine finanzielle Entlastung eintritt, dann trifft sie oft nicht zielgenau – ein Problem vieler pauschaler Bewertungen. Eine prominente, vermeintliche, Vereinfachungsregel, die es jedoch nicht in die Endversion des Gesetzes schaffte, war die Einführung einer Zwei-Jahres-Steuererklärung. Was genau an einer zweijährigen Erklärung einfacher sein sollte, wurde in der Debatte ohnehin kaum klar. Gekippt wurde aber auch die Anhebung des Behindertenpauschbetrages.

Für die Steuererklärung 2012 (die 2013 ansteht) bringt das Steuervereinfachungsgesetz folgende Neuerungen: Eltern müssen ihren Anspruch auf Betreuungskosten nicht mehr gesondert nachweisen. Alle Eltern können für Kinder bis zum vollendeten 14.Lebensjahr zwei Drittel der Betreuungskosten, bis zu maximal 4000 Euro pro Jahr und Kind, als Sonderausgaben absetzen. Für behinderte Kinder gelten keine zeitlichen Beschränkungen. Zugleich entfällt die bisher geltende Einkünfte- und Bezügegrenze für die Berücksichtigung volljähriger Kinder.

Aufwendungen für die eigene erste Berufsausbildung oder das Erststudium sind derzeit als Sonderausgaben absetzbar. Der Höchstbetrag für Sonderausgaben steigt 2012 um 2000 auf 6000 Euro pro Jahr. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs sollten die Kosten als Werbungskosten berücksichtigt werden können. Diese Möglichkeit entfällt, wenn kein konkreter Bezug mit Einnahmen besteht. Wie Sie sich hier dennoch wappnen können, lesen Sie morgen, in Teil II der Steuer-Serie.

Was mehr übrig bleibt

Der Bund der Steuerzahler hat berechnet, wie sich die Neuregelungen im Jahr 2012 auf den Lohn auswirken. Drei Beispiele: Ein lediger Arbeitnehmer, SteuerklasseI, keine Kinder mit einem monatlichen Bruttoverdienst von 3750 Euro bringt im nächsten Jahr etwa 124,20 Euro mehr nach Hause. Bei einem Gehalt von 1500 Euro erhält der Single ein Plus von gut 68 Euro im Jahr, bei einem Verdienst von 5800 Euro nur noch etwa 47 Euro. Und auch für ledige Alleinerziehende mit SteuerklasseII und einem Kind bleibt ein bisschen mehr netto übrig: Bei 1500 Euro brutto liegt das Plus bei fast 59 Euro, bei 3750 Euro macht es gut 123 Euro aus. In der Gehaltsregion von 5800 Euro sind es dann 48,48 Euro.

Mehr vom Lohn abgezogen bekommt ein verheirateter Familienvater, zwei Kinder, Lohnsteuerklasse III. Verdient er 3750 Euro, kann er sich immerhin noch über gut 96 Euro Plus im Jahr freuen. Bei 1500 Euro Verdienst schrumpft die Entlastung auf 27 Euro im Jahr. Bei 5800 Euro Gehalt fällt sie mit nur noch 1,20 Euro so gut wie nicht mehr ins Gewicht.

mit dapd